Biosprit-Pläne : Katerstimmung statt Alkohol

Worum wird in Sachen E10 überhaupt gestritten?

Er ist wohl vom Tisch, der Plan von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, Normal- und Superbenzin ab 2009 mit mehr Bio-Ethanol zu versetzen. Deshalb, weil zu viele Fahrzeuge auf der Straße sind, bei denen die Beimengung zu Schäden führen könnte. Das sind die wichtigsten Fragen in der Debatte:

WAS IST E10?

Die Abkürzung steht für Normalbenzin oder Super-Kraftstoffe, denen zehn Prozent Biosprit beigemischt ist. Dadurch würden die bisherigen Benzinsorten Normal und Super abgelöst, die bereits mit fünf Prozent Bio-Ethanol versetzt sind. Nach der gleichen Logik steht E85 für einen Ethanol-Anteil von 85 Prozent. Es kommen immer mehr Fahrzeuge auf den Markt, die für diesen Kraftstoff ausgelegt sind. Hier wurde die Technik aber von vornherein so modifiziert, dass der Alkohol ihr nichts anhaben kann.

WARUM SIND SCHÄDEN MÖGLICH

Zwischen dem beigemischten Bio-Ethanol und verschiedenen Fahrzeugteilen kann es zu ungünstigen chemischen Reaktionen kommen. So zerfrisst der Alkohol Aluminiumbauteile in Benzinpumpen oder Benzinschläuche aus Kunststoff. Werden die Leitungen löchrig, kann sich das Benzin am heißen Motor entzünden.

WELCHE AUTOS SIND GEFÄHRDET?

Nach Angaben von ADAC und ACE sind vor allem ältere Fahrzeuge betroffen. Bei jüngeren Baujahren sind es vor allem Fahrzeuge mit sogenannten Direkteinspritz-Systemen. Der ADAC geht davon aus, dass mehr als drei Millionen Fahrzeuge nicht für E10 geeignet sind. Allerdings probieren Autoschrauber in Zeiten hoher Spritpreise schon seit längerem auf eigene Faust den Betrieb mit Ethanol im Benzin. Oft scheint das gutzugehen – kommt es zu Schäden, ist aber der Besitzer der Dumme, wenn sein Wagen nicht für den Betrieb freigegeben ist.

WARUM GAB ES DEN PLAN ÜBERHAUPT?

Mit der Einführung von E10 wollte die Bundesregierung einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Außerdem wollte sie eine EU-Richtlinie umsetzen, mit der die Europäische Union die Klimaziele aus dem sogenannten Kyoto-Protokoll erreichen will. Die Richtlinie zwingt die Mitgliedsstaaten nicht speziell zur Einführung von E10. Sie legt lediglich fest, dass die Mineralölkonzerne eine bestimmte Menge an Biosprit verkaufen müssen. So soll sich bis Ende 2010 der Marktanteil von Biosprit von zwei Prozent auf insgesamt 5,8 Prozent erhöhen.

WAS SAGEN UMWELTSCHÜTZER?

Ob und wie sehr Biosprit dem Klima hilft, ist massiv umstritten. Denn der Großteil des Bedarf käme nicht von deutschen Äckern, sondern aus der Dritten Welt, wo oft Regenwaldflächen für den Abbau von Treibstoffpflanzen gerodet werden. Auch trübt massiver Einsatz von Düngemitteln die Bilanz. Und nicht zuletzt: Die Plantagen konkurrieren mit dem Anbau von Lebensmitteln. Lässt sich mit Pflanzen zur Erzeugung von Biosprit mehr Geld verdienen, dann sinkt die Produktion zum Beispiel von Weizen – mit den entsprechenden Konsequenzen für die Bevölkerung. (kko/afp)

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