Benzinpreise 2011 so hoch wie nie : Rekordjagd an der Zapfsäule

Autofahrer brauchten in diesem Jahr starke Nerven an der Zapfsäule. In den ersten elf Monaten des Jahres wurden im Schnitt die höchsten Kraftstoffpreise aller Zeiten registriert. Über die Gründe dafür gehen die Meinungen auseinander.

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Immer neue Rekordpreise mussten Autofahrer in diesem Jahr an der Tankstelle bezahlen. Nur im Sommer 2008 lagen die Preise mal höher.
Immer neue Rekordpreise mussten Autofahrer in diesem Jahr an der Tankstelle bezahlen. Nur im Sommer 2008 lagen die Preise mal...Foto: dapd

Teurer war es im Jahresschnitt noch nie an der Tankstelle: Autofahrer mussten in den ersten elf Monaten des Jahres nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes und des ADAC für Superkraftstoff im Schnitt 1,524 Euro pro Liter bezahlen. Der durchschnittliche Preis für Diesel wurde mit 1,410 Euro errechnet. Ebenfalls ein Rekordwert. Nur im Sommer 2008 lagen die Benzinpreise schon mal höher. Doch dann kam die Finanzkrise und drückte den Rohölpreis innerhalb weniger Wochen in den Keller. 

Verglichen mit den Vorjahren ist die Steigerung enorm. 2010 lag der durchschnittliche Benzinpreis bei 1,405 Euro, im Jahr 2009 war es noch 1,273 Euro. Noch drastischer fällt die Steigerung bei Diesel aus. Der Kraftstoff für Selbstzünder kostete letztes Jahr noch durchschnittlich 1,214 Euro und im Jahr 2009 1,077 Euro.

Hoher Rohölpreis und gute Autokonjunktur

Dem Verband der Mineralölwirtschaft zufolge ist die Begründung für rapide Inflation an der Zapfsäule ganz einfach. „Der gestiegene Rohölpreis hatte erheblichen Einfluss auf die Preisentwicklung bei Kraftstoffen“, sagt Sprecherin Karin Retzlaff. „Die Erdbebenkatastrophe in Japan und der arabische Frühling haben für Engpässe gesorgt und den Preis für Rohöl in die Höhe getrieben.“

Tatsächlich werden wir in diesem Jahr zum ersten Mal im Jahresmittel einen Rohölpreis von mehr als 100 Dollar bekommen. Die florierende Weltwirtschaft – trotz Euro-Krise können die größten Volkswirtschaften ein deutliches Wirtschaftswachstum vorweisen – hat die Nachfrage nach dem schwarzen Gold kräftig ansteigen lassen. Mit Libyen und durch die Sanktionen gegen Iran hat sich die handelbare Rohölmenge weiter verknappt. Gleichzeitig hat sich die anziehende Konjunktur auf dem Automarkt als Preistreiber ausgewirkt. Selbst für den deutschen Markt wird mit einem zweistelligen Plus in diesem Jahr gerechnet.

E10 war nicht entscheidend 

Die Turbulenzen um den neu eingeführten Biosprit E10 haben bei der Preisentwicklung jedoch keine Rolle gespielt. „Die Einführung von E10 hat zwar viel Bewegung bei den Preisen verursacht, aber gleichzeitig auch den Wettbewerb angefacht“, erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. „Die Ölkonzerne haben sich die schmaleren Gewinne eher beim Diesel wieder geholt.“

Für Besitzer von Diesel-Fahrzeugen ist die Entwicklung besonders bitter. Der steuerliche Vorteil von rund 21 Cent pro Liter ist an der Tankstelle nicht mehr erkennbar. Gerade mal drei bis sieben Cent liegt der Preis für Diesel unter dem für Benzin.

Harte Zeiten für Dieselfahrzeuge

Für Ferdinand Dudenhöffer, Experte für die Automobilbranche an der FH Gelsenkirchen, kein Wunder: „Durch den steuerlichen Vorteil wurde durch die Politik geradezu mutwillig eine Verknappung von Dieselkraftstoff herbeigeführt.“ Der Anteil der Dieselfahrzeuge in Deutschland läge bei 47 Prozent. In der Schweiz, wo Diesel nicht steuerlich gefördert wird, liegt er nur bei 30 Prozent. Die Produktion des Kraftstoffs hat sich in der Zeit aber nicht wesentlich erhöht und der Preis für Diesel an der für Europa maßgebenden Kraftstoffbörse in Rotterdam liegt teilweise bis zu zehn Cent über dem für Benzin.

Auch für das kommende Jahr gibt es wenig Hoffnung auf Besserung. Autofahrer werden an der Tankstelle weiter kräftig zur Kasse gebeten.
Auch für das kommende Jahr gibt es wenig Hoffnung auf Besserung. Autofahrer werden an der Tankstelle weiter kräftig zur Kasse...Foto: dapd

„Diesel hat seinen Höhepunkt längst überschritten“, meint denn auch Autoexperte Dudenhöffer. Der Staat verliert jedes Jahr Steuereinnahmen von rund 3,5 Milliarden Euro durch die Subvention von Diesel. Die Hybridtechnik und der verstärkte Einsatz von Autogas und Erdgas werden den Selbstzündern weiter zusetzen. 

Hoffnung auf wieder sinkende Preise an der Tankstelle sollten sich Autofahrer nicht machen. Das sind sich alle Experten einig. „Es wird immer wieder Wellenbewegungen geben, aber die langfristige Tendenz geht nur nach oben“, ist sich Dudenhöffer sicher. Einzig eine nachlassende Autokonjunktur und ein stärkerer Euro könnten für ein leichtes Absinken der Kraftstoffpreise sorgen. Wahrscheinlicher ist aber, dass auch 2012 die Rekordjagd an der Zapfsäule weitergeht.

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