Assistenzsysteme für Autos : Vom Helfenlassen

Assistenzsysteme machen das Autofahren sicherer und bequemer. Das ist allerdings erst der Anfang, denn die Zukunft bringt noch viel mehr Möglichkeiten, die das Autofahren nachhaltig verändern werden.

von und David Digili
Das Auto sieht und hört: Sensoren rund um das Auto bringen vielfältige Informationen ins Auto, die von verschiedenen Assistenzsystemen verwertet und aufbereitet werden.
Das Auto sieht und hört: Sensoren rund um das Auto bringen vielfältige Informationen ins Auto, die von verschiedenen...Foto: VW

Die Kreuzung ist bekannt. Arbeitsweg, der jeden Tag gefahren wird. Es gilt rechts vor links. Das Auto vor Peter W. fährt an die Kreuzung ran, hält und scheint wieder loszufahren. Peter W. schaut nach rechts und sicherheitshalber noch mal nach links und fährt an. Doch es ist schon zu spät, das Auto vor ihm hat noch mal angehalten und er kann nicht mehr rechtzeitig bremsen. Ein kleiner Auffahrunfall, wie er sich täglich tausende Male in Deutschland ereignet.

Mit einem Notbremssystem hätte Peter W. keinen Unfall gehabt. Aktuelle Assistenzsysteme, wie die City-Notbremsfunktionen von Volvo oder Volkswagen sind in der Lage die Gefahrensituation zu erkennen und das Auto bis zum vollständigen Stillstand abzubremsen. Solche Systeme, die auch andere Hersteller in verschiedenen Variationen im Angebot haben, brauchen aber Informationen, um die aktuelle Verkehrssituation im Umfeld richtig einschätzen zu können.

ABS, der Ur-Vater aller Assistenzsysteme

"Die ganze Entwicklung hat einen Urvater: Das ABS. Ohne die Ermittlung der Raddrehzahl würde vieles gar nicht möglich sein", erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Ab Ende der siebziger Jahre wurde das System, das hierzulande von Bosch zu Serienreife gebracht wurde, in immer mehr Modellen verbaut. Die Hersteller nutzen dabei fast immer eine "Top-Down"-Strategie. Zuerst werden die größten und teuersten Fahrzeuge damit ausgestattet und später die Systeme dann sukzessive auf die ganze Modellpalette ausgerollt. Beispiel ABS: Das kostete für den Golf II noch mehr als 3000 D-Mark Aufpreis. Das sichert den Profit, denn in den hochpreisigen Autos ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden für Sicherheitssysteme in der Regel höher.

Greift ins Geschehen ein: Der aktive Spurhalteassistent, hier am Beispiel von Audi.
Greift ins Geschehen ein: Der aktive Spurhalteassistent, hier am Beispiel von Audi.Foto: promo

Heute sind die Möglichkeiten ein Auto mit Informationen zu versorgen ungleich vielfältiger, als es noch vor 30 Jahren der Fall war. Moderne Fahrzeuge haben Ultraschallsensoren in den Stoßfängern, Radargestützte Kameras über dem Innenspiegel, Sensoren an allen vier Rädern und Lidar-Systeme (Lasergestützte Geschwindigkeits- und Abstandsmessung) in der Frontscheibe und unter den Außenspiegeln. Zusammengeführt werden diese Infos im zentralen Steuergerät der Autos, aus denen entsprechend kleine Hochleistungsrechner geworden sind. Damit ist viele möglich bis hin zum autonom fahrenden Auto, an dem etwa Audi oder Mercedes schon eifrig basteln.

Assistent hilft schon beim richtigen Bremsen

Das Potenzial zur Vermeidung von Unfällen ist unbestritten hoch, dazu herrscht unter den Experten Konsens. 12 Prozent aller Pkw-Unfälle, so schätzt die Unfallforschung der Versicherer, könnten alleine durch Auffahrwarner und Notbremssysteme vermieden werden. Dabei geht es gar nicht mal immer darum das Auto durch das System selbstständig abbremsen zu lassen. Fast alle Systeme können die Bremsanlage "vorkonditionieren". Das bedeutet die Hydraulikbehälter werden befüllt und so der Bremsdruck erhöht. Tritt der Fahrer dann auf die Bremse, dann verkürzt sich der Bremsweg deutlich. Viele Unfälle sind alleine auf falsches Bremsen zurückzuführen. Viele Autofahrer bremsen zu spät und vor allem zu zögerlich. Das kennen Trainer von Fahrsicherheitslehrgängen nur zu gut.

Das größte Sicherheitsrisiko im Auto ist und bleibt der Mensch. Dennoch: Die Gretchenfrage gerade für die modernen Assistenzsysteme ist, inwieweit sie überhaupt eingreifen dürfen. In Deutschland stellt sich die rechtliche Lage so dar, dass ein Fahrer jederzeit die Verantwortung für sein Fahrzeug hat und es beherrschen können muss. So banal das klingen mag, den Sicherheits- und Assistenzsystemen gibt diese Regelung einen klaren rechtlichen Rahmen. Sie müssen im Zweifel immer vom Fahrer "übersteuert" werden können. So ist zum Beispiel ein Auto, das automatisch einem stehenden Hindernis ausweicht, auf Basis dieser Rechtslage nur schwer denkbar. Technisch machbar wäre das hingegen schon lange. Solche Ideen zeigen auch, wozu Assistenzsysteme künftig in der Lage sein werden. Das Endergebnis all dieser Entwicklungen wird sicher das autonom fahrende Auto sein. Das gibt es heute schon und es lernt gerade sich in allen Lebenslagen zu bewähren. Sogar schon auf der Rennstrecke.

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