Auto : Beachten Sie das Kleingeduckte

Der Suzuki Swift bleibt ein Sympathieträger – und so verzeiht man ihm manch kleine Schwächen

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Danke Suzuki. Für den Mut, alles fast beim Alten zu belassen. Nach fünf Jahren bringen die Japaner die nunmehr vierte Generation des im ungarischen Esztergom produzierten Kleinwagens auf den Markt – und kaum einem wird der Neue auf der Straße auffallen. Die charakteristische Form hat er beibehalten. Und das ist gut so. Denn als japanischer Mini hat sich die dritte Generation des Swift viele Freunde gemacht. Seit 2005 verkaufte sich der Mini für den schmaleren Geldbeutel immerhin 60 000 mal. Warum also ein Auto im Design radikal ändern, das gefällt?

Größer ist die Neuauflage allerdings ausgefallen: plus neun Zentimeter in der Länge und plus fünf Zentimeter beim Radstand. Mit 3,85 Metern ist der Swift jedoch noch immer etwas kleiner als Polo, Corsa, Fabia und Co, die mittlerweile die Viermetergrenze geknackt haben. Macht nichts, dank ausreichender Innenhöhe müssen auch Großgewachsene nicht um ihre Frisur fürchten. In diesem kleinen Wagen herrscht freudvolle Weite. Der Kofferraum indes ist mit 210 Litern Volumen genauso winzig wie gehabt und die hohe Ladekante kein Hit. Auch bei der Variabilität wird nur Durchschnitt geboten; keine verschiebbare Rücksitzbank, nur die Lehnen lassen sich umklappen, zudem stört beim Beladen eine Stufe.

Schluss mit der Nörgelei, denn der Rest ist aller Ehren wert. Das größere Auto hat um 30 Kilogramm abgespeckt; ein Beleg, dass sich unterm Blech einiges getan hat. Der Innenraum hat deutlich an optischer und haptischer Qualität gewonnen; das viele Hartplastik des übersichtlichen Cockpits sieht nun besser aus, ist gut verarbeitet. Alles macht einen soliden Eindruck. Bemerkenswert: Der Swift ist ein Auto für die Generation 50 Plus, denn man reist angenehm hoch auf großen, straff gepolsterten Sitzen.

Den eigentlichen Fortschritt spürt man erst beim Fahren: Der Kleine ist ja erwachsen geworden! Er federt nun straffer, doch komfortabler. Das liegt an der neu entwickelten Hinterachse, die zwei Kilo leichter, zugleich aber 25 Prozent steifer ausgelegt wurde. Das leichte Hoppeln des Vorgängers ist passé. Trotz der komfortablen Abstimmung hat der wendige Swift sein zackiges Einlenkverhalten nicht verloren. Fahrwerksgeräusche? So gut wie keine. Die Windgeräusche halten sich trotz der schön großen Außenspiegel im Rahmen.

Überhaupt: Der neue Swift mag es leise. Großen Anteil daran hat der komplett neue 1,2-Liter-Benziner. Er leistet 94 PS, die allerdings nur gefühlten 75 PS gleichkommen. Und auch Durchzugsstärke gehört nicht gerade zu den Stärken des aufwendigen Vierzylinders mit wartungsfreier Steuerkette und variabler Ventilsteuerung sowohl auf der Einlass- wie auch auf der Auslassseite. Was ihn auszeichnet, sind Laufruhe und Genügsamkeit. Leider gibt es das spritsparende Start-Stop-System nur für die teuerste Version Comfort. Glatt fünf Liter pro 100 Kilometer verspricht Suzuki; wir kamen auf unserer Testfahrt am Starnberger See auf reale 5,7 Liter, obgleich eine schnelle Autobahnetappe dabei war. Respekt!

Wer sportlich fahren will, muss viel schalten – was aber kein Drama ist, denn der Hebel der Fünfgangschaltung liegt gut zur Hand und die Gänge rasten exakt.

Vorbildlich: Der Preis steigt zwar um moderate 290 Euro, doch unterm Strich ist der Swift sogar ein bisschen günstiger geworden. Denn es gibt drei Airbags (inklusive Knieairbag für den Fahrer) mehr und ESP serienmäßig. Los geht es jetzt bei 10 990 Euro für den dreitürigen Basic. Doch das ist nur ein Alibiangebot; ohne Klima und Radio, ohne höhenverstellbaren Fahrersitz und ohne geteilt umklappbare Rücksitzlehne. Empfehlenswert ist die 2000 Euro teurere Version Club, die das alles serienmäßig hat. Zudem noch Bordcomputer, Drehzahlmesser, Lederlenkrad, Zentralverriegelung und elektrisch verstellbare Außenspiegel. Damit ist der Swift komplett – und gut 3000 Euro günstiger als ein VW Polo mit 86 PS.

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