Buell 1125R : Ein Bike namens Schwarzenegger

Stark, amerikanisch, aber ein Herz aus Österreich – die Buell 1125R zielt auf die Rennstrecke.

Thilo Kozik

Zum Test haben sich die Verantwortlichen von Buell eine Strecke ausgesucht, die keiner auf der Uhr hat: Monteblanco, ein feines Testareal in Andalusien. Mit Kurven, die sich unangenehm zuziehen, einem teilweise richtig welligen Asphalt und einer Geraden, die fast einen ganzen Kilometer misst.

Nach dem Druck aufs Knöpfchen springt der kompakte Vau-Zwo aus österreichischer Fertigung willig an. Österreich? Jawohl, die Verantwortlichen der Harley-Davidson-Tochter nutzen wie Aprilia oder BMW das Knowhow der Spezialisten von Rotax für den komplett neu entwickelten Twin. Weil das Triebwerk kompakt sein sollte, ergaben sich 72 Grad als engstmöglicher Zylinderwinkel. Seine Luft schlürft der Vau durch riesige 61er Drosselklappen und die Ventile werden über kurze Schlepphebel gesteuert. Die Trockensumpfschmierung arbeitet mit zwei Pumpen, der Öltank sitzt vorn unten im Motorgehäuse und nicht wie bei den anderen Buells in der Schwinge. Dazu obliegt der Massenausgleich gleich drei Ausgleichswellen, wobei die Antriebswelle der Wasserpumpe gleichzeitig als dritte Ausgleichswelle fungiert. Das Ventilspiel muss nur alle 20000 Kilometer justiert werden. Mit 148 PS und 111 Newtonmeter Drehmoment spielt das Aggregat in der oberen Liga. Nicht ganz vorn, aber auch nicht hinten.

Im Vergleich zu anderen Supersportlern fühlt man sich nach dem Aufsitzen recht kommod gebettet, die Kniewinkel sind ein wenig supersportmäßig spitz. Raus auf den Kurs und ordentlich Gas geben, lautet jetzt die Devise. Dabei fühlt sich die Buell von Anfang an gut an: Sie lässt sich erstaunlich leichtfüßig um die knifflige Strecke bewegen. Kurzum: Sie macht ihrem Fahrer alles ziemlich leicht. Das liegt sicherlich auch am fehlenden Bauchspeck, denn die 1125 R bringt trotz Wasserkühlung sogar vier Kilogramm weniger auf die Waage als die luftgekühlte Schwester XB12S. Da spielt der neue Rahmen eine große Rolle, denn trotz gestiegener Steifigkeit ist er 4,5 Kilogramm leichter. Auch die Schwinge ist stabiler und nun direkt im Motorgehäuse gelagert. Wichtig auch die extreme Lenkgeometrie mit steilen 69 Grad Lenkkopfwinkel und sehr kurzen 84 Millimeter Nachlauf. Gemessen daran wirkt die Buell indes nicht überhandlich: Zum Einlenken verlangt sie sogar etwas Nachdruck.

Um den welligen Partien des Kurses besser beizukommen, sind die Federelemente komplett einstellbar ausgelegt. Das ist gleichzeitig Fluch und Segen: Schon auf wenige Klicks und Umdrehungen an der Verstellung reagiert die Buell sehr feinfühlig, und nur wer die richtige Justierung findet, wird mit Leichtfüßigkeit belohnt. Dann bügeln die neue, mit dicken 47-Millimeter-Tauchrohren bestückte Showa-Gabel und das Federbein des gleichen Herstellers sämtliche Asphalt-Pickel tadellos weg. Selbst das bisweilen spürbare Aufstellmoment beim Bremsen ist deutlich minimiert.

Gut eingestellt fegt die Buell sehr sicher durch die engen Schikanen und nimmt alle Kurven in knackiger Schräglage. Bei steigendem Tempo kommt dann die neue Bremse ins Spiel, eine Ehrfurcht einflößende 375-Millimeter-Einzelscheibe, die am Außenrand der Felge montiert ist und von einer Achtkolbenzange in die Mangel genommen wird. Spätestens am Ende der Start-Zielgeraden mit knapp 250 km/h auf dem Tacho kann sie zeigen, was in ihr steckt. Sauber dosierbar, effektiv, aber nicht so bissig wie japanische Doppelscheibenstopper vernichtet sie den Vortrieb. Der Vau lässt sich auch untenherum gut fahren, kein wildes Ruckeln unterhalb von 3500 Touren beim Gasaufziehen, keine ruppige Gasannahme, wie noch bei der ersten Präsentation. Das Kraftwerk dreht jetzt sauber nach oben und drückt sehr gleichmäßig und kontrollierbar voran. Einzig die laute mechanische Geräuschkulisse unterhalb 4500 Umdrehungen stört. Als Ausgleich posaunt der Twin ab 5000 Touren bis zum roten Bereich bei 10500 Touren bollernd und grollend aus dem Underslung-Auspuff.

Diese Buell kann sich an allgemeingültigen Maßstäben messen lassen und muss nicht auf den Exotenstatus pochen wie manche der luftgekühlten Geschwister, die Buell im Angebot hat. Mit Punch von unten heraus und einem sensiblen Fahrwerk ist sie leicht zu fahren und bereitet auf Landstraße wie Rennstrecke eine Menge Spaß. Ins ernsthafte Renngeschehen wird die 1125R zwar nicht eingreifen können. Dafür garantiert sie ihren Käufern trotz des günstigen Einstandspreises von 12499 Euro Exklusivität.

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