Bulli : Abwracken statt vollpacken?

Auch für ältere Reisemobile können Besitzer die Umweltprämie kassieren. Allerdings werden das wohl nur wenige tun

Felix Rehwald
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Bye bye, Bulli. Dieser Campingbus wird trotz Hochdach wohl auf keiner Straße mehr fahren. Foto: dpa

Besitzer eines alten Wohnmobils mussten zuletzt einige Nachteile in Kauf nehmen. Nicht zuletzt stiegen die Abgaben für viele Fahrzeuge nach Änderungen im Steuerrecht kräftig. Und die Einführung der Umweltzonen erklärte manche Innenstadt für betagte Campingbusse plötzlich zum Sperrgebiet, weil diese sich nicht mit Filtern nachrüsten lassen.

Einen Ausweg bietet hier vielleicht die Abwrackprämie: Denn auch der Halter eines mindestens neun Jahre alten Reisemobils kann vom Staat 2500 Euro kassieren, wenn er den alten Wagen in die Schrottpresse gibt und sich dafür ein neues Modell anschafft. Allerdings bleiben Experten skeptisch, ob deshalb alte Campingbusse in nennenswerter Zahl von den Straßen verschwinden.   

 Aber die von der Bundesregierung beschlossene Abwrackprämie für Autos gilt auch für Reisemobile, bestätigt Volker Anders vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn. Maßgeblich sei, dass diese zur Fahrzeugklasse „M1“ zählen oder in den Fahrzeugpapieren als „Sonder Kfz Wohnmobil“ klassifiziert sind. Fahrzeuge der Klasse „M1“ sind Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit höchstens acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz. Damit sind alle herkömmlichen Pkw sowie Wohnmobile gemeint, die nicht als Lkw zugelassen sind und ein Gesamtgewicht von bis zu fünf Tonnen haben.

   Das Verfahren zur Beantragung der Prämie bei der BAFA unterscheidet sich nicht von dem für alte Pkw. Das Reisemobil muss also mindestens neun Jahre alt sein, außerdem muss es mindestens ein Jahr auf den derzeitigen Halter zugelassen gewesen sein, und das neue Fahrzeug muss bis zum 31. Dezember 2009 gekauft werden. Um die Prämie zu erhalten, muss der Halter bei der BAFA per Post neben den Antragsunterlagen auch Kopien der Fahrzeugpapiere und des Kaufvertrags sowie den Verwertungsnachweis eines Demontagebetriebs bei der Behörde einreichen.

„Wir wissen, dass es Anfragen zu dem Bereich gibt“, sagt der BAFA-Sprecher. „Aber wir können das nicht quantifizieren.“ Nach Zahlen des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) in Frankfurt kämen theoretisch rund 70 000 Wohnmobile in Betracht, die mindestens neun Jahre auf dem Buckel haben – bei einem Gesamtbestand von rund 445 000 Reisemobilen. Das heißt aber nicht automatisch, dass so viele Halter die Prämie tatsächlich beantragen sollten, sagt CIVD-Sprecher Ralph Binder. „Bei 70 000 Fahrzeugen würde es sich lohnen, das Verfahren zu prüfen.“ In vielen Fällen sei der Restwert eines alten Reisemobils aber noch deutlich höher als die bei der Verschrottung ausgezahlten 2500 Euro. Sprich: Wer so einen Wagen ganz regulär gebraucht verkauft, bekommt mehr dafür als die Umweltprämie ausmacht.

Das liegt an den Einbauten, aber auch daran, dass Reisemobile per se eine längere Lebensdauer als Pkw haben. Sie sind robuster gebaut, basieren auf Transporter-Fahrgestellen und werden von ihren Haltern meist besonders gehegt und gepflegt. Darüber hinaus werden die meisten Mobile nur wenige Kilometer im Jahr bewegt. „Wenn Sie noch 4000 Euro vom Händler kriegen können, gehen Sie ja nicht hin und machen das Ding platt, um die 2500 Euro Prämie zu bekommen.“ Für viel interessanter hält Binder die Austauschmöglichkeit. So könnte der Besitzer eines alten Pkw als Zweitwagen diesen verschrotten lassen und sich als Neufahrzeug dafür ein Reisemobil anschaffen. „Das macht die Sache für die Branche interessant.“ Auch ADAC-Sprecher Maximilian Maurer hält diesen Fall für wahrscheinlicher – obwohl er grundsätzlich eher von einem Randthema spricht, da die Klientel für den Austausch nicht sehr groß sei. „Es ist doch eher zufällig, dass sich jetzt jemand gerade ein neues Wohnmobil anschaffen will.“   

 Das Interesse, einen alten Campingbus – der womöglich noch als Alltagsfahrzeug genutzt wird – abzuwracken, dürfte dagegen laut Maurer eher gering sein. Schließlich müsste sich der Halter ja auch ein neues Fahrzeug anschaffen. Nur wenn verschiedene Umstände zusammentreffen – zum Beispiel ein alter, reparaturanfälliger Campingbus, der in der Kfz-Steuer hoch ist und keine Umweltplakette erhält und dadurch einen äußerst schlechten Restwert hat, mache das Abwracken aus seiner Sicht Sinn: „Wenn das dazu kommt und das Fahrzeug nicht mehr tragbar ist, ist es okay.“dpa

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