BMW verlängert den 3er : Aus Freude am Laden

Im Herbst kommt der verlängerte 3er von BMW auf den Markt. Die Münchner haben den Lademeister der Baureihe vor allem im Fond verbessert. Fahrdynamisch bleibt das Auto Spitze.

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Verlängert: Im September startet die Kombi-Version des BMW 3er. Der sogenannte Touring hat nun eine elektrische Heckklappe serienmäßig.
Verlängert: Im September startet die Kombi-Version des BMW 3er. Der sogenannte Touring hat nun eine elektrische Heckklappe...Foto: Hersteller

Eine Nach-Olympia-Frage: Was zeichnet eigentlich die Spitzentypen aus, die in London aufs Treppchen gekommen sind? Antwort: Die Besten der Besten kennen ihre Stärken und bauen sie zielstrebig aus. Und sie analysieren gnadenlos die eigenen Schwächen, um sie ebenso zielstrebig auszumerzen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Bei den Autoherstellern macht BMW es vor – abzulesen am 3er Touring, einem Erfolgstypen, der auf seinen Nachfolger wartet.

Am 22. September startet die fünfte Generation des agilen Kombis. Die Entwickler haben sich der größten Schwachstelle des Vorgängers angenommen, dem vergleichsweise kleinen Laderaum. Der wächst gegenüber dem Vorgänger um fast zehn Zentimeter in der Länge. Die Achsen stehen nun fünf Zentimeter weiter auseinander, und das Dach fällt nicht mehr so stark ab. Das schafft mehr Platz für die Ladung: nun 495 bis 1500 Liter Stauvolumen. Das ist ein Plus von 35 beziehungsweise 115 Litern – und damit plötzlich mehr als die Konkurrenz von Audi A4 Avant und Mercedes C-Klasse T-Modell zu bieten hat. Interessant: Als 1987 der erste BMW Touring startete, war er nur 1,65 Meter breit und 4,33 Meter lang. 25 Jähre später ist der aktuelle 3er Touring 30 Zentimeter länger, imposante 17 Zentimeter breiter und auch fünf höher. So haben jetzt auch die Fondpassagiere keinen Grund mehr, sich zu beklagen.

Elektrische Heckklappe ohne Aufpreis

Seine bekannten Vorzüge spielt der neue Touring noch konsequenter aus: Nach wie vor bietet nur er serienmäßig ein separat zu öffnendes Heckfenster. Aber nun kommt eine elektrisch betriebene Heckklappe hinzu. Ohne Aufpreis. Das haben Audi und Mercedes nicht zu bieten. Weiteres Alleinstellungsmerkmal: Die standardmäßige dreigeteilte Rücksitzlehne. Wer 210 Euro zuzahlt, erhält neben einem Wendeboden ein neues Befestigungssystem, bei dem eine an vier Fixierpunkten einklinkbare Aluschiene Taschen am Umherkullern hindert. Für weitere 570 Euro darf der Besitzer seinem 3er Touring einen Fußtritt verpassen. Symbolisch. Nach einem Wischer unter die Heckstoßstange öffnet dieser Kombi automatisch und zuvorkommend die Klappe; praktisch, wenn man beide Hände voll hat. Gut, aber nicht neu. Der VW Passat hat dieses System bereits seit längerem. Im Heck des neuen BMW hat sich also vieles zum Besseren entwickelt.

Das gilt auch für den Fahreindruck: Der neue 3er Touring ist der BMW unter den Mittelklasse-Kombis. Will heißen: So sportlich und leichtfüßig fährt sich kein anderer in dieser Liga. Und das, obwohl der aktuelle 3er Touring gegenüber seinem drahtigen Urgroßvater von 1987 um rund eine halbe Tonne an Wohlstandsspeck angesetzt hat. Wer 1100 Euro in die adaptiven Dämpfer investiert, kann seinen 3er Touring je nach Gusto sportlich oder komfortabel bewegen. Apropos komfortabel – auch hier haben die Ingenieure einen früheren Schwachpunkt nachhaltig ausgemerzt. Trotz sportlicher Grundabstimmung federt der 4,62 Meter lange Sportkombi auch ohne die elektronischen Dämpfer Straßengemeinheiten nun sensibler weg. Ein echter Fortschritt.

Zuerst die stärkeren Modelle

4,62 Meter ist der Lademeister nun lang. Gegenüber dem ersten 3er Touring bedeutet das ein Zuwachs von satten 30 Zentimetern.
4,62 Meter ist der Lademeister nun lang. Gegenüber dem ersten 3er Touring bedeutet das ein Zuwachs von satten 30 Zentimetern.Foto: Hersteller

Den bescheinigen wir auch beim Antrieb. Gegenüber dem Vorgänger darf das Automatikgetriebe nun aus acht Gängen den optimalen wählen. Und das tut es perfekt. Die happigen 2260 Euro Aufpreis sind eine gute Investition in eine dauerhaft komfortable Fortbewegung. Wir konnten für einen ersten Fahrtest nur den 328i Touring mit eben dieser Automatik fahren. Preis: ab 41 410 Euro – in etwa auf dem Niveau von Audi und Mercedes. Unter der BMW-Haube steckt ein doppelt aufgeladener Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum, 245 PS und 350 Newtonmeter bereits ab dieselähnlichen 1250 Touren und einem Normverbrauch von nur 6,5 Litern Super. Ein Klassemotor: Er zieht wie ein Büffel, dreht wie eine Ballerina und trinkt so wenig wie ein Manager auf einem wichtigen Empfang. Er ersetzt den bisherigen Dreiliter-Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum und 231 PS. Der klang zwar so unnachahmlich wie Pavarotti, trank aber gern mal etwas mehr. Der Vierzylinder klingt nicht so gut, aber nimmt gut zwei Liter weniger auf 100 Kilometer. Lässt man die emotional aufgeheizte Diskussion um den schöneren Klang des seligen Reihensechsers einmal außen vor, dann ist dieser Turbovierer nun mal das bessere Triebwerk.

Leider hält es BMW auch dieses Mal so, dass erst die stärkeren und teureren Modelle starten. Neben dem von uns gefahrenen 328i nur der 184 PS starke 320d für 37 100 Euro und der 258 PS starke 330d Automatik für 46 150 Euro. Die günstigeren Modelle folgen erst im November: 320i mit 184 PS für 34 850 Euro; 318d mit 143 PS für 34 350 und 316d mit 116 PS für 32 350 Euro. Also: Wer sparen will, muss warten.

Eine an vier Punkten befestigte Alu-Schiene soll Taschen im Kofferraum im Zaum halten.
Eine an vier Punkten befestigte Alu-Schiene soll Taschen im Kofferraum im Zaum halten.Foto: Hersteller

Gut möglich, dass einigen BMW-Fans der „kleine“ Kombi mit seinem gewachsenen Laderaum plötzlich reicht. Denn der von uns gefahrene 328i Touring kostet 8800 Euro weniger als der 528i Touring. Da verschmerzt sicher mancher den etwas kleineren Kofferraum ( 495 statt 560 Liter und maximal 1500 statt 1650 Liter). Doch wenn zwei sich streiten, gibt es laut Volksweisheit nicht selten einen lachenden Dritten. Und das könnte der 2013 startende 3er GT sein, der einen großen Laderaum und clevere Variabilität in einer exklusiven Hülle verpackt. Ein neuer Spitzenathlet im nacholympischen Jahr.

Fotostrecke: BMW 328i im Test

Fürs Hurtige und Gediegene
Beim 3er von BMW kommen seit jeher zweierlei Assoziationen auf. Einerseits ist er das sportliche Premium-Auto und Liebling von Vielfahrern. Auf der anderen Seite prägen auch Klischees von Muscle-Shirts und Goldkettchen das Image. Letzteres ist nicht unbedingt im Sinne des Herstellers, der seinen wichtigsten Umsatzträger am liebsten ausschließlich im Premiumsektor ansiedeln würde.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Markus Mechnich
14.08.2012 08:29Beim 3er von BMW kommen seit jeher zweierlei Assoziationen auf. Einerseits ist er das sportliche Premium-Auto und Liebling von...

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