Auto : Bei Lichte betrachtet nicht übel

Porsche Turbo und Lamborghini Gallardo aufgepasst: Ein neuer Motor für den Audi R8 macht euch die Hölle heiß

Wolfgang Gomoll

In der Genesis der Bibel (1. Buch Mose) steht geschrieben: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ Beim Audi R8 5,2 FSI wiederholt sich die Schöpfungsgeschichte in einem automobilen Rahmen. Der Über-Audi ist nämlich das erste Auto mit Frontscheinwerfern, die nur aus LEDs bestehen. Was so nahe liegend klingt (es gibt ja schon LED-Tagfahrleuchten), ist ein großer Schritt zur automobilen Sicherheit. Schließlich steigt das Unfallriskio mit dem Grad der Dunkelheit. Mit einer Farbtemperatur von 6000 Kelvin übertreffen die schnell reagierenden Dioden sowohl das herkömmliche Halogenlicht (3000 Kelvin) als auch Xenonlampen (4000 Kelvin).

„Die Helligkeit des LED-Lichts ist mit der eines strahlenden Mittagssonnenschein an einem Sommertag vergleichbar. Dagegen sieht Xenonlicht gelb aus“, erläutert Stephan Berlitz, Leiter Innovation Lichtelektronik bei Audi. Schon nach ein paar Metern Nachtfahrt erkennt man den Fortschritt. Die LEDs sorgen für eine grandiose Beleuchtung des Fahrtweges. Die ist auch nötig. Denn im Heck der Ingolstädter-Flunder werkelt ein V-10-Kraftprotz mit knackigen 525 PS. Italophilen Vollgas-Fetischisten dürften diese Werte bekannt vorkommen. Der Motor ist im Grunde identisch mit dem Triebwerk, das die Konzernbrüder von Lamborghini galoppieren lässt. Allerdings legt die Audi-Version eine gänzlich andere Attitüde an den Tag. Die Unterschiede reichen weit tiefer als 35 PS und lumpige zehn Newtonmeter, die die bayerische Rennsemmel weniger hat.

Während die Kampfstiere aus Sant’Agata mit möglichst hohen Drehzahlen bei den Hörnern gepackt werden wollen und puristisch hart über den Asphalt jagen, ist der Ingolstädter der Gentleman-Racer. Alltagstauglich und so vornehm zurückhaltend, wie ein V-10-Mittelmotor nur sein kann. Schon im Leerlauf stellt das Triebwerk rund 80 Prozent des maximalen Drehmoments von 530 Nm zur Verfügung. Damit lässt es sich im R8 5,2 FSI entspannt im höchsten Gang cruisen. Das senkt auch den Verbrauch, der mit 14,7 Liter angesichts der Power gerade noch akzeptabel ist. Wer will, kann es aber auch richtig krachen lassen. Aber selbst dann ist der Bayer dank serienmäßigem Magnetic-Ride- Fahrwerk und ausgereiftem Allradantrieb beinahe idiotensicher.

Getrost sparen kann man sich die 7300 Euro Aufpreis für das sequenzielle Schaltgetriebe „R-tronic“. Dies erreicht bei weitem nicht den Komfort eines DSG-Getriebes und fällt im Automatikmodus nur durch unharmonische Gangwechsel auf. Das lässt sich minimieren, wenn man per Schaltwippen sein Glück selbst in die Hand nimmt. Aber dann kann man gleich zum herrlich klackenden manuellen Getriebe mit offener Schaltkulisse greifen.

Die passt auch grandios zum übersichtlichen Cockpit in bester Audi-Qualität. Dort verwöhnen Carbon-Applikationen und Chrom-Schalter und -Drehknöpfe Auge und Tastsinn gleichermaßen. Die langstreckentauglichen Sportsitze, die den Körper umschmiegen wie ein perfekt sitzender Handschuh, runden das Bild ab. Auch das Raumgefühl ist deutlich luftiger als bei den Brüdern, die südlich der Alpen gefertigt werden. Dass selbst der so perfekte R8 Schwächen hat, merkt man, wenn man bei starkem Regen die Tür öffnet. Dann fließt eine gehörige Portion Wasser in den Innenraum. Aber das macht den schnellen Bayern ja auch irgendwie sympathisch.

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