Benzinpreis, das große Geldpuzzle : Die Scheichs, die Konzerne und die Kunden

Jeder regt sich auf, aber keiner will Schuld sein an den Rekordpreisen an der Zapfsäule. Nur der Verbraucher schaut in die Röhre. Wie entsteht der Preis für Diesel und Benzin an der Tankstelle eigentlich?

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Horror an der Tankstelle: An Preise von 1,71 Euro und mehr werden sich Autofahrer wohl gewöhnen müssen. Auf lange Sicht geht es wohl nur nach oben mit dem Benzinpreis.
Horror an der Tankstelle: An Preise von 1,71 Euro und mehr werden sich Autofahrer wohl gewöhnen müssen. Auf lange Sicht geht es...Foto: dpa

An der Tankstelle steigt derzeit der Wutpegel. Höchstmarken lassen den Puls bei den Kunden höher schlagen. Allerdings ist es wie bei jedem Preisrekord: Neue Erklärungen gibt es eigentlich nicht. Wenn sich ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes wieder in Exkursen über Rohölpreise und den schwachen Euro-Kurs verzettelt, einzelne Politiker auf der Suche nach dem schnellen populistischen Effekt mal wieder Zucht und Zügelung der Öl-Multis fordern und das Kartellamt "Ermittlungen" beginnt, schalten viele Verbraucher einfach nur noch ab. Allen, die auf das Auto angewiesen sind, hilft das nicht weiter. Sie müssen zahlen und zwar so viel wie nie zuvor.

Dass Lobbyisten und Politiker immer wieder Raum für widersprüchliche Erklärungen finden hängt mit der Komplexität des Systems zusammen, das hinter der Preisbildung an den Tankstellen steht. Denn Öl-Multis sind nicht einfach nur Öl-Multis. Shell an der Ecke ist nicht gleichzusetzen mit Shell an der Börse, die zweistellige Milliardengewinne einfahren. Versuchen wir also den Schleier von Politik und Lobbyisten etwas zu lüften und Licht in die Sache zu bringen.

Das große Geld liegt in der Förderung

"Das große Geschäft der Ölkonzerne wird im Upstream gemacht“, sagt Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Upstream", das ist die Förderung von schwarzen Goldes überall auf der Welt. Zwischen der Ölplattform, dem Bohrturm und dem Hafen, an dem das Rohöl verladen und verkauft wird findet sich das große Geld, mit dem Giganten wie Shell, Exxon oder BP absahnen. Für Europa kommt der größte Teil der Rohöllieferungen im Hafen von Rotterdam an. Kostet der Liter Rohöl nach der Förderung, je nachdem, wie das schwarze Gold der Erde entrissen wird, nur einen bis wenige Cent, so steigt der Preis beim Weiterverkauf auf ein Niveau von 50 Cent und mehr.

Schon an dieser Stelle spielen einige Faktoren bei der Preisbildung eine Rolle. Spekulation, Psychologie und natürlich Gewinnmaximierung sind die Faktoren, die den Preis nach oben treiben. Maßgeblich ist es aber die Nachfrage, die festlegt wie viel für ein Barrel (159 Liter) bezahlt werden muss. Weltweit treiben die stark wachsenden Schwellenländer, wie China, Brasilien oder Indien, in den letzten Jahrzehnten den Durst nach Öl stark nach oben. Auch deshalb hat sich der Preis für Rohöl auf einem Niveau deutlich über 100 Dollar eingependelt.

Expertenmeinungen zufolge ist heute die Versorgung für die nächsten 20 Jahre gesichert. Auch bei steigendem Konsum der aufstrebenden Ländern. Allerdings geht das leicht zu fördernde Öl der arabischen Staaten irgendwann zur Neige. Es gibt noch zahlreiche andere Reserven, die die Ölversorgung sogar noch länger sichern können. Aber deren Förderung, wie zum Beispiel in der Tiefsee vor Brasilien oder in Norwegen, ist deutlich teurer und mit viel mehr Risiken für Mensch und vor allem die Umwelt verbunden. Das schlägt sich zwangsläufig auch im Preis nieder.

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