Cabrio VW Eos vor dem Aus : Der Letzte macht das Dach zu

Es mehren sich die Anzeichen für ein Produktionsende beim VW Eos. Zeit, dem VW-Modell noch einen Gruß hinterherzuschicken - denn das Cabrio war zur Markteinführung 2006 ein echter Star.

Sven Jürisch
Bei gutem Wetter geöffnet. Als der Eos präsentiert wurde, waren Stahldächer bei Cabrios groß in Mode. Inzwischen setzen die meisten Hersteller wieder auf Stoff.
Bei gutem Wetter geöffnet. Als der Eos präsentiert wurde, waren Stahldächer bei Cabrios groß in Mode. Inzwischen setzen die...Foto: Promo

Ist das wirklich schon so lange her? Seit rund neun Jahren ist der VW Eos auf dem Markt. Und allzu viele mehr werden es wahrscheinlich nicht mehr werden. Denn Hersteller Volkswagen will die Modellpalette eindampfen – und das Klappdach-Cabrio verkaufte im letzten Jahr gerade noch 8000 Einheiten. In den USA ist das Modelljahr 2015 definitiv das letzte für den Eos. Und wahrscheinlich wird das Modell auch hierzulande ohne Nachfolger still sterben. Zeit für einen wehmütigen Blick zurück.

Denn als der VW Eos 2006 auf den Markt kam, war er ein Star. Das Golf Cabrio gab es zu dieser Zeit nur als Gebrauchtwagen, der New Beetle war das einzige Cabrio der Marke, das man neu kaufen konnte – und das war definitiv ein Auto für den besonderen Geschmack. Außerdem waren offene Wagen mit Stahldach groß in Mode, es wurde Zeit, dass auch VW sich um den Markt bemühte.

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1 von 22Foto: Markus Mechnich
10.03.2014 22:25Wenn E-Autos den Durchbruch wirklich schaffen wollen, dann müssen sie den Golf beherrschen. Und wer könnte das schließlich besser...

Großer, souveräner Auftritt wie sonst nur bei Audi

Und dann kam er. Okay, die glubschigen Scheinwerfer und Rückleuchten waren nicht jedermanns Geschmack, dafür überzeugte der Gebrauchswert: Vier Personen finden Platz in dem auf dem VW Golf V basierenden Stufenheckmodell und etwas Gepäck geht auch noch hinein. Wobei das mit dem Gepäck so eine Sache ist. Denn, ach VW Eos, was wäre das schön, wenn du nicht diese raumgreifende Dachkonstruktion hättest, die sich in geöffnetem Zustand gleich den ganzen Kofferraum krallt. Offen die Wasserkästen wegbringen? Geht nicht. Kurz zu Ikea? Vergiss es. Der VW Eos hat nämlich auch keine umlegbare Rückbank.

Dafür hat er andere Qualitäten. Sei es der große, souveräne Auftritt, den ihm im Volkswagen-Konzern nur noch das Audi-A5-Cabrio streitig machen kann: Dank des längeren Hecks scheint es, als gleite er souverän durch den Stadtverkehr, niemals hektisch, immer diskret. Bloß nicht auffallen, scheint das Motto der Designer gewesen zu sein. Die seit einer Weile bestellbaren schwarzen Aluräder deuten in eine andere Richtung, aber gut, kleinere Fehltritte leistet sich jeder irgendwann.

Es wäre schade um den VW Eos

Nein, den Nerz, lieber VW Eos, den trugst du meist nach innen. Heute wirkt dein wuchtiges Armaturenbrett zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber nach kurzer Gewöhnung ist immer noch alles okay, die Anmutung, die Qualität und auch die Funktion. Dass du in deinem hohen Alter nicht mehr ganz so orientiert bist wie die jüngere Konkurrenz, geschenkt. Die ganzen Assistenzsyteme verwirren ja oft eher, als dass sie helfen. Außerdem hast du ja immerhin eine Einparkhilfe, die wunderbar arbeitet. Und du erkennst von allein, wenn es regnet. Dann schließt man besser schnell das Dach, auf dass dein Innenraum nicht nass werde.

Das wäre schade drum, denn bei VW haben sie sich alle Mühe gegeben, dich ordentlich in die Welt zu schicken: Leder, Sitzheizung, viel Teppich und ein wenig Alu, nichts scheppert oder klappert. Da verzeiht man sogar das etwas altmodische Navigationssystem, das aber immerhin Audio Streaming beherrscht.

Der Motor passt - nicht zum Rasen, sondern zum Cruisen mit aufgedrehter Anlage, die Leistung macht souverän.
Der Motor passt - nicht zum Rasen, sondern zum Cruisen mit aufgedrehter Anlage, die Leistung macht souverän.Foto: Promo

Der Motor macht Eindruck

Wer Eos fährt, der sollte sich allerdings ein bisschen Motorleistung gönnen und sich nicht mit den ganz kleinen Antrieben begnügen: Die Zwei-Liter-Maschine mit ihren 210 PS aus zwei Litern Hubraum nebst Turbolader ist nett. Denn ein Leichtgewicht ist das Cabrio mit seinem stählernen Dach definitiv nicht, es braucht Leistung, um flott in Bewegung zu kommen. In Kombination mit dem automatisierten 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe passt die PS-Dosis perfekt. Nicht zum Rasen, sondern zum Cruisen mit aufgedrehter Anlage, die Leistung macht souverän. Warum will man in diesem Wagen eigentlich immer die Hits der Achtziger hören? Vielleicht, weil Vierzylinder in der Regel nicht von selbst für viel Sound sorgen, will man flott überholen, dann wird es etwas plärrig. Da wäre der seltene V6-Motor mit seinen 250 PS besser, aber der schluckt auch mehr.

Doch gleich, welcher Motor verbaut ist: Die Stunde des Eos kommt immer dann, wenn es am Abend darum geht, Eindruck zu machen. Denn das Schließen des Stahldachs ist immer noch ein Hingucker. Sicher, BMWs 4er oder die Peugeots haben auch solche Dächer, aber wie sich die Blechtafeln sortieren, das hat immer noch etwas von Transformers – auch, wenn es am Anfang Probleme mit Undichtigkeiten gab. Es dauert ein wenig und es funktioniert nur im Stand, aber es ist eher ein nettes Innehalten, wenn der Finger den Schalter berührt und die Magie – klippklappklapp – ihre Wirkung entfaltet. Die zahllosen Dachbauteile entfalten sich mit Präzision und wischen jeden Zweifel an der Konstruktion fort. Und nur wer Eos fährt, der weiß, dass sich das Konzept auch als Schiebedach nutzen lässt, falls ganz offen mal zu offen ist.

Tja, es sieht nicht gut für dich aus, Eos. Du wirkst nicht mehr taufrisch und Marktforscher haben entdeckt, dass sich der Cabriomarkt innerhalb weniger Jahre halbiert hat. SUVs und Hybriden haben dir angeblich den Rang abgelaufen, obwohl ein offenes Dach doch eigentlich ein Wert an sich sein müsste. Die gute Nachricht ist jedenfalls: Noch könnte man einen Eos kaufen. Exakt 29 850 Euro kostet der Einstieg laut Liste. Aber wahrscheinlich wird der Händler mit sich reden lassen.

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