Auto : Bon Voyage

Renault pflanzt dem Familienvan Grand Scénic den stärksten Spardiesel der Klasse ein: Wie sich der dCi 130 Start & Stopp eco unterwegs schlägt

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Downsizing auf Französisch. Das ist die neue Renault-Strategie, die bei den Kompakt-Vans Scénic und Grand Scénic ihren Anfang findet. Der alte, aber stets zuverlässige 1,9-Liter-Diesel wurde ausgemustert, stattdessen kommt ein neuer, effizienter Turbodiesel mit 1,6 Litern Hubraum und der gleichen Leistung von 96 kW/130 PS zum Einsatz.
Downsizing auf Französisch. Das ist die neue Renault-Strategie, die bei den Kompakt-Vans Scénic und Grand Scénic ihren Anfang...

Läuft der Diesel oder läuft er nicht? Man muss schon sehr genau hinhören, um sein sehr gut gedämmtes Arbeitsgeräusch im Stand herauszuhören. Die Kraftentfaltung erfolgt schön gleichmäßig. Abgesehen von einer leichten Anfahrschwäche zieht der Motor oberhalb von 1500 Touren gut durch, wie man zu sagen pflegt. Bei Bedarf rennt der 1,5 Tonnen schwere Kompaktvan 195 km/h und spurtet aus dem Stand in 10,5 Sekunden auf Tempo 100. Da kreischen die Kids auf den Rücksitzen!

Nein, im Ernst: Unangestrengt dreht er hoch und klingt dabei überhaupt nicht nach Diesel. Auf unserer Testrunde genehmigte sich die 130-PS-Maschine im schweren Familienvan 6,8 Liter; mithin 2,3 Liter mehr, als von Renault versprochen. Das geht noch in Ordnung, denn wir fuhren bei hochsommerlichen Temperaturen mit eingeschalteter Klimaautomatik, und auch die Renault-Techniker können die Regeln der Physik nicht überlisten: Pferde, die viel leisten, wollen auch viel Futter.

Gut funktioniert hat die erstmalig bei Renault eingesetzte Start-Stopp-Automatik. Wie ein englischer Butler: Man spürt ihn nicht, aber er ist da! Inakzeptabel indes, dass Renault für dieses hochmoderne Triebwerk (siehe Kasten) kein passendes Automatikgetriebe parat hat. Das vorhandene Doppelkupplungsgetriebe (für den 110-PS-Diesel) ist zu schwach dimensioniert. Über den Einsatz eines stärkeren oder der Sechsgangwandlerautomatik denkt man derzeit noch nach.

Mit diesem Motor kann der Grand Scénic seine Qualitäten als komfortabler Langstrecken-Reisewagen für die Familie voll ausspielen. In gekonnter Art und Weise filtert der Franzose übles Pflaster aus, schwingt allerdings auf langen Wellen etwas nach. Die Sitze sind bequem und ausreichend straff gepolstert. In der zweiten Reihe sitzen Erwachsene allerdings nur zweiter Klasse. Die drei vergleichsweise schmalen Einzelsitze taugen nur für Kinder. Über die dritte Reihe (700 Euro Aufpreis) reden wir gar nicht. Als nicht optimal erweist sich auch die Variabilität. Egal, ob die verschiebbaren, rund 18 Kilogramm schweren Einzelsitze nur hochgeklappt oder gleich ausgebaut werden – eine Stufe bleibt immer. Das geht besser. Der gegenüber dem normalen Scénic 22 Zentimeter längere und 1200 Euro teurere Grand Scénic bietet als serienmäßiger Fünfsitzer deutlich mehr Kofferraum (678 bis 2083 statt 470 bis 1870 Liter) als sein kleiner Bruder. Los geht’s beim langen Familienvan mit dem Sparkick ab 26 700 Euro. Das sind heftige 1200 Euro mehr als beim weiter angebotenen normalen 130-PS-Diesel mit einem Normverbrauch von 5,6 Litern. Bei den gegenwärtigen Dieselpreisen hat man den Mehrpreis erst nach gut 20 000 Kilometern wieder rein. Ein teures Sparmobil.

Übrigens: Dieser Super-Diesel steckt beim Familienvan in der falschen Behausung. Das wird sich im Frühjahr 2012 ändern. Dann zieht er in die Mégane-Familie ein, die leichter und strömungsgünstiger ist. Und vielleicht gibt es ja bis dahin auch ein passendes Automatikgetriebe?

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