Auto : Außen SUV, innen Porsche

Die Zuffenhausener haben den Cayenne um fast vier Zentner abgespeckt – was Verbrauch und Image zugutekommen soll

Burkhard Assmus
Wer schön wohnen will … muss erstmal kräftig investieren. Das gilt auch für den Cayenne, der im Inneren jetzt weniger wuchtig daherkommt– manche sagen auch „porschiger“. Fotos: promo
Wer schön wohnen will … muss erstmal kräftig investieren. Das gilt auch für den Cayenne, der im Inneren jetzt weniger wuchtig...

Viel Schelte hat der Porsche Cayenne seit 2003 einstecken müssen: zu groß, zu massig, zu unvernünftig, nicht sparsam genug – einfach ein Auto, das nicht in die Welt passt und schlichtweg über ist. Doch die Welt war anderer Meinung. 270 000 Fahrzeuge wurden am Standort Leipzig produziert und in die Hände derer übergeben, denen diese Aussagen völlig egal sind. Denn sie alle lieben dieses Auto und wissen seine Vorzüge zu schätzen. Und sie alle könnten sich sicherlich auch mit der zweiten Version des Stuttgarter (Leipziger) SUVs anfreunden, der seit Anfang Mai zu Preisen ab mindestens 55 431 Euro zu haben ist.

Understatement ist mit Sicherheit keine hervorzuhebende Tugend des Cayenne. Doch: Für Porsche war und ist der große Geländewagen ein Erfolgsmodell, das den Schwaben in vielen Ländern erst die Tür geöffnet und den Weg zu neuen Kundengruppen erschlossen hat. Deshalb halten die Stuttgarter konsequent an ihrem Geländegiganten Made in Leipzig fest, statt sich auf die Sportwagensparte zu konzentrieren und Familienväter oder andere Viererrunden allein mit dem großen Panamera zu ködern.

Die dritte Baureihe der Zuffenhausener soll mithelfen, die lange Durststrecke des Sportwagenherstellers zu überwinden. Mit abgespeckter Statur, sparsameren Motoren und einem Hybridantrieb sowie einem frischen und leider auch verwechselbarem Design geht’s für den ehemaligen Buhmann der Nation in die nächste Runde. Auch in der zweiten Auflage heißt der Zwillingsbruder Volkswagen Touareg. Doch das ist nicht weiter peinlich. Denn der Wagen ist nicht nur in der Länge und beim Radstand gewachsen, sondern vor allem ist er fast vier Zentner (insgesamt 181 Kilogramm) leichter und mit einer niedrigeren Dachlinie sehr viel windschnittiger geworden. Die Abspeckkur rührt hauptsächlich von Gewichtsoptimierungen beim Antriebsstrang und an der Karosserie. So sind jetzt zum Beispiel die Kotflügel, Motorhaube und Heckklappe aus Aluminium. Trapezförmige Spiegel und Scheinwerfer á la Panamera lassen den Cayenne von außen zudem wesentlich frischer erscheinen.

Die Schönheits- und Verjüngungskur setzt sich im Innenraum mit neuen Materialien und Farbkombinationen fort: Das Cockpit sowie die Mittelkonsole haben wir schon im Panamera gesehen. Sie wirkt nicht mehr so wuchtig wie beim Vorgänger und jetzt fühlt man sich als Fahrer nicht wirklich wie in einem SUV – vielmehr ist man in das Auto integriert. Der Drehzahlmesser ist endlich auch dort, wo er beim Porsche schon immer gesessen hat: zentral mittig im Cockpit. So soll es sein. Das Lenkrad ist kleiner geworden und lässt noch eine Portion mehr Sportwagen-Feeling aufkommen. Und was die Fondpassagiere anbelangt: Auch sie sitzen sozusagen in der ersten Reihe – vor allem, wenn das Rear-Seat-Entertainment-Paket mit zwei Touchscreen-Monitoren geordert wird. Eine neue Rücksitzanlage und 130 Liter mehr Kofferraumvolumen sollten auch nicht vergessen werden. So geht mindestens ein Golfschläger mehr in das voluminöse Gepäckabteil.

Technisch hat Porsche auch nicht geschlafen: Acht-Gang-Tiptronic, Start- Stop-Funktion in allen Modellen, Schubabschaltung, rollwiderstandsoptimierte Reifen, komplett neu entwickelte Fahrwerkssysteme und ein neu abgestimmtes PTM – so macht man den Cayenne ein wenig sozialverträglicher. Der Verbrauch sinkt um bis zu 23 Prozent. Drei der fünf neuen Modell-Varianten bleiben unter zehn Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Wer es besonders grün mag, für den gibt es einen V6-Motor mit zusätzlichem Hybridantrieb. Mit ihm ist ein rein elektrisches Fahren – zum Beispiel in Wohngebieten – bis maximal 60 km/h möglich.

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