Fahrbericht BMW X6 30d : Der Provokateur

Liebe ihn oder hasse – kaum ein anderes Auto polarisiert derart wie der BMW X6. Er ist eine Art Pitbull in Automobil. Sieht martialisch aus, kann aber ganz lieb und sogar ein bisschen vernünftig sein.

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Die Blicke auf der Straße wechseln zwischen feindselig und interessiert, bei den Radfahrern bleibt es bei feindselig. Definitiv ein Auto, welches Blicke auf sich zieht. In Berlin aber eher selten freundliche. Wir fahren mit einem BMW X6 durch Kreuzberg. Eigentlich Feindesland für das SUV, das so polarisiert wie kaum ein anderes Auto. Wenn, ja wenn da nicht noch so einige andere X6 am Rand der Oranienstraße stehen würden. Neben einer festen Fraktion an SUV-Gegner scheint es hier doch so einige Befürworter zu geben.

Ende letzten Jahres hat BMW sein Ober-SUV überarbeitet. Dezenter ist die bayrische Wuchtbrumme dabei nicht geworden. Die Front zeigt sich höher und in Details mehr ausgearbeitet, die Radhäuser sind noch weiter ausgestellt und der Stoßfänger am Heck lädt optisch noch ein Stückchen mehr aus. Mit 4,91 Meter Länge und knapp zwei Meter Höhe hat der X6 Gardemaß. Die Optik verleiht dem Auto nochmals zusätzlich Wucht. Diesen Eindruck verstärken die riesigen BMW-Nieren vor dem Kühlergrill. Provokant!

Aufgerüstet wurde das Coupé-SUV vor allem im Innenraum. Neue Assistenten haben Einzug gehalten. Headup-Display, ein riesiges, neun Zoll großes Display und jedes Extra, das BMW derzeit im Technikregal stehen hat. Innen ist dieses bayrische Geschoss eindeutig mehr Limousine als Geländewagen. Das zeigt sich auch an den Platzverhältnisse, die vorne ohnehin tadellos und hinten immer noch recht üppig sind. Der Vorteil der großen Höhe: Die Sitzbank ist waagerecht montiert, was den Sitzkomfort verbessert. Das Gepäckabteil schluckt mindestens 580 Liter und ist damit um 75 Liter gewachsen. Den meisten Kunden dürfte das egal sein. Gepäck muss ohnehin auf eine Höhe von fast einem Meter gewuchtet werden. Da reist es sich bequemer mit Kreditkarte.

Wir fahren den Drei-Liter-TDI mit 258 PS. Der kleinste Diesel und so etwas wie die Vernunftmotorisierung im X6. Günstiger geht es nur noch mit 35i, der 306 PS hat. Das spart allerdings nur 500 Euro, was bei einem Einstiegspreis von 66 150 Euro schlicht Geschmackssache ist. Schon der kleinste Diesel bietet ein vergleichsweise gigantisches Drehmoment von 560 Newtonmeter. Damit gelingt das Kunststück die 2,2 Tonnen schwere Fuhre fast leichtfüßig wirken zu lassen. Die serienmäßige Achtgangautomatik schaltet früh und ohne Zugkraftunterbrechung durch. Ebenfalls serienmäßig ist der Allradantrieb, der zusammen mit dem fein austarierten Fahrwerk seine Stärken vor allem auf der Landstraße ausspielt. Präzise lässt sich der Bayer einlenken und kraftvoll zieht er aus dem Eck heraus. Durchaus beeindruckend, wie es BMW gelingt in einem fast zwei Meter hohen und mehr als zwei Tonnen schweren Auto ein Fahrgefühl einer Limousine zu zaubern. In der Theorie, als nach Euro-Zyklus, kommt der X6 30d mit sechs Litern aus. Die Praxis brachte bei uns einen Verbrauch von 8,8 Litern hervor. Angesichts der Masse ein akzeptabler Wert.

Umsonst gibt es den extravaganten Auftritt

Der Prospekt mit den Sonderausstattungen für den X6 hat das Format eines Ikea-Katalogs. Wie bereits erwähnt, es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Aber bereits die Serienausstattung ist für BMW-Verhältnisse schon recht umfang reich. Bi-Xenon-Leuchten, Achtgang-Automat, Allrad-Antrieb, Parksensoren (Ein Muss bei diesem Auto!), 19-Zoll-Leichtmetallfelgen oder Klimaautomatik sind immer dabei. Aus unserer Sicht empfehlenswert sind der adaptive Tempomat (1450 Euro), das adaptive Fahrwerk (ab 1800 Euro) und die Aktivlenkung (1150 Euro), mit der sich der X6 noch etwas dynamischer bewegen lässt. Aber schon damit liegt der Preis jenseits der 70 000 Euro.

Umsonst gibt es jedenfalls den martialischen Auftritt dazu, der vielleicht nicht jedermanns Sache. Ein gutes Auto ist der X6 allemal, mit dem Drei-Liter-Diesel dazu sogar noch relativ vernünftig. Wer es nicht ganz so extravagant haben möchte, der sollte sich dann vielleicht doch in weiten Teilen baugleichen X5 anschauen. Genauso gut, aber weniger polarisierend.

Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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