Auto : Bitte wenden

Beispiel Ford: Wie schnell sich die Welt oder zumindest der Blick darauf bessert

Eric Metzler

Jürgen Stackmann ist ein Sonnenschein. Jedenfalls in diesen Wochen.Tag für Tag flattern 600 Aufträge aus ganz Deutschland auf den Schreibtisch des obersten Marketing- und Vertriebsmannes. So etwas gab es seit dem Mauerfall nicht. Menschen, die sich das Verschrotten prämieren lassen, kaufen jetzt Kleinwagen. Und da ist Ford traditionell ganz vorne dabei. Seit letzten Oktober macht der neue Fiesta mit guten Absatzzahlen Freude; ein Wagen mit einwandfreiem Preis-Leistungs-Verhältnis und ohne das Biedermann-Image des Vorgängers. An diesem Wochenende nun startet der kleine Ka (Fahrbericht links) – ein besserer Zeitpunkt für ein schickes, neu konzipiertes Stadtwägelchen lässt sich kaum denken. Sicher, Fiat war mit dem Schwestermodell 500 schneller und verkauft seit 2007 blendend. Aber aktuell, wo alles vom Abwracken zugunsten eines kleinen Neuen spricht, da macht sich der Händlerstart eines passenden Autos auch nicht schlecht. Als die Einführung des Ka geplant wurde, konnte das natürlich keiner vorhersehen. Aber in Köln hat man seit geraumer Zeit einen richtigen „Lauf“. Schon die großen Neuerscheinungen vor dem Fiesta wurden mit Lob überhäuft: S-Max, Galaxy und Mondeo sind durchweg gute Autos, die sich in Testberichten häufig das Etikett „Premium“ verdienen.

Dass Ford neuerdings die zweitstärkste Einzelmarke nach VW ist, liegt auch auch an einem Finanzierungsmodell. Die „Flat rate“ entwickelt sich für Ford zu einem ungeahnten Markenzeichen. Beinahe jeder, der mit dem Gedanken ringt, einen Neuwagen zu kaufen, hat davon schon mal gehört. Das mächtig beworbene Prinzip ist ebenso simpel wie bekannt, wird aber von keinem anderen Hersteller so konsequent in den Markt gedrückt: Für jedes Modell mit jedwedem Extra wird sekundenschnell eine Monatsrate berechnet – ohne Anzahlung, aber inklusive Wartung, das Ganze auf vier Jahre. Vertriebschef Stackmann hat seinen Mannen eingebimst, Aufpreise nicht mehr in absoluten Zahlen, sondern in Flatrate-Aufschlägen zu kommunizieren. Fürwahr, „vier Euro mehr im Monat“ klingen deutlich budgetschonender als „400 Euro extra“. Mit der Flatrate trifft Ford einen Nerv der Zeit: Wenn es schon hinten und vorne nicht reicht, dann soll die Chose wenigstens einfach und durchschaubar sein.

Auch bei der „Individualisierung“ ist zu besichtigen, wie Ford versucht, sich Trends zunutze zu machen. Zwei oder drei Ausstattungslinien für Kleinwagen? Das reicht nicht mehr. So mancher will auch mit 75 PS ein persönliches Statement auf die Straße schreiben. Sich unterscheiden. Mini hat diese Lust als erster erkannt, Fiat zog mit dem 500 nach. Jetzt geht Ford in die Vollen. Deshalb gibt es vom Ka mutige Mutationen; grell wie der Digital, bespoilert wie der Grand Prix oder vornehm gepierct wie der Tattoo.

Einiges spricht dafür, dass Ford nicht nur wegen der Umweltprämie Aufwind hat. Aber von null auf hundert binnen weniger Wochen? Über soviel Euphorie dürfte sich die demnächst kurzarbeitende Belegschaft ein wenig wundern. Immer wieder spricht Jürgen Stackmann vom „Vierfachen“. Will heißen: Ford hat in der zweiten Januarhälfte viermal so viele Autos verkauft als ein Jahr zuvor. Und wenn das große Abwracken rum ist, wird es dann ruhiger? Nein, sagt Stackmann, der Sonnenschein, „für Ford erwarte ich auch dann keine Kaufzurückhaltung“.

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