Automarkt : Nach der Prämie gleich vor der Prämie?

Nach dem Ende des Abwrackens beginnt der Streit um den nächsten Kaufanreiz: Die Diskussion um Kaufprämien für Elektroautos sorgt für Spannung.

Kai Kolwitz

Der Verkehrsminister wurde deutlich: Eine staatliche Förderung für den Kauf von Elektroautos komme nicht in Betracht, sagte Peter Ramsauer (CSU) der Financial Times Deutschland. Vorerst zumindest, denn eine Hintertür ließ sich der CSU-Mann offen: Sollte es sich in Zukunft zeigen, dass Marktanreize nötig seien, dann könne man schnell reagieren und ein Programm auflegen. "Wenn ich jetzt schon sage, dass ich später Prämien zahle, erzeuge ich bei den Käufern natürlich eine abwartende Haltung", sagte Ramsauer. Will heißen: Erst einmal abwarten, ob die Käufer nicht auch ohne Anreiz zugreifen.

Das Thema Elektromobilität scheint langsam konkreter zu werden. Darum wachsen auch die Begehrlichkeiten von Industrie und Lobbyisten. Die Wirtschaftswoche hatte jüngst gemeldet, dass der Verband der Deutschen Automobilindustrie von der Bundesregierung eine Prämie von 5000 Euro für jeden Käufer eines Elektroautos fordere. Das hat der Verband inzwischen bestritten.

Geld will man allerdings trotzdem: Wirkungsvolle Unterstützung von der Bundesregierung bei der Entwicklung von Elektroautos forderte Matthias Wissmann. Der CDU-Mann und Ex-Bundesverkehrsminister ist heute Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und damit Chef-Lobbyist der deutschen Autobauer. Auf dem Neujahrsempfang seiner Vereinigung äußerte Wissmann sein Anliegen durch die Blume: Von einem Spitzentreffen mit der Bundeskanzlerin im Frühjahr erwarte man "wichtige Impulse zur Innovationsförderung in Deutschland."

Hintergrund der Debatte um Kaufprämien ist, dass in diesem Jahr die ersten in Großserie gefertigten Elektro-Autos auf den deutschen Markt kommen werden: der Mitsubishi i MiEV sowie fast baugleiche Schwestermodelle von Citroen und Peugeot.

Allerdings werden die elektrisch betriebenen Kleinstwagen ohne eine wie auch immer geartete Subventionierung (auch Zugeständnisse der Hersteller wären denkbar) im Preis nicht einmal in die Nähe der mit Benzin oder Diesel fahrenden Konkurrenz kommen. Rund 34.000 Euro verlangt Mitsubishi für den i MiEV in Japan, vor allem deshalb, weil die benötigten Batterien weiterhin sehr teuer in der Herstellung sind.

Eine staatliche Prämie könnte den Preisunterschied zumindest mildern. Außerdem hätte sie vermutlich große Symbolwirkung. Andere Staaten haben bereits ihre Absicht verkündet, Käufer von Elektroautos zu unterstützen.

Allerdings wären staatliche Kaufanreize in Deutschland auch etwas pikant. Die Abwrackprämie lässt grüßen: Mann hatte doch gerade erst die Bürger durch eine Prämie von 2500 Euro in Scharen dazu motiviert, sich neue Autos zuzulegen, die in aller Regel aber noch mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Diese Fahrzeuge werden erst zwei bis drei Jahre alt sein, wenn Elektroautos in größerer Zahl am Markt verfügbar sein werden.

Gegen eine direkte Förderung des Kaufs von Elektrofahrzeugen hat sich auch die acatech Deutsche Technikakademie ausgesprochen, eine Art Thinktank, der Experten aus Wissenschaft und Industrie vernetzt. Um ihre Einschätzung zu stützen, dreht die Akademie die Preis-Argumentation einfach herum: Die ersten Fahrzeuge würden so teuer auf den Markt kommen, dass sie vor allem von wohlhabenden Umweltfreunden als Zweitwagen gekauft würden. Und diese hätten die Förderung nicht nötig.

Stattdessen fordert man Geld für Forschung und Entwicklung im Bereich Elektro-Mobilität, um erst einmal marktfähige Komponenten und die zugehörige Infrastruktur schaffen zu können. Deutschland könne dann immer noch "Leitanbieter" im Bereich Elektromobilität werden. Doch die Forschung in diesem Bereich hat die Bundesregierung bereits im Rahmen des Konjunkturpakets II mit 500 Millionen Euro bedacht. Zurzeit laufen in acht Modellregionen Versuche an, in denen unterschiedliche Modelle elektrischer Mobilität und der zugehörigen Infrastruktur erprobt werden sollen.

Die Bundesregierung wird am Ende entscheiden müssen, ob sie bereit ist, die Entwicklung mit noch mehr Geld schneller voranzutreiben. Auch ist zu klären, ob es politisch gewollt ist, den Käufern von Elektroautos und damit auch der Industrie durch direkte Prämien unter die Arme zu greifen. Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen rollen, dieses Ziel hat Verkehrsminister Ramsauer gerade noch einmal bekräftigt.

Doch bis es soweit ist, werden die Lobbyisten aller Strömungen wohl noch einige Termine bei Ministern und Abgeordneten wahrnehmen.  

Quelle: ZEIT ONLINE

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