BMW in Berlin : Lange Tradition Ein Boxer für Puristen

BMW schenkt sich zum 90. Geburtstag ein werkseigenes Custom-Bike. Die R nine T ist eine Reminiszenz an die ersten BMW-Motorräder aus den 1920er Jahren. Und natürlich arbeitet ein Boxer unterm Tank.

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Geburtstagsgeschenk. Ein klassisches Bike mit Boxer-Motor hat BMW zum 90. Geburtstag des Motorrad-Zweigs gebaut. Kunden können allerdings vieles nach eigenem Geschmack gestalten. Fotos: promo
Geburtstagsgeschenk. Ein klassisches Bike mit Boxer-Motor hat BMW zum 90. Geburtstag des Motorrad-Zweigs gebaut. Kunden können...

Rund 2,8 Millionen Motorräder sind in der 44-jährigen Geschichte des Spandauer BMW-Werks gefertigt worden. Schraubten 1969 noch 400 Mitarbeiter pro Tag 30 Motorräder zusammen, sind heute in dem Werk 1900 Mitarbeiter beschäftigt; im Motorradbereich arbeiten rund 1600 Mitarbeiter. In Spitzenzeiten rollen täglich bis zu 600 Maschinen aus den Hallen, pro Jahr sind es rund 108 000 Motorräder. Aber auch die BMW-Automobilproduktion baut auf Komponenten aus Berlin: 2012 wurden in Spandau rund 5,7 Millionen Bremsscheiben für alle Serien-Pkw gefertigt. BMW setzt weiterhin auf das Werk in Spandau. Der Konzern hat in den vergangenen zehn Jahren rund 300 Millionen Euro in den Standort investiert. 2011 wurde mit sieben Millionen Euro eine Produktionshalle umgebaut. „Das Werk Berlin bleibt Produktionsstätte für alle BMW-Motorräder. Ein Indiz dafür ist der Flächenzukauf“, sagte Werksleiter Sielemann dem Tagesspiegel. Im November 2012 kaufte BMW 39 000 Quadratmeter Fläche dazu. Die gesamte Fläche beträgt rund 217 000 Quadratmeter. „Berlin werden wir immer brauchen. Und wir wachsen in Berlin“, bekräftigte auch BMW-Motorradvorstand Schaller.

Kompromisslos, sportlich, knackig, unverfälscht, einfach Motorrad pur – das ist die R nine T, die am Mittwoch ihre Weltpremiere in München hatte. Ein Geburtstagsgeschenk zum 90-jährigen Firmenjubiläum für Zweiradfans, die auf klassisch-reduziertes Design gekoppelt mit Spitzentechnik stehen. Die Idee dafür entstand durch den Privatumbau eines BMW-Mitarbeiters. Und dann lag 2008 das Custom-Concept vor. Das hieß für die 400 Entwicklungsingenieure in der Motorradsparte: Wir bauen ein Motorrad, das von jedem Kunden durch Ausstattung und Zubehör ganz nach dem eigenen Geschmack verändert werden kann.

„Herausgekommen ist ein Motorrad, das auf den Kern reduziert ist“, sagt Chefdesigner Edgar Heinrich. Das Design orientiert sich an den Proportionen eines Boxers der 60er Jahre. Wie das allererste BMW-Motorrad R 32 aus dem Jahr 1923 hat die nine T einen luftgekühlten Boxer-Motor als Antrieb. Er leistet 110 PS (81 kW) bei 7750 Drehzahl und 1170 Kubik Hubraum. Den Sound konnten die Gäste des Festaktes nur hören, als die nine T im BMW-Museum auf die Bühne gefahren wurde. Ein sattes, sonores Grummeln, typisch Boxer. Zwei Endschalldämpfer übereinandergelegt aus Edelstahl sind auf der linken Seite angeordnet. Dieses Abgaskonzept hatten vor allem die Rennmaschinen in den 60er und 70er Jahren. Besser schaut die Maschine aber mit einer Akrapovic-Anlage aus Titan als Sonderausstattung aus.

Der Fahrersitz ist mit 785 Millimetern nicht hoch, das Leergewicht mit 222 Kilogramm nicht übertrieben. Blickfänge bei diesem Motorrad sind der Höckersitz aus Aluminium und der 18 Liter große Aluminiumtank, der in klassischem Schwarz gehalten ist. Dieser Mix aus klassischen und modernen Stilelementen fällt bei diesem Motorrad überall auf: Aluminium, Gussteile, Lederoptik, ein runder Scheinwerfer, auf dessen Glühlampenabdeckung übrigens ein winzig kleines Markenlogo zu sehen ist, golden eloxierte Standrohre der Upside-Down-Gabel und ein Bordcomputer neben klassischen Rundinstrumenten für Drehzahlmesser und Tacho. Die Telegabel ist dem Supersportler S 1000 RR entlehnt und keine wie bei Boxer-Motoren übliche Telelever-Vorderradaufhängung. Sehr elegant wirken die Drahtspeichenräder mit schwarzen Leichtmetallflachfelgen, schwarzen Radnaben und Edelstahlspeichern. Der Motor ist in einem Stahl-Gitterrohrrahmen integriert. Wer es extrem puristisch mag, kann sogar noch das Rahmenendteil plus Kennzeichenhalter und Rückleuchte demontieren. Dann ist das Bike allerdings nicht straßenzulassungsfähig.

Die R nine T ist ein gelungener Mix, mit dem man auf der Landstraße cruisen oder auch mal Gas geben kann. BMW gibt die Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h mit 3,6 Sekunden an. Die Geschwindigkeit soll mehr als 200 km/h betragen. Das konnte noch nicht ausprobiert werden, da das Bike zunächst nur statisch präsentiert wurde. Die Kraft wird über ein Sechsganggetriebe und den Kardanantrieb zum Hinterrad gegeben. Bedienungsfreundlich ist ein Handrad unter dem Sitz, mit dem die Federbasis hydraulisch einstellbar ist. Die Verarbeitung der R nine T ist hochwertig. Die Sitzbank in Lederoptik zum Beispiel wird durch eine weiße Doppelnaht eingefasst.

Billig ist dieses Motorrad nicht. „Die R nine T ist purer Luxus“, gibt Heiner Faust, Leiter Vertrieb und Marketing BMW Motorrad, zu. Wie hoch die angestrebte Verkaufszahl ist, beantwortet Faust mit dem Wort „einige“. Die Markteinführung ist im Frühjahr 2014 geplant. Der Preis ohne Sonderzubehör soll bei 14 500 Euro liegen. Und mit Ausrüstung, für die BMW noch keine Preise angegeben hat, können die Kosten schnell weit über 16 000 Euro liegen. Dazu gehören zum Beispiel der Soziussitz, Kneepads für Tankseitenflächen, Diebstahlwarnanlage, LED-Blinkleuchten oder Heizgriffe. Aber die brauchen Motorradfahrer, die auf Purismus und Authentizität Wert legen, nun wirklich nicht.

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