Messerundgang auf dem Genfer Autosalon 2015 : Ohne Linie im PS-Wahn

In der noblen Schweiz zeigt man gerne, was man hat. Das gilt auch für den Autosalon, der gerade zum 85. Mal in Genf stattfindet. Die Show am Lac Léman war allerdings schon lange nicht mehr so zwiegespalten. Auf der einen Seite stehen Brot-und-Butter-Autos der Sorte Van und Kleinwagen. Und auf der anderen eine ganze Armada an Supersportlern und Luxus-Karossen. Ein Messerundgang zwischen PS-Protzen und Nutzfahrzeugen.

Patrick Broich
Was für den Verstand: Mit dem BMW 2er Gran Tourer zeigen die Bayern nun schon ihren zweiten Van mit Frontantrieb. Was früher ein Sakrileg gewesen wäre ist nun ein Geschäftsmodell.
Was für den Verstand: Mit dem BMW 2er Gran Tourer zeigen die Bayern nun schon ihren zweiten Van mit Frontantrieb. Was früher ein...Foto: dpa

Gleich zum Start gibt es für die Besucher des Genfer Autosalons (Publikumstage: 5. bis 15. März) einen Ausflug in die Realwelt des Automarktes. Denn mit dem neuen BMW 2er Gran Tourer sowie dem komplett neu entwickelten VW Touran werden erst mal zwei absolut bodenständige Autos gezeigt. Der BMW, der streng genommen nur die größere Variante des zuvor eingeführten 2er Active Tourer ist (4,56 statt 4,34 m Außenlänge sowie Platz für sieben Personen), kommt freilich etwas emotionaler im Design daher als der sachlich gehaltene Volkswagen-Kompaktvan. Doch unter der schlichten Außenhaut des jetzt auf dem modularen Querbaukasten basierenden Allrounders können auf Wunsch ganz schöne Power-Triebwerke stecken: Die Wolfsburger bieten den neuen VW Touran von 110 bis 190 PS an, womit er etwa in der gleichen Leistungskategorie rangiert wie der BMW 2er Gran Tourer. Ebenso bieten beide Angebote eine Fülle moderner Assistenten wie zum Beispiel autonomes Bremsen sowie Features wie Ein- und Ausparkautomatik. LED-Scheinwerfer sind Stand der Technik, und Nützlichkeit steht an erster Stelle mit Gepäckräumen, die rund 2000 Liter Volumen bieten. Die Preise starten bei deutlich unter 30 000 Euro.

Für unter 20 000 Euro sogar ist der frisch enthüllte Mazda CX-3 lieferbar. Der Segment-Neuling, der zwischen 105 (1,5 Liter-Diesel) und 150 PS bietet, ist auf Wunsch mit jeder Menge Technik ausgestattet. Zu den Highlights zählen Features wie ein autonomes Bremssystem sowie ein aktiver Tempomat. Sogar variable LED-Scheinwerfer können auf Wunsch geordert werden – in diesem Fall registriert die Bordkamera entgegenkommende Fahrzeuge und veranlasst die Ausblendung bestimmter Bereiche. Der jüngste Mazda wird sowohl mit Allrad- als auch Frontantrieb starten.

Neue SUVs von Hyundai und Renault

Selbiges gilt auch für die etwas größeren SUV (unter 25 000 Euro) namens Hyundai Tucson und Renault Kadjar. Der Koreaner tritt die Nachfolge des ix35 an und hört wieder auf den alten Modellnamen. Wer hier zugreift, hat die Qual der Wahl und bekommt zahlreiche Vierzylinder-Motoren, darunter moderne Direkteinspritzer mit 135 respektive 176 PS (Turbo). Darüber hinaus gibt es Selbstzünder zwischen 115 und 184 PS. Neben manuellen Getrieben steht auch ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe zur Verfügung. Eine Fülle von Assistenten, darunter sogar eine Fußgänger-Erkennung inklusive automatischer Bremsfunktion, hieven die Tucson-Neuauflage auf die Höhe der Zeit.

