BMW : Ich bin so drei

Um den neuen 3er zu erkennen, muss man gut hinsehen – oder man fährt den famosen 330d.

Eric Metzler

Richtig beneidenswert ist die Rolle des Münchener Hausschneiders nicht. Versucht er es mutig mit etwas Neuem, geht ein Raunen durch die Reihen – aber das Entsetzen bei eingefleischten Anhängern des Labels ist groß. Doch auch, wenn der Meister der Versuchung wiedersteht und den alten Schnitt nur anpasst, droht Gemecker: Nichts Neues im Süden, gähn, haben Sie sonst nichts im Schrank? In dieser no-win-Situation haben sich die Designer des 3er-BMW noch weniger trauen gedurft als die des VW Golf VI. Die Erwerber des überarbeiteten Musters müssen deshalb damit rechnen, dass Freunde und Bekannte kein Wort über das neue Dress verlieren. Sie werden es schlicht für das alte halten.

Die behutsamen Änderungen zeichnen sich hinten in Form zweigeteilter Heckleuchten und eines wie durchgebogen wirkenden Kofferraumdeckels ab. Vorne gibt es nun verchromte Röhren in den Scheinwerfern, an den Seiten größere Rückspiegel. Dass der 3er noch satter dasteht als gewohnt, liegt an der Spur, die an der Hinterachse je nach Modell um bis zu 24 Millimeter verbreitert wurde – nähert man sich dem Wagen, ist dies das erste Indiz, dass sich technisch mehr getan haben könnte als optisch.

Die Annahme stimmt. 2500 neue Teile trägt das gute Stück, sagen die Ingenieure. Da sich die fünfte Generation des Bestsellers im Grunde genauso sportlich, präzise und straff fährt wie die vierte, merkt der Fahrer den Fortschritt vor allem, wenn er in mindestens eine der vier folgenden Kategorien passt.

Kategorie 1. Der Käufer steht auf Diesel und ist willens, mindestens 42 100 Euro auf den Tisch zu legen. Dafür gibt es den 330d, einen Sechszylinder, der ohne jeglichen Verlust an Fahrfreude unter einen Hut bringt, was lange als unvereinbar galt. Er ist stark und er ist sparsam. Wir haben es probiert: Wer durchweg zügig fährt und das Gaspedal nur dann durchtritt, wenn lahmende Vorausfahrer das Überholen auf der Landstraße erzwingen, erreicht spielend eine Sechskommawas. Dieser ruhige Common Rail hat uns in jeder Lage beeindruckt – belassen wir es beim Etikett „souverän“. Insgesamt stehen fünf Benziner und fünf Diesel zur Wahl, allesamt verbrauchsoptimiert mit dem Maßnahmenpaket „Efficient Dynamics“: Teile der Bremsenergie werden aufgefangen und für den Antrieb genutzt; der Motor geht im Stand aus und beim Einkuppeln automatisch wieder an; Nebenaggregate werden nur eingeschaltet, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Kategorie 2. Dem Käufer geht Allrad über alles, aber das Budget ist beschränkt. Bislang winkte BMW ab: Sorry, auf allen Vieren machen wir es nur mit Sechszylinder. Jetzt gibt es mit dem 320d xDrive einen doppelten Vierer: für 37 650 Euro und damit annähernd zum selben Preis, der für den 325d aufgerufen wird, den kleinsten Sechszylinder-Diesel ohne Allrad also.

Kategorie 3. Das Budget spielt keine Rolle – und was technisch im Trend liegt, will dieser Dreier-Fan haben. Nun gut. Wenn VW-Fahrer mit einem schlupffreien Direktschaltgetriebe (DSG) protzen, ist das noch kein Problem. Überstolze Audi–Fahrer nerven da schon mehr. Beim 3er gibt es nun ein Gegenmittel: Für das 335i Coupé und des 335i Cabrio ist eine Sieben-Gang-Sport-Automatik mit Doppelkupplung im Angebot. Käufer der Limousine müssen sich gedulden.

Kategorie 4. Der Käufer hat sich von der jahrelangen Beklagung des Bedienkonzepts iDrive nicht kirre lassen machen. Es ist einen weiteren Versuch wert. BMW hat die Kritik ernst genommen: Uns jedenfalls erschließt sich das Zusammenspiel von Dreh-, Joystick- und Tastenfunktion am Knopf in der Mittelkonsole nun besser. Man benötigt schlicht weniger Konzentration und Nerven, um Roger Cicero ans Ohr, Neuruppin auf den extrem breiten 8,8-Zoll-Monitor und die Liebste an den Freisprecher zu holen. Wer statt 3120 Euro für das Edel-Navi „Professional“ 3970 Euro für das gleichnamige Edel-Edel-Navi investiert, darf mit einem mobilen Internetzugang den neuesten Börsencrash abrufen. Weil man jeden Buchstaben und jede Zahl nur über das Drehrad des iDrive aufrufen kann, ist das ein mühsames Geschäft – und funktioniert gottlob nur im Stand.

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