Cabrio : In ganzer Pracht

Haben Sie ihn erkannt? Das ist der neue R 8 Spyder – ein Audi, dem man sich nur schwer entziehen kann.

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Breitseite. Es gibt Autos, da macht schon das Hinterherfahren Spaß, weil es so viel zu sehen gibt. An den Flanken fehlen gegenüber dem R 8 Coupé die farblich abgesetzten Sideblades vor den Hinterrädern.
Breitseite. Es gibt Autos, da macht schon das Hinterherfahren Spaß, weil es so viel zu sehen gibt. An den Flanken fehlen gegenüber...Foto: Promo

Dass aus Träumen so selten was wird, hat auch sein Gutes. Entweder wir haben sie vergessen, bevor wir uns daran erinnern. Oder wir reiben sie uns morgens kurz und schmerzlos aus den Augen. In diesem Sinne nehmen wir das Fazit dieses Beitrags vorweg: Der offene R 8 ist ein Traum. Dass er für die meisten von uns unerfüllbar ist, hat zugleich etwas Tröstliches: So ficht uns der Preis von 156 400 Euro gar nicht erst an.

Schon gar nicht kann er uns die Freude an der gelungenen Werktätigkeit Audis nehmen: Dieser Sommer beschert uns den schönsten aller Bayern. Sicher, eine flache Flunder allein macht noch keinen Sommer. Aber die hier? Die schindet ganz schön Eindruck mit ihren serienmäßigen LED-Scheinwerfern, den mächtigen 19-Zöllern (235er-Belegung vorne/ 295er hinten), mit zwei silbernen Hutzen auf dem Heck und, natürlich, mit einer Stoffmütze, die uns am allerbesten gefällt, wenn sie zusammengelegt ist. Dann nämlich zeigt der Spyder Eleganz, strahlt auf ganzer, gerader Linie. Da stört kein Überrollbügel, kein Rahmen, nicht mal die doppelten Auspuffrohre stehen hinten hervor, bündig schließen sie ab.

Markant sind die Lüftungsschlitze, die sich wie ein Leitthema über die Karosserie ziehen: Hinter den langen Türen, unter den breiten Rückleuchten und, natürlich nur von hinten zu sehen, in den glänzenden Bändern, die sich von den Kopfstützen bis in die Heckklappe spannen. Dass derlei Optik mehr als Show ist, versteht sich bei einem Auto diesen Kalibers von selbst: Ein Mittelmotor, der bei 6500 Umdrehungen ein Drehmoment von 530 Newtonmetern auf die Kurbelwelle bringt, braucht einen langen, einen tiefen Atem. Dass er den hat, lässt der Neuling von der ersten Sekunde an jedermann hören – und zwar in unmittelbarer Umgebung genauso wie in mittelbarer. Verwerflich ist diese Form der Umweltverschmutzung nur bedingt. Denn die Ingolstädter Garage Band hat für den offenen R 8 einen Klang designt, der mindestens Suchtfaktor zehn auf der bis zehn reichenden Skala hat. Unvergleichlich: Wie es unverblümt brummelt, wenn man den offenen Wagen mit Zündschlüssel (und dankenswerterweise ohne gefühllosen Startknopf) anwirft. Wie es bollert beim Hoch-, blubbert beim Zurückschalten. Und wie es faucht, schickt man Vollgasstöße nach hinten. Durchbrochen wird das satte Spiel vom metallischen Klackern beim Einlegen der Gänge – schon deshalb sparen wir uns die 7400 Euro für die (im Übrigen ordentlich arbeitende) Automatik R-tronic.

Unterwegs ist der Spyder immer das, was man aus ihm macht: Ein souverän cruisender Zehnzylinder. Oder ein extrem direkt lenkender Brecher, der in öffentlichen Kurven nicht an seine Grenzen zu bringen ist, jedenfalls nicht legal. In jedem Fall aber ist dieses Gefährt ein 525 Pferdestärken zählendes Exponat, dem sich das Publikum offenbar nur schwer entziehen kann: Auf unserer Ausfahrt luchste der R 8 den Passanten mehr Begeisterung ab als alle Mercedes und Porsches. Viele haben nach dem Preis gefragt. Aber gekümmert hat die Zahl dann keinen. So ist das eben mit Traumwagen.

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