Geradezu bescheiden nimmt sich der Porsche 911 GT RS aus. Mit 500 PS und einem Sechszylinder-Sauger ist er aber wahrscheinlich von der Fahrdynamik manch stärkerem Konkurrenten überlegen.
Geradezu bescheiden nimmt sich der Porsche 911 GT RS aus. Mit 500 PS und einem Sechszylinder-Sauger ist er aber wahrscheinlich von...Foto: dpa

Beim Franzosen sieht es ähnlich aus. Für Renault ist das Segment gänzlich neu – und trotz lieferbarem Allradantrieb wird beim Kadjar peinlich genau auf Effizienz geachtet. Die maximal 130 PS entstammen entweder einem 1,6 Liter großen Selbstzünder oder dem konzernbekannten Turbobenziner mit 1,2 Litern Volumen. Je nach Aggregat liegt der CO2-Ausstoß bei unter 100 g/km, was für das Segment in Ordnung geht. Neben den heute üblichen Assistenten und Entertainment-Gimmicks gibt es obendrein eine Verkehrszeichen-Erkennung.

Viel PS und ein bisschen Grün
Das noble Genf ist eigentlich das ganze Jahr über ein Treff der Reichen und der Schönen. Wenn sich aber im März die Autoindustrie ein Stelldichein am Lac Leman gibt, dann wird es richtig glamourös. Dabei werden auf dem Autosalon schon lange keine weißen, oder in diesem Fall roten, Tücher mehr von neuen Modellen gezogen.Weitere Bilder anzeigen
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03.03.2015 14:43Das noble Genf ist eigentlich das ganze Jahr über ein Treff der Reichen und der Schönen. Wenn sich aber im März die Autoindustrie...

Großer Sport in der Kompaktklasse von Honda, Audi und Ford

Effizienz spielt selbstredend bei den Performance-Künstlern aus der Kompaktklasse, dem Honda Civic Type R, dem Ford Focus RS und dem Audi RS3 weniger eine Rolle. Mögen auch auf dem Papier ordentliche Werte stehen, die realen Verbräuche rangieren natürlich auf einem anderem Level. Wer die Leistungen von durchweg über 300 Pferdchen genießen will, muss außerdem deutlich mehr als 30 000 Euro ausgeben. Der Audi schlägt sogar mit 52 700 Euro zu Buche und bietet dafür 367 PS aus einem wohlklingenden 2,5-Liter-Fünfzylinder. Der sorgt für stramme Fahrleistungen und beschleunigt den Sportback auf Wunsch binnen 4,3 Sekunden auf Landstraßentempo und rennt bis zu 280 km/h. Dass der Allradler bei schwerem Gasfuß deutlich mehr als zehn Liter je 100 Kilometer trinken dürfte, wird die Klientel kaum stören.

In der Kompaktklasse mehren sich die sportlichen Ableger der Vernunftautos stetig. Neben dem Honda Civic Type R stehen unter anderem noch der neue Ford Focus RS und der Audi RS3 an. Den spektakulärsten Auftritt hat aber sicher der Honda in dieser Klasse.
In der Kompaktklasse mehren sich die sportlichen Ableger der Vernunftautos stetig. Neben dem Honda Civic Type R stehen unter...Foto: dpa

Schneller als die häufig freiwillig begrenzten 250 km/h fährt auch der neue Honda Civic Type R, den die Fans schon lange erwarten. Er bietet 310 PS aus einem neu entwickelten Zweiliter-Turbo mit vier Zylindern, was für die Marke den Einstieg in eine neue Ära markiert. Schließlich wurden Hondas Boliden früher immer von hochdrehenden Saugern mit Power versorgt. Den fünften Zylinder hat übrigens auch der frische Ford Focus RS eingebüßt, hoffentlich aber nicht den Fahrspaß. Mit 320 PS sollte es sich jedoch leben lassen – und obwohl der ähnlich starke Vorgänger seine Leistung souverän alleine über die Vorderachse auf den Asphalt brachte, gab es im Extremfall doch Traktionsprobleme. Die werden künftig vorbei sein, denn der starke Kompakt-Ford mit dem 2,3 Liter großen Mustang-Motor rollt stets als 4x4 an den Start.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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