Auto : Brüder im Geiste

Noch ist es warm genug: Wie sich die beiden Cabrios von VW im Vergleich anfühlen.

von

Nein, das war es noch nicht mit dem Sommer – und schon gar nicht mit den Cabrios. Aber sobald die ersten Blätter fallen, gewöhnen wir uns an, das Dach bei jedem Stopp zu schließen. Beim Eos ist das fünfteilige Exponat gläsern und anders als in den ersten Jahren auch bei Regen dicht. Beim Golf funktioniert das Dach gleichfalls automatisch, es lässt sich sogar bis Tempo 35 betätigen, gefertigt ist es aus Stoff, wie in alten Zeiten. Trotzdem ist der Golf das jüngere Auto. Ihn gibt es in der offenen Variante erst seit Anfang 2011 – verwirrenderweise als offenen Golf VI, der wohl noch zwei, drei Jährchen aktuell bleibt, obwohl vom geschlossenen Golf jetzt der VIIer startet. Der Eos hat im letzten Jahr ein Facelift genossen. Seither ist die auffällige Chromspange um den Kühlergrill passé; sie war das Steckenpferd eines längst geschassten Design-Chefs und den Nachfolgern lange ein Pickel im Markengesicht.

Umstritten ist der Eos indes noch immer. Einmal, weil sich viele fragen, ob VW so dicht nebeneinander im Produktkatalog überhaupt zwei Cabrios braucht. Und zum anderen, weil so mancher das Heck als nach wie vor pummelig empfindet. Kann man so sehen, muss man aber nicht: Im direkten Vergleich zu den Wettbewerbern Peugeot 308 CC oder Renault Mégane CC sieht der Eos eleganter aus.

Im Inneren gibt es zwischen den Wolfsburger Open-Air-Brüdern weder markante Unterschiede noch große Überraschungen: tausend Mal gesehen, tausend Mal für bestens verabeitet, funktional, aber fad empfunden. Dass es sich trotz dieser Ähnlichkeit um zwei eigenständige Typen handelt, merken wir zum Vorteil des Golf in der Preisliste und zu dessen Nachteil beim Beladen: Da ist der längere Eos im Vorteil, denn zumindest im geschlossenen Zustand bietet er einen gut erreichbaren Kofferraum mit 380 Litern Ladevolumen. Zwar schwinden die Möglichkeiten arg, wenn sich das Dach des Eos ins Heck faltet. Doch der Kofferraum des Golf bleibt unabhängig von Sonne oder Regen immer gleich klein und ist nur durch eine schmale Luke zu erreichen. Das Verdeck legt sich zwar nicht in den Kofferraum, wenn man es schließt, aber der Verdeckkasten darüber schluckt eben Platz.

Beide Cabrios werden formal als Viersitzer angeboten; im wahren Leben sollte man die hintere Reihe bestenfalls gelegentlich und auf Kurzstrecke belegen. Wer es dennoch wagt, muss auf der Rückbank des Golf erleben, wie Hechtsuppe schmeckt: Hier zieht es bei offener Fahrt viel mehr als im Eos, sodass selbst robuste Erwachsene nach wenigen Minuten flehen, das Dach trotz blauen Himmels zu schließen.

Generell ist das Fahrverhalten beider Probanden tadellos: Komfortabel, aber hinreichend straffe Federung; präzise Lenkung; ermüdungsfreie Sitze. Der Golf punktet mit seinem niedrigeren Gewicht, er fühlt sich unterwegs wendiger an. Dafür ist er mit seinem Verdeck bei hohem Tempo etwas lauter als der Eos. Der von uns in beiden Modellen gefahrene 1,4-Liter-TSI mit 160 PS gefällt uns dank seines Temperamentes deutlich besser als die aufgeladene Einstiegsmotorisierung gleichen Hubraums, die über 122 PS verfügt.

Der Verbrauch hat uns wegen der allzu deutlichen Abweichung von den theoretischen Normwerten leicht enttäuscht: Unter acht Litern geht bei normaler Fahrt mit dem TSI nichts. Die manuelle Sechsgang-Schaltung ist nicht die allergeschmeidigste. Wer sich mehr als anderthalb Tausend Euro extra leisten kann, sollte im Golf zum famosen Doppelkupplungsgetriebe DSG greifen. Im Vergleich zum Eos mit Handschalter bleibt dann immer noch etwas Geld übrig, weil der mit dem 1.4 TSI von vorneherein gute 4000 Euro mehr kostet als der offene Golf, der ab 26 075 Euro zu haben ist.

Wer sich nicht zwischen den beiden VW-Cabrios entscheiden kann, könnte bis zur nächsten Saison warten: Dann nämlich komplettiert das neue Beetle Cabrio die offene VW–Familie. Eric Metzler

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben