BMW : Surfen light

BMW bringt als erster Hersteller Internet ins Auto. Allerdings gibt es noch einige Einschränkungen

Wolfgang Gomoll

Drei, zwei, eins – nicht meins! Wer im Auto unterwegs ist, während eine Internet-Auktion ausläuft, hat schlechte Karten. Im Moment zumindest. Aber geht es nach BMW, sind diese Zeiten bald vorbei. Noch in diesem Jahr soll das Surfen in einem Serienfahrzeug über das integrierte Farbdisplay möglich sein. Dass der neue Siebener zum Pionier beim automobilen WWW made in Bavaria wird, ist mehr als wahrscheinlich.

Dementsprechend heftig ist auch das Stakkato der weißblauen Marketing-Spezialisten: Von „grenzenloser Nutzung“, „Spaß am Surfen“ und „uneingeschränktem Zugriff auf das World Wide Web“ ist die Rede. Klingt alles richtig gut. Allerdings: Bei genauerem Hinsehen relativieren sich die optimistischen Werbe-Sprüche etwas. Das fängt schon bei der Datendurchsatzrate an. Das BMW-Internet benutzt nämlich nicht den UMTS- , sondern (genauso wie das iPhone) den Edge-Standard, da dieser im Gegensatz zu UMTS flächendeckend verfügbar ist. Allerdings ist Edge deutlich langsamer. „Wir denken über weitere Möglichkeiten nach, die Geschwindigkeit des Surfens zu erhöhen“, heißt es dazu aus der Münchner Konzernzentrale. UMTS ist sicher eine Option.

Einstweilen wird aber, damit beim Surfen via Edge wenigstens halbwegs Geschwindigkeit und Freude aufkommen, ein BMW-Server zwischengeschaltet, der Byte-Fresser, wie zum Beispiel große Grafiken, herunterrechnet und so die Datenmenge auf den Internetseiten reduziert. Die Darstellung von Flash-Animationen ist so aber nicht möglich, genauso wenig wie das Herunterladen von E-Mail-Anhängen. Uneingeschränkt ist anders. Immerhin beeilt sich BMW zu versichern, dass keine Zensur stattfinde und der User jederzeit auf die Seiten seiner Wahl zugreifen könne. Allerdings wird momentan noch überlegt, eine optionale Kindersicherung einzubauen. Der Server soll auch die Sicherheit erhöhen, da die BMW-Firewall angeblich bestmöglichen Schutz vor Hackern und Computerviren bietet. Wo wir gerade beim Thema Sicherheit sind: Der Fahrer kann nur im Stand oder bei einer Geschwindigkeit von unter fünf km/h surfen. Bei höheren Tempi ist das Internet nur auf den Rücksitzen verfügbar.

In der Praxis funktionierte das System brauchbar. Wettbieten im Sekundentakt ist zwar nicht drin, aber es wurde auch nicht jedes Byte mit Handschlag begrüßt. Als überraschend unkompliziert erwies sich die Bedienung mittels iDrive statt Maus: Der Cursor wird durch Drehen und Schieben des Reglers ziemlich genau dirigiert. Web-Adressen werden wie beim Navigationssystem eingegeben. Das Prozedere kann mit einer personalisierten Startseite, auf der sich die favorisierten Links des Fahrers befinden, verkürzt werden.

Unterm Strich ist das BMW-Internet damit eine sinnvolle Ergänzung, vor allem dann, wenn man viel über Land unterwegs ist. In Ballungsräumen ist man wohl mit einem Laptop inklusive UMTS-Karte besser dran. Das kann sich aber ändern, wenn sich die automobile Surfgeschwindigkeit erhöht.

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