Auto : Blass siehst Du aus

Beim Autokauf setzen die Deutschen weiter auf gedeckte Töne. Aber eine Un-Farbe ist im Kommen

Katrin Stabenow (ddp)

Ob Pink Cadillac oder feuerrotes Spielmobil: Die Farbe des Autolacks hat großen Einfluss darauf, ob ein Wagen zum Hin- oder zum Weggucker wird. Und natürlich ist sie Moden unterworfen – im Moment scheinen die Käufer zum Beispiel auf Nummer sicher gehen zu wollen: Jedes dritte in Deutschland bestellte Volkswagen-Modell wird in der Farbe Schwarz gewünscht. „Jeden vierten Pkw bestellen unsere Kunden in Silber“, benennt VW-Sprecher Fred Bärbock die Farbvorlieben der Käufer – dabei hatte sich die Top-Farbe des Jahrtausendwechsels wegen ihres inflationären Auftretens im Straßenbild schon den Namen „Leasingsilber“ eingehandelt. Bei anderen Herstellern sind die Vorlieben der Kunden kaum anders, wie das Straßenbild tagtäglich beweist.

Eine Neuigkeit gibt es allerdings: Weiß, in Deutschland Jahre lang eine Un-Farbe, die Gebrauchtwagen unverkäuflich machte, ist im Kommen. Bärbock: „Weiß wird insbesondere bei VW-Modellen wie Golf GTI, New Beetle Cabrio, Touareg und Phaeton immer häufiger gewählt.“ Auch Mercedes setzt stark auf den hellen Ton und stellte ihn in den Werbeanzeigen für die neue C-Klasse heraus.

Die Entscheidung für diese oder jene Farbe erfolgt aus unterschiedlichen Gründen. Eine wesentliche Rolle spielen emotionale Aspekte. Der Gesichtspunkt der Sicherheit ist bei der Farbwahl dagegen, aller Appelle und Aufklärungskampagnen zum Trotz, offenbar weniger relevant. Wie anders ist erklärbar, dass dunkle, mithin schlecht wahrnehmbare Farben Spitzenplätze der Beliebtheitsstatistiken belegen?

„Eine Lackfarbe ist immer auch Ausdruck einer Zeit“, analysiert Michaela Finkenzeller, Designerin beim Lackhersteller BASF Coatings. Und so kommt es, das einige Farben nur mit einer bestimmten Zeitspanne in Zusammenhang gebracht werden, später dann jedoch kaum mehr auftauchen. Das gilt beispielsweise für die schrillen Lacke der 70er Jahre, als Signalorange, Viperngrün oder Prilblumenblau im Straßenverkehr bei jedem Wetter das Tragen einer Sonnenbrille ratsam erscheinen ließen. „Damals kam das Thema Kunststoff “, erklärt Michaela Finkenzeller. Es zeigte sich in den Siebzigern, was in Sachen Form und Farbe mit den künstlichen Materialien machbar war. Und weil Plastik in Mode und oft schrill war, übertrug sich die Farbgebung auf das Auto – bis sich die Leute sattgesehen hatten.

„Welche Farbe der Autokäufer wählt, hängt von der Farbwirkung, den mit bestimmten Farben verbundenen Assoziationen und persönlichen Bedeutungen ab“, nennt Dora Donosa, Verkehrspsychologin des österreichischen Automobilclubs ÖAMTC weitere Aspekte bei der Suche nach der passenden Farbe. Manche wollten nicht nur mit der Marke und dem Modell ihres Autos, sondern eben auch mit der entsprechenden Farbe bestimmte Botschaften vermitteln. „Die pflegeintensive Farbe Weiß signalisiert Reinheit, Klarheit, Konzentration auf das Wesentliche und hebt sich derzeit noch klar von der Masse ab“, schildert Donosa Hintergründe dieser Farbvorliebe. Lange Zeit habe die Fahrzeugindustrie die Farbe Weiß Lieferautos vorbehalten. Jetzt werde sie vor allem für das Exklusiv- und Premiumsegment wieder entdeckt. Mit einem sanften Perleffekt oder als Mattlack ist die Farbe im Kommen.

Auch über andere Farbvorlieben hat sich Donosa Gedanken gemacht: Schwarz, unverändert ganz oben auf der Farbskala, wirkt elegant und steht für Luxus, Seriosität und Stärke. Silber und Grau wirken stilvoll und dezent, signalisieren Umsichtigkeit und Korrektheit. Vornehm und ruhig, aber weniger erhaben wirken Fahrzeuge in dunkelblauen Farbtönen. Sportlichkeit und Schnelligkeit verheißt die Farbe Rot, solche Autos wirken feurig, leidenschaftlich bis aggressiv. „Rot hat Signalwirkung, fällt auf und wird aus der Ferne leicht erkannt“, erläutert Donosa. Gelb ist die wohl auffälligste Farbe im Straßenverkehr und kann schwer übersehen werden. Menschen, die das Bedürfnis haben wahrgenommen zu werden, bevorzugen mithin Gelb als Autofarbe, sagt die Psychologin. Aber: „Der Wiederverkauf ist bei dieser Farbwahl oftmals schwierig“, schildert die Expertin den Nachteil einer Entscheidung für den schrillen Ton. Generell gilt dabei immer noch: Je größer und gediegener das Fahrzeug, desto gedeckter der Ton. Signalfarben finden sich eher an Sportlern und kleineren Fahrzeugen – meistens jedenfalls. Katrin Stabenow (ddp)

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