Biokraftstoff E10 : Was Sie über den Biokraftstoff E10 wissen müssen

Ab nächstes Jahr darf der Biokraftstoff E10 verkauft werden. Weil ihn nicht jedes Fahrzeug verträgt, gibt es viele Fragen – hier die Antworten.

   Wenn 2011 der neue Ottokraftstoff E10 eingeführt wird, sollten Autobesitzer nicht bedenkenlos zur Zapfpistole greifen. Herstellerangaben zufolge können zum Beispiel bei frühen Mercedes-Direkteinspritzern wie dem C 200 CGI und CLK 200 CGI aus den Jahren 2002 bis 2005 oder den Opel-Modellen Vectra, Signum und Zafira mit einem 2.2-Direct-Motor Probleme auftreten. Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass der Sprit etwa 10 Prozent aller benzinbetriebenen Kfz in Deutschland schaden könnte. Das entspricht nach Informationen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) aktuell rund 3,5 Millionen Fahrzeugen.

Was genau ist eigentlich E10?    

Bei der Bezeichnung E10 handelt es sich um eine Abkürzung: „E“ steht für den Alkohol Ethanol, der dem aus Erdöl gewonnenen Benzin beigemischt wird. Die Zahl „10“ zeigt an, dass der Ethanolanteil bis zu zehn Prozent betragen darf, erklärt Frank Brühning vom deutschen Biokraftstoffindustrieverband VDB. Seit 1989 ist ein Anteil von bis zu fünf Prozent im Ottokraftstoff zulässig. Das Ethanol wird durch alkoholische Gärung aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen gewonnen - zum Beispiel aus Zuckerrohr und -rüben, Mais oder Getreide.

Wie kann der Biosprit zum Umweltschutz beitragen?    

Durch den geringeren Benzinanteil auf Rohölbasis werden Erdölvorkommen geschont. Außerdem kann durch Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen die Ökobilanz verbessert werden. Denn beim Verbrennen wird lediglich die Menge des klimaschädigenden Gases CO2 freigesetzt, die die Pflanzen zuvor aus der Luft gebunden haben. Allerdings geht diese Rechnung nur dann auf, wenn für den Anbau keine Wälder, Weide- oder Brachflächen in zusätzliches Ackerland verwandelt werden, geben Kritiker zu bedenken. „Das könnte dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch Biokraftstoffe eingespart wird“, warnt etwa der Naturschutzbund NABU.

Woher weiß ich, ob mein Auto den Biokraftstoff E10 verträgt?    

Um auf Nummer sicher gehen zu können, hilft ein Anruf beim Fahrzeughersteller, Händler oder in der Vertragswerkstatt. Außerdem hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) auf ihrer Homepage eine Liste veröffentlicht, aus der hervorgeht, welche Fahrzeuge E10-fähig sind und welche nicht. Die Informationen sind auch auf der Webseite des ADAC erhältlich. Die DAT rechnet noch mit weiteren Ergänzungen, da bisher noch nicht alle Hersteller vertreten sind.

Warum kann E10 einigen Fahrzeugen schaden?   

„Durch den höheren Ethanolanteil können bei einigen Kfz-Modellen Motorteile korrodieren und Motordichtungen zerfressen werden“, erläutert Andrea Gärtner vom ADAC. Unmittelbare Anzeichen für eine Fehlbetankung gebe es aber nicht, so Gärtner weiter: „Das Fahrzeug wird keine auffälligen Geräusche machen und bleibt nicht gleich liegen.“    

Was tun nach einer Fehlbetankung?    

Besser den Wagen stehen lassen und den Hersteller um Rat fragen. Schlimmstenfalls muss der Tank ausgepumpt werden. Denn Motoren, die E10 nicht vertragen, könnten bereits durch einmaliges Betanken kaputt gehen, sagt Gärtner.

Wie ist der Kraftstoff mit erhöhtem Ethanolanteil erkennbar?    

Die Zapfsäulen und -pistolen für das Biobenzin müssen mit der Aufschrift „E10“, „Normal E10“, „Super E10“ oder „Super Plus E10“ gekennzeichnet sein. Ein zusätzlicher Hinweis auf der Zapfanlage soll vor einer möglichen Fehlbetankung bewahren. Dem Gesetz für die E10-Einführung zufolge lautet er: „Enthält bis zu 10 Prozent Bioethanol. Informieren Sie sich, ob dieser Kraftstoff für Ihr Fahrzeug geeignet ist. Verwenden Sie im Zweifelsfall 'Super schwefelfreì bzw. 'Super Plus schwefelfreì.“ Einen zusätzliche Zapfstelle für E10 müssen die Tankstellen nicht einrichten: Der neue Kraftstoff werde in der Regel die Sorte Benzin verdrängen, erklärt Frank Brühning. Super mit nur 5 Prozent Ethanolanteil wird es weiterhin geben – mindestens bis Ende 2013.

Hat E10-Sprit Auswirkungen auf den Verbrauch?    

Ja – der Verbrauch steigt. Die Energiedichte von Ethanol ist geringer als die von herkömmlichem Benzin, erklärt Brühning. Deshalb benötigen Motoren mehr Treibstoff, je höher der Alkoholanteil im Sprit ist. Die Prognosen für den Mehrverbrauch fallen ähnlich aus: Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), geht von „Schnapsglasgrößen auf 100 Kilometer“ aus. Der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) spricht von einem Verbrauchsplus von rund drei Prozent.

Was wird der Biokraftstoff kosten?    

Experten rechnen damit, dass E10 zu gleichen Konditionen wie herkömmliches Super verkauft wird. „Ansonsten hätte die neue Sorte keine Chance“, sagt Brühning. Verkehrsclubs wie der ADAC in München warnen die Ölkonzerne davor, Superbenzin und E10 künftig zwar zu gleichen Preisen, aber generell teurer anzubieten. tmn

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