Austauschteile : Mehrweg ganz ohne Trittin

Austauschteile rücken wieder ins Blickfeld. Sie sind überarbeitet – und preiswerter als fabrikneue Baugruppen

Heiko Haupt (dpa)
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Sichtkontrolle. Eine Motorüberholung ist mehr als nur kurz gucken: Verschleißteile werden gewechselt, Komponenten überarbeitet –...

Wenn das Auto kaputt ist, dann ist das ärgerlich – und meistens teuer. Denn wenn der Wagen nicht mehr will, muss er in die Werkstatt. Dort machen sich die Mitarbeiter an Fehlersuche und -beseitigung, was beides Geld kostet. Hinzu kommt aber, dass für die benötigten Ersatzteile teils erschreckende Preise aufgerufen werden.

Vergessen wird dabei oft eine altbekannte Alternative: Austauschteile. Gerade in Zeiten hoher Kosten werden die überholten Baugruppen immer wichtiger werdende Hilfsmittel bei der Autoreparatur. Dabei gibt es aufbereitete Teile für den Austausch schon seit Jahrzehnten – allerdings war das Thema eine Zeitlang fast vergessen.

Austauschteile sind eine Art Mittelweg zwischen den übrigen Ersatzteil-Möglichkeiten: Sie sind keine so unsichere Alternative wie ein gebrauchtes Teil, das noch einmal deutlich billiger sein kann – und sie sind nicht so kostspielig wie ein neues Original-Ersatzteil. Schlicht gesagt, handelt es sich um ehemals ebenfalls defekte Teile, die wieder aufbereitet wurden, so dass sie nun gegen das aktuell kaputte Teil ausgewechselt werden können.

   Dahinter verbirgt sich ein professionelles System der Aufbereitung, das zum Teil richtiggehend industriell produziert – mit Fließbändern und Montagestraßen. Denn die Überholung ist mehr als eine simple Reparatur: Zum echten Austauschteil wird eine technische Komponente erst nach einer umfassenden Überarbeitung. Die wird in der Regel bei jenem Unternehmen vorgenommen, das ursprünglich das Teil produziert hat. „Solche Teile sind eine interessante Alternative. In den Werkstätten gibt es nach unseren Erfahrungen auch eine verstärkte Nachfrage nach solchen Austauschteilen“, sagt Ulrich Dilchert vom Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZIV) in Bonn.

   Zu den Klassikern für solche Wiederaufbereitungen gehören Lichtmaschinen, Getriebe und Motoren. Ebenfalls aufbereitet werden Anlasser, Klimakompressoren oder Komponenten von Einspritzsystemen. Auch die Aufarbeitung von elektronischen Motorsteuerungen wird immer mehr zum Thema.

   Das Prinzip hinter dem Austausch ist in der Theorie einfach, umfasst aber einen umfangreichen Prozess: „Grundsätzlich bleiben dabei Metallteile wie die Gehäuse erhalten“, erklärt Stephan Kraus, Sprecher von Bosch in Stuttgart. „Die Verschleißteile werden dagegen ersetzt.“ Dabei kann es sich um Dichtungen, Lager sowie diverse andere Komponenten des jeweiligen Aggregats handeln. Im Grunde bleibt also all das erhalten, was ohnehin nicht kaputt gehen kann, der Rest wird erneuert.

   Etwas komplizierter wird die Sache im Zusammenhang mit Motoren – allerdings nicht nur vom Aufwand her, sondern auch bei der Bezeichnung. Denn zwar hat fast jeder den Begriff Austauschmotor schon einmal gehört, allerdings darf nicht jeder ausgetauschte und aufbereitete Motor auch so heißen: Der Begriff darf nur dann benutzt werden, wenn das Aggregat vom Produzenten des Wagens geliefert wurde. Denn Hersteller wie Volkswagen und Mercedes organisieren eine industrielle Aufbereitung defekter Motoren, die dann als Austauschmotoren angeboten werden. Motoreninstandsetzer bieten ebenfalls solche Generalüberholungen an – dürfen sie aber nicht Austauschmotor nennen. Das Prinzip ist aber bei Hersteller und Instandsetzer das gleiche: Alle Komponenten werden überprüft, defekte Teile und Verschleißteile wie Lager, Kolben oder Dichtungen ersetzt, hoch belastete Stellen wie Kolbenlaufbahnen oder die Dichtflächen des Zylinderkopfs mechanisch bearbeitet und geglättet und der Motor schließlich wieder montiert.

   Der größte Vorteil von Austauschteilen liegt dabei in der Kombination aus Herstellergarantie und günstigen Preisen – zumindest in Relation zu dem, was eine ganz neue Komponente gekostet hätte. „Als groben Daumenwert kann man sagen, dass solche Austauschteile etwa ein Drittel unter den Preisen neuer Teile liegen“, sagt Bosch-Mann Kraus. Freie Instandsetzer kalkulieren für einen überholten Motor in der Regel etwa die Hälfte dessen, was ein fabrikneuer gekostet hätte – dann zumindest, wenn der alte, defekte, beim Instandsetzer bleibt. Denn der ist das Rohmaterial für die nächste Überholung.

   Mit den Austauschteilen lassen sich für die Hersteller gute Geschäfte machen: Bosch gibt an, dass das Unternehmen mittlerweile 5200 verschiedene Teile im sogenannten Exchange-Programm anbietet – jährlich werden insgesamt 2,5 Millionen Exchange-Teile verkauft. Und ganz nebenbei werden mit Austauschteilen auch Umwelt und Ressourcen geschont: Im Vergleich zur Neuproduktion werden bei Bosch nach eigenen Angaben unter anderem jährlich 2200 Tonnen Stahl und 1000 Tonnen CO2 eingespart. Heiko Haupt (dpa)

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