Autolänge : An der Grenze des Wachstums

Jahrzehnte lang waren neue Autos fast immer größer als ihre Vorgängermodelle. Doch jetzt scheint ein Ende des Trends erkennbar.

Felix Rehwald (dpa)

Mit jedem Generationswechsel kamen ein paar Zentimeter dazu. Das schien bisher Gesetz zu sein in der Kompaktklasse. Doch nun sind die Modelle offenbar ausgewachsen, das zeigt ein Blick auf die jüngsten Modelle der „Golf-Klasse“ – nicht zuletzt auf den Namensgeber selbst: Der kommende Golf VI kommt in der Länge auf 4199 Millimeter, Breite und Höhe betragen 1786 und 1479 Millimeter. Beim Golf V waren es noch 4204, 1759 und 1485 Millimeter. Die neue Generation ist damit fünf Millimeter kürzer und sechs Millimeter flacher als der Vorgänger, dafür 27 Millimeter breiter. Das war beim Modellwechsel vom Golf IV zum Golf V noch anders: der Nachfolger legte in Länge, Breite und Höhe um 55, 24 und 46 Millimeter zu. Der Ur-Golf I war bei seiner Premiere 1974 sogar nur 3705 Millimeter lang gewesen, 1610 Millimeter breit und 1390 Millimeter hoch.

Einen Grund für das bisherige stete Größenwachstum in der Kompaktklasse sieht Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics im Wunsch der Kunden nach Komfort und Platzangebot. Folge: Viele Fahrzeuge der Gattung wildern inzwischen eine Klasse höher, im Mittelklasse-Segment. Im Gegenzug schieben die Hersteller unterhalb der Klasse neue kleinere Modelle nach.

In Zeiten der Klimadebatte und immer weiter steigender Preise für Kraftstoff kommen jedoch neue Rahmenbedingungen hinzu: „Wirtschaftliche Zwänge wie Spritpreis und CO2-Besteuerung werden den Einführungsdruck für neue kleinere Fahrzeuge intensivieren sowie auch andere Konsequenzen fordern“, kommentiert Nick Margetts.

Dass sich die veränderten Rahmenbedingungen auf die Modellpolitik der Hersteller auswirken, glaubt auch Norbert Wittemann vom Beratungsunternehmen PRTM. „So wird das Größenwachstum in den einzelnen Klassen moderat ausfallen, und die Premiumhersteller werden versuchen, in den kleineren Klassen Fuß zu fassen.“ Hinzu kommt, dass mittlerweile bei den Kompaktmodellen die Wachstumsgrenzen ausgereizt sind, wie VW-Sprecher Christian Buhlmann in Wolfsburg sagt: „Ich glaube nicht, dass die Leute unbedingt ein Auto haben wollen, das wesentlich größer ist als vier Meter.“ Ein weiteres Argument, das für ein Ende des Größenwachstums im Kompaktsegment spricht, ist laut Wittemann der Trend zu Ein-Personen-Haushalten. Singles benötigten weniger Platz. Sie orderten deshalb eher kleinere Autos und investierten ihr Geld statt in Größe lieber in mehr Komfort und zusätzliche Ausstattungsmerkmale. Felix Rehwald (dpa)

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben