BMW : Dazwischen genommen

Sportlich wie der Dreier, komfortabel wie der Siebener und endlich wieder elegant: Wem es nicht aufs letzte Quentchen Platz ankommt, der findet im neuen Fünfer die optimale Limousine.

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Foto: BMW Group MediaPool

Schon nach wenigen Momenten sagt das Bauchgefühl: Das isses! Die Sitzposition passt, das Lederlenkrad liegt optimal in der Hand, die Mittelkonsole neigt sich (endlich wieder!) dem Fahrer zu. Beide Ellenbogen ruhen lässig auf den genau richtig positionierten Polstern von Mittelkonsole und Tür. Das Auge freut sich über die viel noblere Umgebung als im Vorgänger; das Alu sorgfältig verarbeitet; die Instrumente aus dem Siebener zwar klein, aber klar. Die Komfortsitze (2260 Euro Aufpreis) umschließen den Körper mit Vertrauen erweckender Festigkeit. Dieses Cockpit ohne die frühere Extrahutze ist in sich so schlüssig, als sei es eigens für jeden einzelnen Fahrer so gemacht worden. So darf, so muss ein BMW sein.

Neue Stilsicherheit auch außen. Das Modell polarisiert nicht mehr so wie der Vorgänger. Die Ära Bangle – so hieß der frühere Chef-Designer – ist endgültig abgeschlossen. Die neue Harmonie war ein Muss, soll der Fünfer doch neue Käuferschichten erschließen. Seine 4,90 Meter (vier Zentimeter mehr als bisher) kaschiert die Limousine geschickt, denn der auf 2,97 Meter gestreckte Radstand (längster seiner Klasse) vermindert die Überhänge. Der Neue strahlt wieder klassische Eleganz aus. So dürfte er vielen gefallen, die bislang nicht so gerne einsteigen mochten. Wer es tut, sollte es am besten vorn versuchen, denn die acht Zentimeter mehr zwischen den Achsen versanden irgendwo im Blech, kommen nur bescheiden im Fond an. Dort zwickt der neue Fünfer noch immer. Nach wie vor langen die Bayern mit 500 Euro Aufpreis für eine umklappbare Rücksitzlehne frech zu. Und der mit 520 Liter gegenüber dem Vorgänger gleich groß gebliebene Kofferraum fasst weniger als der eines Ford Mondeo. Nein, wer Großzügigkeit sucht, wird beim neuen Fünfer auch in Zukunft nicht glücklich. Selbst nach 38 Jahren Modellgeschichte mit 5,5 Millionen produzierten Einheiten ist die heilige Firmenphilosophie vom stramm sitzenden Maßanzug spürbar.

Und dennoch ist der Fünfer der sechsten Generation eine Zäsur – wegen der konsequenten Rückkehr zu traditionellen Tugenden wie Sportlichkeit und Komfort. Das Geheimnis dahinter? Im Fünfer steckt viel Technik vom Topmodell. Etwa das feine Alu-Fahrwerk mit vorderer Doppelquerlenker- und hinterer Fünflenkerachse sowie die phänomenale Allradlenkung (siehe Kasten auf dieser Seite). Hinzu gesellt sich eine neue elektromechanische Arbeitsweise, die Sprit sparen hilft und die in ihrer Mitteilsamkeit, was die Räder auf der Straße machen, einsame Spitze ist. Im Zusammenspiel dieser ingenieurtechnischen Glanzleistungen ergibt sich eine verblüffende Mixtur: Mit der Technik vom Siebener fährt sich dieser Fünfer so handlich wie ein Dreier! So agil wie diese perfekt ausbalancierte Businesslimousine (Achslastverteilung 50:50) ist keine andere in dieser Klasse. So können das nur die Münchener.

Die eigentliche Überraschung indes: Der Fünfer muss sich auch in Sachen Komfort jetzt nicht mehr vor Mercedes und Audi verstecken. War der Vorgänger für viele fast schon zu hart, so federt der Neue geradezu samtpfötig selbst über fiese Flickenteppiche. Der Komfortzuwachs gegenüber dem Vorgänger beeindruckt derart, dass man aus dem schnellen Gleiter gar nicht mehr aussteigen möchte. Vor allem dann, wenn der 245 PS starke Diesel unter der Haube steckt. Das Aggregat arbeitet perfekt mit der Achtgangautomatik zusammen, die ebenfalls aus dem Siebener stammt und 2200 Euro Aufpreis kostet.

Damit solvente Kunden die blanke Freude am Fahren auch fachgerecht erleben können, bietet BMW auf der zwölf (!) Seiten langen Aufpreisliste jede Menge Fahrertrainings an; die Optionen reichen vom Fahrsicherheits- und Rennstrecken- über das Winter- bis zum Ökotraining. Zu Preisen ab 160 bis zu 3300 Euro (ohne Flug). Auch das zeigt das Selbstbewusstsein der Bayern: Mir san halt wer. Dazu passen die saftigen Preise für Auto und Extras. Ein paar Kreuze an der richtigen beziehungsweise falschen Stelle summieren sich schnell zu 15 000 Euro extra. Womit man dann in der stolzen 60 000-Euro-Liga angelangt wäre.

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