Brennstoffzelle : Eine Dampfmaschine für das 21. Jahrhundert

Opel testet die Brennstoffzelle im Berliner Alltag.

Heißes Wasser gefällig? Denn Dampf ist das einzige Abgas, das aus dem Auspuff eines Autos kommt, das per Brennstoffzelle angetrieben wird. Noch ist die Technik Zukunftsmusik – aber immerhin schon so praxistauglich, dass Opel zehn Fahrzeuge in den Berliner Verkehr schickt. Unternehmen und Institutionen wie ADAC, Linde oder das Hilton übernehmen die Wagen in ihre Flotte und lassen sie ganz normal im Alltag laufen.

Ein Auto mit Brennstoffzelle hat Wasserstoff im Tank, entweder flüssig oder gasförmig unter bis zu 700 Bar Druck. Wird der in einer Zelle mit Luft in Verbindung gebracht, reagiert er mit deren Sauerstoff zu Wasser. Bei dem elektrochemischen Prozess wird Strom frei, mit dem sich ein Elektromotor antreiben lässt.

Auch die Berliner Testfahrzeuge werden so angetrieben. 440 einzelne in Reihe geschaltete Zellen erzeugen genügend Strom, um einen 100 PS starken E-Motor laufen zu lassen. Von null auf hundert schaffen es die „HydroGen 4“ genannten Testfahrzeuge damit in 12 Sekunden, 160 Stundenkilometer Spitze sind drin, mit dem Tankinhalt von 4,2 Kilogramm Wasserstoff lassen sich gut 300 Kilometer zurücklegen.

Wer allerdings im Stadtverkehr nach Opel-Modellen mit Dampf-Fähnchen am Auspuff Ausschau hält, um die Testwagen zu erkennen, hat keine Chance. Denn die innovative Technik steckt in Karosserien des Equinox-Jeeps der Schwestermarke Chevrolet – die Berliner Flotte ist Teil eines weltweiten Alltagstests der Opel-Mutter General Motors. In der vierten Generation der Brennstoffzellen-Fahrzeuge hat man Unzulänglichkeiten wie zum Beispiel schlechte Start- und Fahreigenschaften bei niedrigen Temperaturen beseitigt – laut Opel fahren die HydroGens nun auch bei minus 25 Grad. Komplett serienreif will man die Technik bis etwa 2015 haben.

Allerdings gibt es noch eine Reihe von Herausforderungen, die nicht im Fahrzeuginnern stecken. Vor allem die Frage, wo der Wasserstoff eigentlich herkommen soll – in reiner Form kommt er in der Natur nicht vor. Dafür steckt er aber in Stoffen wie Erdgas oder Wasser. Allerdings braucht es wiederum Energie, um ihn aus diesen Verbindungen zu lösen. In der Diskussion ist daher, die Kraft von Wind oder Sonne zu nutzen, um Wasserstoff zu erzeugen. Auf dieser Basis wäre das Konzept komplett emissionsfrei. Außerdem müsste vor Serienstart erst ein Tankstellennetz aufgebaut werden. An all dem arbeiten Industrie und Verkehrsministerium parallel im Rahmen des Programms „Clean Energy Partnership“.

Bei ersten Fahrten ließen sich die Prototypen von den Testern schon problemlos durch Berlin bewegen. Im Gedächtnis blieb dabei vor allem eine typische Eigenschaft von Elektromotoren: strammes Drehmoment in allen Lebenslagen. Konkurrenz zwischen Brennstoffzelle und den momentan hochgehandelten Elektroautos ist übrigens nicht zu erwarten. Schließlich wäre der verbaute Motor in beiden Fällen derselbe. Tsp

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