Benzin : Es soll Normal bleiben

Nach den Spekulationen über ein Ende des Normalbenzins wiegeln die Konzerne ab. Dabei böte ihnen ein Wegfall der Sorte einige Vorteile.

Kai Kolwitz

Am Ende war dann alles angeblich halb so wild gewesen. Nein, es gebe keine Pläne, das Normalbenzin von den Tankstellen zu verbannen, beeilten sich die Mineralölkonzerne Shell und Exxon Mobil zu versichern. Vorausgegangen war großer Unmut bei Autofahrern und Medien, nachdem alle großen Konzerne wie durch ein Wunder gleichzeitig den Preisunterschied zwischen Normal und Super auf nur noch einen Cent halbiert hatten. Aber auch das war, glaubt man den Multis, reine Routine: Große Nachfrage nach dem Normalsprit, vor allem aus den USA und China, sei schuld, der Weltmarktpreis sei hoch, die Anpassungen deshalb absolut notwendig.

In der Tat berichtet der Verband der Mineralölwirtschaft, der Preisunterschied zwischen Normal und Super liege für die Konzerne im Einkauf nur noch bei 0,9 Cent. Aber trotzdem hat ADAC-Mann Peter Henschik für die Erklärungen nur ein Wort: „Unsinn.“ Ob Amerikaner und Chinesen wirklich so viel Normalbenzin verfahren, ist für ihn dabei zweitrangig. Seine Begründung: „Wenn die Unternehmen auf jede Schwankung des Weltmarktpreises reagieren würden, wären die Benzinpreise überhaupt nicht mehr kalkulierbar.“

Denn Charme hätte das Ende des Einfach-Benzins für Aral, Esso und Co. auf jeden Fall. Abgesehen von den besseren Margen bei höherwertigerem Sprit: In den letzten Jahren sind immer neue Kraftstoffe an die Tankstellen gekommen: Premium-Treibstoffe mit Namen wie „Ultimate“ oder „Ultimate Diesel“ haben inzwischen viele Unternehmen im Angebot. Allerdings bedeutet jede Vermehrung der Sorten, dass Tankstellen neue Säulen und Tanks brauchen. Umbaumaßnahmen, die man gern einsparen würde. Zumal der nächste Treibstoff schon am Horizont erkennbar ist: In Zeiten von CO2-Diskussion und hoher Benzinpreise setzen immer mehr Autohersteller auf E85, einen Mix, bei dem 85 Prozent von aus Pflanzen erzeugtem Alkohol mit 15 Prozent Benzin versetzt werden. Das soll das Klima schonen – allerdings ist E85 in Deutschland bisher fast nirgendwo erhältlich. Normal raus und Alkohol rein, könnte die Rechnung lauten.

Der Unterschied zwischen normalem und Super-Benzin ist die Widerstandsfähigkeit gegen unkontrollierte Selbstentzündungen im Motor, das sogenannte Klopfen. Zu diesem Phänomen kann es wegen des hohen Drucks kommen, wenn der Kolben im Motor das Benzin-Luft-Gemisch zusammendrückt, also verdichtet. Beim Diesel nutzt man genau diese Selbstentzündung aus und kann sich deshalb Zündspule und -kerzen sparen. Benzinmotoren werden allerdings durch das Klopfen zerstört, es tritt umso schneller auf, je höher der Druck ist, den der Motor erzeugt. Das Maß für die Klopffestigkeit ist die Oktanzahl. Je höher sie liegt, desto besser kann der Kraftstoff seine Selbstentzündung verhindern.

Inzwischen sind die allermeisten Neufahrzeuge auf den Betrieb mit Superbenzin ausgelegt, in vielen Ländern ist Normal bereits aus dem Sortiment genommen worden. Doch trotzdem fahren in Deutschland noch rund 25 Prozent der Fahrzeuge mit Normalbenzin. Ein Ende des Einfach-Sprits würde damit für viele höhere Kosten bedeuten. Doch dass es dazu kommt, davon geht auch der ADAC-Experte Henschik zumindest für die nächsten fünf Jahre nicht aus: „Aus Imagegründen. In den letzten Tagen haben die Mineralölkonzerne viel einstecken müssen. Das war verheerend.“

Profitieren könnten davon wiederum sparsame Besitzer neuerer Fahrzeuge. Denn die verkraften in der Regel auch den Betrieb mit Normalbenzin – auch dann, wenn der Hersteller Super verlangt. Das liegt daran, dass sich in modernen Autos inzwischen sogenannte Klopfsensoren befinden. Die registrieren die Qualität des Treibstoffs und passen die Zündungsdaten an, wenn sie feststellen, dass das eingefüllte Benzin weniger Oktan hat als verlangt, und verhindern so den Motortod. Die „Auto Zeitung“, die dazu zusammen mit der Sachverständigenorganisation GTÜ einen Test durchgeführt hat, empfiehlt allerdings einen Blick in die Bedienungsanleitung. Findet sich dort eine Freigabe für 91 Oktan, dann ist der Wagen Normal-tauglich. Einfaches Super hat 95 Oktan, bei Super Plus sind es mindestens 98.

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