Autoindustrie am Standort Leipzig : Prestigeobjekt an der Pleiße

Leipzig hat sich über die Jahre zur begehrten Produktionsstätte für Autobauer entwickelt. BMW und Porsche investieren immer wieder Millionensummen in ihre sächsischen Werke – gerade die Rahmenbedingungen machen den Standort so attraktiv für Großkonzerne

David-Emanuel Digili
Porsche in Leipzig: Das Werk fertigt den Cayenne, den Panamera und den Macan.
Porsche in Leipzig: Das Werk fertigt den Cayenne, den Panamera und den Macan.Foto: dpa

Wenn BMW-Verantwortliche vom Werk in Leipzig sprechen, schwingt in jedem Satz fast schon obligatorische Begeisterung mit. Optimismus. Vor allem aber: jede Menge Stolz. "Wir erfinden hier den Automobilbau neu", erklärt Vorstandschef Norbert Reithofer fast schon gebetsmühlenartig beim Blick auf Sachsen – er scheint authentisch, dieser Enthusiasmus. Die Bayern haben schließlich auch Milliardensummen investiert in das hoch technologisierte Werk, in dem seit 2013 vor allem der i3 und der i8 in Serie gefertigt werden: Hybridfahrzeuge mit alternativen Antrieben, ebenso zeitgemäß und up to date wie die Fabrikanlagen.

"Wichtiger Eckpfeiler" der BMW-Produktion

5.000 neue i3 wurden nach Konzernangaben seit Jahresbeginn hergestellt, die Produktion wurde auf 100 Wagen pro Tag gesteigert – wegen des aktuellen Verkaufsstarts in den USA werden in Europa Wartezeiten von mindestens sechs Monaten veranschlagt. Rund 400 Millionen Euro wurden zuletzt noch einmal in den Ausbau des Werks gepumpt, hunderte neue Arbeitsplätze geschaffen. "Der Standort Leipzig hat sich gegen 250 Städte aus ganz Europa durchgesetzt", betont BMW-Sprecher Jochen Müller im Gespräch  mit dem Tagesspiegel. "Das Werk ist sofort ein wichtiger Eckpfeiler unserer Produktion geworden. Mit der Verwendung von Carbon beim Bau des i3 sind wir weltweit führend, die Speerspitze bei Elektrofahrzeugen."

Hit: 5.000 neue i3 wurden nach BMW-Konzernangaben seit Jahresbeginn hergestellt.
Hit: 5.000 neue i3 wurden nach BMW-Konzernangaben seit Jahresbeginn hergestellt.Foto: dpa

Den Ausschlag gab auch die Zulieferersituation in der sächsischen Großstadt: Von ThyssenKrupp Automotive Systems über HAL Aluminiumguss oder das Technologie-Zentrum für Oberflächentechnik und Umweltschutz bis hin zu EMAG (Maschinenbau) und GF Automotive (Spezialgießerei) haben sich im Zuge des verstärkten Engagements der Autobauer viele spezialisierte Unternehmen in der Region angesiedelt – oder waren als lokale Firmen bereits vor Ort.

Auf der stadteigenen Homepage wird auch eifrig der "Zulieferer-Cluster" beworben. "Auch die räumliche Nähe zu den Werken in Bayern war ein wichtiger Faktor", ergänzt Müller. "Ein Beispiel: Schon 2002 haben wir mit Einstellungen für die Produktionsstätte in Leipzig begonnen. Die neuen Mitarbeiter konnten dann in unseren bayerischen Werken Erfahrungen sammeln, bis zu zwei Jahre lang. Als die Serienproduktion in Leipzig begann, konnte so von Anfang an Know-how auf Top-Niveau eingebracht werden."

Know-how: Die Mitarbeiter von BMW Leipzig wurden schon vor Werkseröffnung bis zu zwei Jahre lang angelernt.
Know-how: Die Mitarbeiter von BMW Leipzig wurden schon vor Werkseröffnung bis zu zwei Jahre lang angelernt.Foto: dpa

Ballungszentrum Leipzig

Die Stadt Leipzig weiß dazu auch selbst um ihre Standortvorteile für die Autoindustrie. Müller bestätigt: "Die Zusammenarbeit könnte besser nicht sein, Anträge werden zügig bearbeitet, lange Wartezeiten gibt es kaum." Die Region ist dazu ein Ballungszentrum für Universitäten und Hochschulen. Auch die Verkehrsanbindung ist für Großkonzerne ein wichtiger Punkt. "Dank der Auto- und Bahnanbindung, dem Güterverkehrszentrum und dem Flughafen ist die Infrastruktur für uns optimal", erklärte auch Porsche-Leipzig-Chef Siegfried Bülow erst im Dezember.

Ein Macan auf der Porsche-Teststrecke.
Ein Macan auf der Porsche-Teststrecke.Foto: dpa

Überhaupt fing gerade mit den Zuffenhausenern der Leipzig-Boom erst richtig an: 2000 eröffnete Porsche hier seine 45.000 Quadratmeter große Fertigungsstätte, investierte mittlerweile über eine halbe Milliarde Euro. Seit 2002 wird hier der Porsche Cayenne gebaut, auch der Panamera rollt in Leipzig vom Band. 2011 bekam das Werk den Zuschlag für das neue SUV Macan, Produktionsbeginn war 2013. Wie BMW haben auch die Schwaben eigene Teststrecken direkt auf dem Gelände, konzipiert und designt vom renommierten Konstrukteur Hermann Tilke, der für die Formel 1 Kurse wie die in Malaysia oder Bahrain entworfen hat. 

Nach mehreren Jahren Planungs- und Bauzeit siedelten sich 2005 dann auch die Münchener in Sachsen an, installierten für den Eigenbedarf vor einem Jahr vier 190 Meter hohe Windkraftanlagen, die direkt ins Stromnetz des Werkes eingebunden sind. "Das alles beweist, dass Sachsen ein attraktiver Standort ist - nicht zuletzt auch wegen der hoch qualifizierten und motivierten Menschen", sagt Ministerpräsident Stanislaw Tillich – mit der fast schon obligatorischen Begeisterung.

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