Automatisches Einparken : Mit einem Fingertipp in die Parklücke

Immer mehr Hersteller entwickeln Assistenzsysteme zum automatischen Einparken – ein Überblick.

Fabian Hoberg [dpa]
Ab in die Lücke. Ein mit dem Remote Park Assist System von Bosch ausgestattetes Auto parkt per Mobiltelefon selbstständig ein.
Ab in die Lücke. Ein mit dem Remote Park Assist System von Bosch ausgestattetes Auto parkt per Mobiltelefon selbstständig ein.Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Das Auto ist zu breit. Zumindest für diese Parklücke. Es passt zwar rein, aber die Türen lassen sich anschließend nicht mehr öffnen. Ein Problem? Nicht mehr, zumindest für einige Hersteller. Denn sie entwickeln automatisch einparkende Fahrzeuge. Mit einem Knopfdruck oder Fingertipp fahren die Autos auf ihren Stellplatz – nachdem der Fahrer ausgestiegen ist.

Das erste Serienauto, das selbstständig auf einen Stellplatz rollt, ist der BMW 7er. Seit vergangenem Jahr lässt sich die 2,17 Meter breite Oberklasse-Limousine in engen Längsparkbuchten oder Garagen fernsteuern. Der Fahrer muss dafür das Auto nur vorher mittig und maximal anderthalb Fahrzeuglängen vor der Lücke platzieren. Per Fingertipp auf den großen Display-Schlüssel aktiviert der Pilot den Einparkvorgang. Liegt ein Hindernis im Sensorfeld, bremst der langsam rollende BMW automatisch ab.

Doch das sei nur der erste Schritt. Künftig kann der Schlüssel in der Hosentasche bleiben. BMW forscht am Einparken mittels Gesten. Auf der Elektronikmesse Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigte BMW im Januar sein Gesture Controlled Parking. Damit parkte ein i3 nach einer Winkgeste über eine Smartwatch automatisch ein und aus.

Spezielle Sensoren errechnen ein 360-Grad-Umfeld, ein Laserscanner warnt vor Hindernissen, Personen oder anderen Autos. „Das System befindet sich jedoch erst im Prototypen-Stadium. Wann und ob es in Serie geht, ist derzeit noch nicht entschieden“, sagt ein BMW-Sprecher. Sicher sei aber, dass es das ferngesteuerte Parken auch in weiteren Baureihen von BMW geben wird.

Technik entlässt Fahrer nicht aus Verantwortung

Auch Mercedes bietet in seiner neuen E-Klasse ferngesteuertes Einparken an. Statt eines besonderen Schlüssels zücken E-Klasse-Fahrer ab April nur ihr Smartphone. Beim autonomen Remote Park Pilot misst der Mercedes automatisch Parklücken. Mit einer Kreisbewegung auf einer speziellen App parkt der Besitzer sein Auto ein. Sanftes Beschleunigen und Bremsen geschieht automatisch, der Besitzer muss nur im Bluetooth-Bereich von drei Metern beim Auto stehen. Bis zu zehn Meter kann das Auto seinen Weg erkennen, Hindernissen ausweichen und selbstständig bremsen. Weitere Modelle sollen folgen.

Volkswagen stellte 2015 auf der CES das Trained Parking vor. Bei der Studie musste der Fahrer dafür den Weg einmal selbst fahren und ihn dabei aufzeichnen lassen. Danach konnte das Auto die erlernte Strecke automatisch zurücklegen – ideal also nur für die heimische Garage. In ein paar Jahren will VW seine Autos auch mit dem Smartphone steuern.

Dass das klappt, zeigte ebenfalls vergangenes Jahr Land Rover. Die Funktion unterscheidet sich jedoch von den Ideen der deutschen Hersteller. Denn nicht das Fahrzeug errechnet den optimalen Weg und steuert selbst, sondern der Benutzer. Wie bei einem Videospiel legt ein Fingertipp auf den Smartphone-Bildschirm einen Gang ein. Ein Daumen drückt die Bremse und gibt Gas, der andere dreht am digitalen Lenkrad. Bis zu sechs km/h schnell lässt sich der SUV per Fernsteuerung fahren. Berührt kein Finger das Display, stoppt das Auto. Das System soll aber nicht nur beim Ein- und Ausparken helfen, sondern auch beim Rangieren durch schwieriges Gelände. Im Gegensatz zum Einparksystem des BMW kann der Handynutzer das Auto so beliebig bewegen. Bis zur Serienreife wird es aber noch ein paar Jahre dauern.

Volvo will spätestens in zwei Jahren ein System anbieten, das das Fahrzeug selbst einparkt. Voraussetzung sei nur das Notrufsystem, das mit dem Handy kommuniziert, sagt ein Volvo-Sprecher. Schon heute kann die App Volvo on Call das Auto starten, orten und verschließen. Doch selbst wenn die Fahrzeuge künftig selbst ihre Lücken suchen und finden, entlässt die Technik den Fahrer nicht aus der Verantwortung. „Voraussetzung für den Einsatz ist, dass der Fahrer das System überwacht und jederzeit eingreifen kann“, sagt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das gehe gegebenenfalls auch außerhalb des Fahrzeugs mittels Funksteuerung über den Fahrzeugschlüssel oder per Smartphone-App. Verkehrsopfern sei nicht zuzumuten, beim Versagen der Einparkhilfe einen eventuellen Produktfehler gegenüber dem Autohersteller nachweisen zu müssen. Für den Ersatz von Schäden müsse das Verursacherprinzip gelten. Regresse der Versicherer gegenüber Autoherstellern müssen möglich sein.

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