Technik-Trend Hybrid : Im Antritt doppelt stark

Hybridtechnik hat mittlerweile auch bei kleineren Autos ihren platz. Was macht Hybride so attraktiv?

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Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Wer auch immer diesen schönen Satz irgendwann formuliert hat, für die Autobranche ist dieses Zitat in den letzten Jahren besonders zutreffend. Noch vor vier Jahren, als Toyota mit seinem Hybrid-Pionier Prius bei der IAA Aufsehen erregte, war von vielen Managern aus der Automobilindustrie zu hören, dass sich diese Technologie nie durchsetzen werde. Auch als im ökologischen Vorreiterstaat Kalifornien ein gebrauchter Prius teurer gehandelt wurde als ein Neuwagen, weil die Produktion von Toyota auf Monate ausverkauft war, wurden die Japaner noch belächelt.

Heute sieht das anders aus. Fast jeder größere Autobauer hat Projekte in Sachen Hybrid in der Planung oder sogar schon am Markt. Selbst der europäische Branchenprimus Volkswagen, eher als zurückhaltender Vertreter der Branche bekannt, bringt seinen Bestseller Golf im kommenden Jahr als Hybridversion auf den Markt. Zwar zeigten die Wolfsburger auf der IAA in Frankfurt schon den Elektro-Golf. Aber dem Hybriden werden bessere Marktchancen zugetraut. Beispiel BMW: Noch vor wenigen Jahren winkte man in München ab, wenn das Thema Hybrid zur Sprache kam, und verwies auf die zweifelsfrei sparsamen Diesel, die man im Programmhabe. Jetzt kommt nächstes Jahr mit dem BMW i8 ein reinrassiger Hybridsportler auf den Markt und der gerade erst präsentierte 4er wird wohl ebenfalls im nächsten Jahr schon mit dualem Antrieb zu haben sein.

Umweltschutz kaum ein Kaufgrund

Woher kommt dieser Sinneswandel in der Automobilindustrie? Warum ist Hybrid plötzlich gefragt? Mehrere Gründe spielen dabei eine Rolle. Und es sind nicht unbedingt diejenigen, die auf der Hand zu liegen scheinen. der Umweltschutz spielt beispielsweise eher eine Nebenrolle. Zwar werben einige Autobauer, allen voran Hybrid-Primus Toyota, gerne mit dem Umweltthema. Aber bei den Kunden spielen ganz andere Kriterien eine Rolle. Die Studie »Pkw-Monitor« des ADAC aus dem vergangenen Jahr zu den Kaufgründen deutscher Autokunden führt den Aspekt Umweltfreundlichkeit erst an 24. Stelle. Die vorderen Plätze belegten Qualität und Zuverlässigkeit, Sicherheit, Raumangebot und das Design der Modelle. Selbst der Spritverbrauch, ein gutes Argument für Hybridfahrzeuge, schaffte es nur auf Rang sechs. Die komplexe Technik, die Dieselmotoren mittlerweile immer teurer macht, fehlt den Hybridantrieben in der Regel. Im Gegenteil: Viele Zulieferer haben schon vor Jahren die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt. Der weltgrößte Zulieferer Bosch investiert 400 Millionen Euro jährlich in Elektromobilität. Investitionen, die auch der Hybridtechnik zugute kommen.

Das Innenleben des Hybrid-Sportwagen Porsche 918 Spyder.
Das Innenleben des Hybrid-Sportwagen Porsche 918 Spyder.Foto: Hersteller

Der Grund für die riesigen Investitionen sind die drohenden CO2-Flottengrenzwerte. Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, die CO2-Ziele in Brüssel auszubremsen. Die Industrie stellt sich darauf ein, dass früher oder später niedrigere Flottenwerte kommen werden. Dann möchte kein Konzern unvorbereitet sein. Deshalb tut sich auch bei den deutschen Autobauern mittlerweile viel in Sachen Hybrid. Unternehmen wie Daimler oder BMW sind durch den hohen Anteil an Luxusautos und SUVs gerade gezwungen, in Hybridtechnik und Elektromobilität zu investieren. Ansonsten sind die CO2- Ziele nicht zu schaffen.

Zwischenspeichern ohne Batterie

Die enormen Investitionen in Elektromobilität treiben schließlich die Entwicklung entscheidend voran. Während es beim Fortschritt in Sachen Batteriekapazität, dem Knackpunkt bei reinen Elektroautos, immer noch sehr stockend vorangeht, ist das Zusammenspiel von Elektroantrieb und Verbrennungsmotor mittlerweile ausgereift. Das demonstriert vor allem Toyota. Die Japaner bauen ihre Hybridtechnik in immer kleinere Modelle. Ganz neue ideen zeigt der französische PSA-Konzern. Erst vor wenigen Wochen präsentierte das Unternehmen, das die Marken Peugeot und Citroën betreibt, ein neuartiges Hybridsystem, das beim Bremsen gewonnene Energie mit einem Druckluftbehälter zwischenspeichert. Damit kommt die Hybrid Air genannte Technik ohne Batterien als Zwischenspeicher aus.

Das gilt auch für den Gyroantrieb, an dem Porsche und Volvo arbeiten. Hier wird ebenfalls beim Bremsen ein Schwungrad angetrieben. Mit bis zu 60.000Umdrehungen rotiert dieses und gibt die Energie über einen Generator wieder ab. Eine Ersparnis von bis zu 30 Prozent ist möglich. All diese Ansätze zeigen, dass die Idee eines hybriden Antriebs noch lange nicht ausgereizt ist. Im Gegenteil: Es gibt einige Ansatzpunkte, wo Entwickler weiterforschen können. Den Kunden kann es recht sein. Denn die Auswahl an Antrieben dürfte in Zukunft noch vielfältiger werden.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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