Ausfahrt mit dem Bentley Continental GT Speed : Die Dame und das rote Biest

Der Zwölfzylinder Continental GT Speed von Bentley ist ein Geschoss, das auch Ladies verführen kann.

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Der GT Speed macht mit seinem aggressiven Ferrari-Rot auf Sportwagen, kann aber auch ganz Gentleman sein.
Der GT Speed macht mit seinem aggressiven Ferrari-Rot auf Sportwagen, kann aber auch ganz Gentleman sein.Foto: Markus Mechnich

Ach, Vernunft! Verschwinde, aus dem Weg, sonst fahr ich dich um! Da steht er, knallrot, mit frivolen 625 PS zum obszönen Preis von mehr als 200 000 Euro: der Bentley Continental GT Speed. Vor meiner Haustür. Ich darf ihn fahren. Yeah!

Ist er sexy? Jaaa! Von außen gar nicht mal so sehr. Der Schlitten hat die Maße eines Mittelklassewagens und sieht auch nicht allzu sportlich aus: vorne nicht spitz, hinten nicht flach. Er ist Brite, kein Italiener! Unaufgeregt. Understatement. Und jetzt Gummi!

Carbon statt Wurzelholz

Ach, da wäre noch was. Der Sound. Ich muss an meinen Bruder denken. Er ist Ingenieur in der Autoindustrie, ein Freak erster Güte, schraubt ewig an etwas herum, hat nie weniger als sechs Autos gleichzeitig, sein Opus Magnum ist ein Chevrolet SS Nova von 1971, den er auf 550 PS gepimpt hat. Allein für maßgeschneiderte Teile dürfte mein Bruder einen horrenden Betrag ausgegeben haben. Und ganz wichtig natürlich: Das satte Grollen des Motors. Der Sound.

Der Bentley grollt auch, aber das hören nur die anderen. Ich sitze drin, die Tür ist zu, er schnurrt. Ein paar Halbstarke bleiben beeindruckt auf der Straße stehen. Ich öffne die Tür – Whoa! Der Sound! Die Tür ist schwer und dicht. Sie sperrt den Sound aus. Das Radio steht auf leise, dennoch dringen alle Töne ans Ohr. Schließt man die Tür allzu zaghaft, zieht sie sich von allein zu.

Dame trifft rotes Biest. Die passende Farbe von Handtasche und Schuhen könnte ausgesucht sein, ist aber Zufall.
Dame trifft rotes Biest. Die passende Farbe von Handtasche und Schuhen könnte ausgesucht sein, ist aber Zufall.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Drinnen Ledersitze. Interessante Farbe: Es ist kein Grau, aber auch kein Schwarz. Grau geht für Leder ja gar nicht; schwarz wäre hier zu ordinär. Es ist eine Art hellschwarz, matt, genarbt, das Armaturenbrett ist auch damit bezogen, sogar der Himmel, rote Nähte setzen es ab. Das Cockpit könnte auch einem Sportwagen aus den Sechzigern gehören, leicht retro, runde Anzeigen mit Zeigern, aber dann natürlich kein Wurzelholz drumrum, sondern Carbon, und der Look ist auch nicht echt nostalgisch, sondern technisch ganz vorne. Wenn man so will, ist Geschichtsbewusstsein der Vater dieses Designs. Er ist eben Brite. Hach.

Endlich ohne Tempolimit

Ich liebe ihn jetzt schon, lege den Rückwärtsgang ein – und der Bildschirm des Navis zeigt plötzlich, wie es hinten aussieht. Per Kamera! Ladies, dieses Auto ist auch für Mädchen gemacht. (Zugegeben, dieses Gadget haben mittlerweile auch andere Autos.) Der Wagen fährt locker 330, aber ich traue mich nicht über 250, nachdem endlich ein Autobahnabschnitt ohne Tempolimit gefunden ist.

Zwischen Leder und Carbon: Das Interieur des Bentley Continental GT Speed wusste zu gefallen.
Zwischen Leder und Carbon: Das Interieur des Bentley Continental GT Speed wusste zu gefallen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Von null auf hundert ist der Zwölfzylinder in gut vier Sekunden, ich werde in den Sitz gedrückt, dieser Effekt lässt sich noch verschärfen: Indem man von „D“ auf „S“ schaltet. Mit „S“ hat man einen richtigen Sportwagen: Arsch über Asphalt, harte Federung, zieht nach vorne, liegt in der Kurve flach auf der Straße. Kurz: Er fährt, wie er nicht aussieht. Mit „D“ hebt sich das Chassis wieder leicht, und der Pilot gleitet majestätisch dahin, immer noch mit mächtig Zug unter der Haube, aber doch mit dem Effekt, dass Gefühl und Aussehen wieder übereinstimmen.

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Typisch: Die vier Rundleuchten und der breite Kühlergrill sind Kennzeichen der Marke.

Für ein kerniges Kerlchen wie Daniel Craig ist der Bentley wohl zu unsportlich. Nach dem Seitensprung zu BMW fährt James Bond wieder Aston Martin, eigentlich schon seit Pierce Brosnans letztem Bond-Film „Die Another Day“, und durchgehend seit Daniel Craig ihn spielt, also seit „Casino Royale“. Dabei hatte sich Ian Fleming gleich in seinem ersten Bond-Buch wohl eher einen Gentleman vorgestellt als einen harten Actionhelden. Die „Casino Royale“-Buchvorlage von 1953 sah nämlich einen Bentley als Dienstfahrzeug vor.

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