Automarkt : Hyundai ix35: Schwung auf ganzer Linie

Hyundai ist längst nicht mehr Hyundai: Warum man den neuen ix35 ernst nehmen sollte.

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Der Hundai ix35 wird vorgestellt. -Foto: AFP

Koreaner lernen verdammt schnell. Siehe Hyundai ix35, der seit Ende März bei den Händlern steht. Nicht nur der Name ist grundlegend anders, auch das Konzept: Aus dem rustikalen Tucson – bei uns seit 2004 gut 50 000 Mal verkauft – wurde der lifestylige ix35, der damit in die neue Nomenklatur passt. Der Frischling ist ein europäisches Auto, das auch hier das Licht der Welt erblickt hat: entwickelt in Rüsselsheim, gestaltet vom deutschen Designer Thomas Bürkle und gebaut im slowakischen Zilina. Geländewagen? Nicht mehr! Der ix35 soll jetzt „Cityroader“ sein und – man beachte das neue Selbstbewusstsein der Koreaner – den BMW X3, VW Tiguan und Ford Kuga dieser Welt das künftige Leben schwerer machen.

Denn Hyundai will höher hinaus und künftig auch Premium sein. Diesem hohen Anspruch wird der ix35 allerdings nur teilweise gerecht, wenngleich der Fortschritt gegenüber dem Tucson frappierend ist. Statt lieblos zusammengeschusterter Kunststoffe wie im Tucson empfangen den ix35-Fahrer nun hochwertigere Materialien, die zudem gut verarbeitet sind. Die Sitze mit ihrer angenehm hohen Position könnten auch in einem VW montiert werden: groß, straff, guter Seitenhalt. Auch die Lenkung agiert jetzt so präzise, wie man das von einem modernen SUV erwarten muss. Der Motorraum verrät geschickte Dämmung, die Arbeitsgeräusche der Triebwerke sind zwar zu hören, doch sie stören nicht. Ein Benziner und zwei Diesel können zum Marktstart geordert werden. Der 163 PS starke Zweiliter-Benziner erweist sich im Alltag allerdings als schwachbrüstiger Geselle, vor allem in Verbindung mit der Sechsstufenautomatik. Keine empfehlenswerte Kombination. Automatik und Diesel? Ja, das hingegen klappt vorzüglich. Der Selbstzünder in zwei Leistungsstufen mit 136 und 184 PS stammt aus dem Diesel-Entwicklungszentrum Rüsselsheim. Gratulation – dieses Triebwerk kann mit denen von VW und BMW locker mithalten. Schon der kleinere Ableger reicht eigentlich aus. Die 2700 Euro Aufpreis für den stärkeren kann man sich sparen; zumal dessen Fahrleistungen nur marginal besser sind, weil die 184-PS-Maschine nur als Allradler lieferbar ist. Wer ihn braucht, ja. Nur sollte er dann bedenken, dass die geringe Bodenfreiheit von nur 17 Zentimetern Ausflüge ins Gelände schnell limitiert. Und der Fronttriebler macht seine Sache im City-Alltag ja auch richtig gut. So soll jeder selbst entscheiden, ob ihm vier angetriebene Räder 1700 Euro extra wert sind. Keine Wahl hat der ix35-Fahrer beim Federungskomfort. Da haben sich die Hyundai-Techniker leider am (brettharten) BMW X3 orientiert: Beim ix erweist sich die sportliche Abstimmung im schlaglochübersäten Alltag als überfordert. Die Vorderachse poltert auf Flicken-Straßen und schmälert so unnötig den ansonsten guten Qualitätseindruck.

Auch Hyundai übernimmt die unschönen Gepflogenheiten deutscher Hersteller: Die Aufpreisliste wurde länger, bestimmte Extras wie das automatische Einparksystem, die Sechsstufenautomatik oder das tolle Panoramadach bekommt man nicht für die Basisversion Comfort. Und die bietet eigentlich alles, was man braucht: ESP, sechs Airbags, (ein sehr gut klingendes!) CD-Radio, Klima und Bordcomputer. Und das Ganze für faire 20 990 Euro beim Benziner. Für den kleinen Diesel werden gleich heftige 3200 Euro mehr fällig. Und das Topmodell Premium mit 184 Diesel-PS überspringt gar die 30 000er-Marke um 590 Euro.

Wer clever ist, wartet ohnehin bis Herbst. Dann starten die interessanten Basismotorisierungen: ein neuer 1,7-Liter-Diesel mit 116 PS und Start-Stopp sowie der erste Benzin-Direkteinspritzer der Koreaner, ein 1,6-Liter-Benziner mit 140 PS, der ebenfalls mit Start-Stopp-Einrichtung zum Händler kommt.

Beispielhaft ist das, was Hyundai erstmals für den ix35 zusammengepackt hat: fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung auf das komplette Auto, inklusive der Lackierung! Dazu übernehmen die Koreaner für fünf Jahre alle Wartungskosten. Dazu kommt eine fünfjährige Mobilitätsgarantie, die europaweit schützt. Das bietet bislang kein anderer Hersteller.

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