Brennstoffzelle : Zukunftsmusik mit Wasserdampf

Auf die Brennstoffzelle setzen die Autohersteller große Hoffnungen. Doch auf dem Weg zur Serienreife steckt der Teufel im Detail.

Thomas Geiger[dpa]

Thomas Brachmann mahnt zur Vorsicht: „Unterschätzen sie dieses Auto nicht! Es ist schneller, als man glaubt“, sagt der Sprecher des Honda-Entwicklungszentrums. Solche Hinweise gibt es normalerweise nur bei Supersportwagen. Doch die rote Flunder auf der Strecke im schwedischen Visby ist kein Kraftprotz, sondern ein Saubermann mit Brennstoffzellenantrieb – ein Auto aus der Zukunft.

Und der Wagen offenbart ein großes Dilemma: In Prototypen funktioniert die „kalte Verbrennung“ von Wasserstoff und Sauerstoff und damit die Produktion von Strom für einen Elektromotor mit Wasserdampf als einzigem Abgas schon so gut, dass man bei jeder Testfahrt ins Staunen kommt. Doch von einem Serieneinsatz ist die Technologie noch weit entfernt. „Vor allem der Platzbedarf der Komponenten, ihre Lebensdauer, der Temperaturbereich, Reichweite und Kosten bereiten uns noch Probleme“, sagt Roland Krüger, der im Ford-Forschungszentrum Aachen die Entwicklung leitet.

Mit der Leistungsfähigkeit der Systeme sind die Entwickler dagegen schon weitgehend zufrieden. Der auf Gotland vorgestellte Honda FCX erreicht 129 PS und ein maximales Drehmoment von 256 Newtonmetern. Nur die Höchstgeschwindigkeit bleibt mit 160 Stundenkilometern noch etwas hinter konventionellen Fahrzeugen zurück. Auch die Temperaturanfälligkeit bekommen die Hersteller langsam in den Griff: Damit Brennstoffzellen bei jedem Wetter funktionieren, müssen sie von minus 40 bis weit über 100 Grad belastbar sein. Eine Lösung könnte die sogenannte Hochtemperatur-Brennstoffzelle sein, die jetzt von Volkswagen vorgestellt wurde. Sie arbeitet laut VW bei bis zu 160 Grad und kommt deshalb mit einem einfacheren Kühlsystem aus.

Schon starten vielerorts Testflotten, die auch von Endkunden gefahren werden. In Berlin sind in der sogenannten Clean Energy Partnership Opel Zafira, Ford Focus und Mercedes A-Klassen mit Brennstoffzellen unterwegs. Vom nächsten Jahr an will Honda in Japan und den USA jährlich rund 80 Exemplare des FCX auf die Straße bringen. Den Zeithorizont für eine marktreife Technik allerdings sehen alle deutlich später: Ford-Manager Krüger etwa rechnet nicht vor 2015 mit einem Serienauto. Auch Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen bremst die Erwartungen. „Zwar werden um das Jahr 2015 Brennstoffzellen-Fahrzeuge um die 50 000 Dollar zu haben sein, aber die richtige Großserie sehe ich nicht vor 2030.“ Dennoch glaubt er an einen Erfolg der Technik: „In zehn Jahren kann man sich vorstellen, dass in Kalifornien, Schanghai, Tokio um die 1000 Fahrzeuge und im Rest der Welt noch mal 500 laufen.“

„Die klassische Brennstoffzelle wird sich zuerst in anderen Bereichen beweisen müssen, zum Beispiel im Hausgebrauch, bevor sie serienmäßig in Automobilen zu finden sein wird“, glaubt Henner Lehne vom Prognosespezialisten CSM in Frankfurt am Main. Die Kosten sind eine der größten Hürden auf dem Weg in die Wirklichkeit, sagen die Entwickler. „Realistisch gerechnet, würde der FCX mindestens 1,5 Millionen Dollar kosten“, schätzt Honda-Sprecher Brachmann. Deshalb werden die FCX erst einmal „für eine eher symbolische Rate“ an Kunden verleast: 500 Dollar sind das im Monat.Thomas Geiger (dpa)

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben