Cabrio : Peugeot 308 CC: Wer den hat, braucht keinen Heizpilz

Im neuen Peugeot 308 CC hält ein Gebläse den Passagieren den Nacken warm - und verlängert so die Freiluft-Saison. Heute kommt der Franzose in die Läden.

Wolfgang Gomoll

Airwave? Da war doch was? Die Freunde der Kau-Kultur kennen die Antwort: Die Luftwellen waren bisher vor allem etwas für die Klientel, die mit schlechtem Atem zu kämpfen hatte oder der es schwer fiel, den Kiefer still zu halten. Was das alles mit dem Peugeot 308 CC zu tun hat? Nun, beim neuen Klappdach-Franzosen soll ein heißes Lüftchen den Nacken umschmeicheln und damit für fast temperaturunabhhängiges Oben-ohne-Vergnügen sorgen. Der Name des neuen Gadgets? Richtig: Airwave.

So ganz ungekannnt ist die Idee nicht: Das gleiche Prinzip ist bereits im Mercedes SLK zu finden. "Wir bieten es aber als Erste in einem viersitzigen Cabrio an", sagt dazu ein Peugeot-Sprecher. Mag sein, aber der Nackenfön bekämpft - wie beim Mercedes-Roadster - das steife Genick nur auf den Vordersitzen. Aber das macht fast gar nichts: Denn abseits solcher Marketing-Haarspalterei geht es hinten so eng zu, dass großgewachsene Erwachsene sich die kältere Brise ohnehin nicht über längere Zeit zumuten werden. Und bei Kindern muss man ja eh aufpassen, dass die keinen Zug abbekommen.

Vorne sitzt man kommoder, aber wie in einem Aquarium. Die Natur ist zuverlässig ausgeschlossen. Der traditionellen schrägen Windschutzscheibe sei Dank. Im Zusammenspiel mit dem lauen Lüftchen aus den Sitzen lassen sich so sogar Minusgrade und Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h bei offenem Dach locker ertragen. Cabrio-Puristen mögen die Stirn runzeln, andere freuen sich über das Wintergarten-Feeling und die Tatsache, dass das Blechdach innerhalb von 20 Sekunden im Kofferraum verschwindet. Das klappt sogar bis zu einer Geschwindigkeit von zwölf Stundenkilometern. Allerdings schrumpft offen das Volumen des Gepäckabteils von 403 auf 223 Liter.

Aber auch mit kleinem Gepäck: Das gut abgestimmte Fahrwerk des 308 CC ist dem Genuss durchaus zuträglich. Der Peugeot schluckt Bodenwellen souverän und bleibt auch in schnell durchfahrenen Kurven lange neutral. Dazu passt der 140-PS-Diesel-Motor, der mit Laufkultur und einem knackigen Antritt punktet. Der Fahrspaß wird allerdings durch die indirekte und gefühllose Lenkung nachhaltig getrübt. Da hilft es auch nicht, dass das Volant sportlich unten abgeflacht ist. Mehr Sein und weniger Schein wäre hier wünschenswert.

Die angestrebte Käuferschaft jenseits der 40er-Grenze dürfte dieses Manko jedoch wenig stören. Wichtiger ist dann schon, dass beim wandelbaren Löwen sowohl offen als auch geschlossen wenig Geräusche in den Innenraum dringen. Das hervorragende Ergebnis im NCAP-Crashtest - 36 von 37 Sternen - manifestiert diese Solidität.

Einen Schritt nach vorne haben die Franzosen bei der Verarbeitung gemacht. Die ist wertiger und einfach besser als beim Vorgänger. Bei ersten Testfahrten knarzte und klapperte nichts. Das ist beim von Peugeot-Markenchef Jean-Philippe Collin fast schon gebetsmühlenartigen postulierten Premium-Anspruch auch das Mindeste. Was allerdings weniger zu den Ambitionen passt, sind die Seitenscheiben, die wackeln, wenn man die schweren Türen bei geöffnetem Dach ins Schloss fallen lässt.

Bleibt nur noch das äußere Erscheinungsbild. Wir werden nicht müde, es zu beklagen: Der dicke, vom Stahldach geforderte Pummel-Hintern war definitiv der Design-Schwachpunkt des Vorgängers 307 CC. Um das zu ändern, haben die Pariser sich offenbar Tricks bei Mode-Designern abgeschaut: Durch den hochgezogenen Diffusor im Zusammenspiel mit den weit seitlich sitzenden Rücklichtern und dem leicht abfallenden Kofferraumdeckel wirkt der Abschluss deutlich filigraner. Très bien. Hoch steht das Heck allerdings immer noch, so dass es nach hinten unübersichtlich wird. Parkpiepser vorne und hinten sind beim Peugeot 308 CC sehr hilfreich. Denn auch das Löwengesicht mit markanter gepfeilter Nase und großem Lachmund macht das Einschätzen der Abmessungen und dadurch das Einparken nicht leichter. Und falls das Rangieren deshalb länger dauert? Dann hilft Kaugummi-Kauen, denn das beruhigt die Nerven. Siehe oben.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben