Autonomes Fahren : Mercedes S-Klasse allein voraus

Keine Versuchsstrecke, kein abgesperrtes Areal. Mercedes ist mit einer speziellen Version der S-Klasse 100 Kilometer autonom gefahren. Wie geht das?

Steuerlos zwischen Pforzheim und Mannheim: Mercedes hat mit seinem Versuch gezeigt, was wirklich möglich ist.
Steuerlos zwischen Pforzheim und Mannheim: Mercedes hat mit seinem Versuch gezeigt, was wirklich möglich ist.Foto: Promo

Der Autopilot fürs Auto ist keine Fiktion mehr – das ist die Botschaft einer Testfahrt in einer seriennahen Mercedes S-Klasse, bei der der Fahrer keinen Finger mehr krümmen muss: Auf der historischen Bertha-Benz-Route zwischen Mannheim und Pforzheim hat das Flaggschiff rund 100 Kilometer Überland- und Stadtverkehr autonom bewältigt.

"Damit zeigen wir, welch großes Potenzial in der bereits heute verfügbaren Technik steckt", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Blick auf den Luxusliner, der alleine beschleunigt und bremst, seine Spur hält und auch in unübersichtlichen Verkehrssituationen den Überblick behält: Kreisverkehre, Ampelkreuzungen, Zebrastreifen, Radfahrer oder Straßenbahnen – unbeirrt rollt die S-Klasse mit dem neuen "Strecken-Piloten" durch Kleinstädte, über Land- und Bundesstraßen.

Technik aus dem Serienmodell

Dabei verzichtet sie auf ebenso auffällige wie teure Laser- und Radarscanner auf dem Wagendach, wie man sie von anderen Forschungsautos kennt. Sondern die Limousine sieht die Welt vor allem mit der Stereokamera hinter dem Innenspiegel sowie den Fern- und Nahbereichsradaren, die bereits im aktuellen Serienmodell eingebaut sind. Allerdings haben die Forscher die Basisbreite und mit ihr die Blickweite der Stereokamera erhöht, um auch in größerer Entfernung Tempo und Bewegungsrichtung anderer Verkehrsteilnehmer zu ermitteln. Zusätzliche Radarsensoren in den vorderen Kotflügeln, im Bug und im Heck erhöhen die Blickdichte und zwei weitere Kameras sind auf der Hutablage sowie dem Armaturenbrett montiert. "Die hintere gleicht ihren Ausblick für die exakte Positionierung mit einer besonders detaillierten Navigationskarte der Fahrstrecke ab und die vordere erkennt die Ampeln entlang des Weges", erläutert Projektleiter Eberhard Kaus.

Noch ist das Auto ein Prototyp. Der Kofferraum steckt voller Elektronik und die beiden für die Tests vorgeschriebenen Ingenieure in der ersten Reihe müssen sich zwischen Lenkrad, Pedalerie, Überwachungsmonitor, Funktastatur und Not-Aus-Knopf wahrscheinlich stärker konzentrieren, als wenn sie wirklich selber fahren würden. Doch Forschungschef Ralf Herrtwich lässt keinen Zweifel daran, dass sich diese Technologie mit großen Schritten der Serieneinführung nähert. "Schon heute kann die S-Klasse autonom durch den Autobahnstau pilotieren. Jetzt werden wir peu à peu die Geschwindigkeit für solche Szenarien anheben und immer komplexere Verkehrssituationen zulassen", skizziert er die nächsten Schritte. Bereits in einigen Jahren komme deshalb eine Art Parkplatz-Pilot für den Kriechverkehr auf unübersichtlichem Gelände. Noch in dieser Dekade werde es danach einen Autobahn-Piloten geben, der auch jenseits der Staugeschwindigkeit funktioniert. Und dann steht bereits der Strecken-Pilot wie jetzt in diesem Prototypen auf dem Plan. Auf eine Jahreszahl will sich Herrtwich dabei natürlich nicht festnageln lassen. (sppr)

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