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Cadillac ATS : Vorsicht, scharfe Kante

04.11.2012 14:30 Uhrvon
Die Bayern im Blick. Nach nur wenigen scharf gefahrenen Kilometern auf kurviger Strecke stellen selbst Skeptiker fest: So nah am Dreier-BMW war noch kein Amerikaner.Bild vergrößern
Die Bayern im Blick. Nach nur wenigen scharf gefahrenen Kilometern auf kurviger Strecke stellen selbst Skeptiker fest: So nah am Dreier-BMW war noch kein Amerikaner. - Foto: Hersteller

Ein Cadillac polarisiert mehr als ein Audi A4 oder ein BMW 3er: Wir haben die neue Mittelklasse-Limousine ATS ausprobiert.

Ja, ist denn schon Weihnachten? Mit seinen beiden riesigen LED-Tagfahr-Lichterbäumen wirkt der Cadillac ATS wie ein wenig stilsicher überladener Christbaum. Das Auffallen ist aber so gesichert. Das Selbstbewusstsein der Amerikaner ist unübersehbar: Wir wollen 3, 4 und C herausfordern, heißt es. Damit sind BMW Dreier, Audi A4 und Mercedes C-Klasse gemeint.

Der Herausforderer ist 4,64 Meter lang, kantig, provozierend, polarisierend, aber bei Weitem expressiver als die langweiligen Mainstreammodelle in dieser Businessklasse – ein Hingucker, der anders sein will, um wahrgenommen zu werden. Ist er wirklich fit für den Angriff auf das deutsche Establishment?

Auf jeden Fall ist er der europäischste Ami, der über den großen Teich zu uns kommt. Der ATS ist der erste Cadillac mit einer aufwendigen Fünflenker-Hinterachse; und dieses Auto wurde speziell auf der berüchtigten Nordschleife des Nürburgringes abgestimmt. Das spüren wir, und geben dafür einen dicken Pluspunkt. Mit seiner perfekten Gewichtsbalance von 50 zu 50 sowie der zielgenauen Lenkung verblüfft der ATS mit einer Handlichkeit und sauberem Geradeauslauf noch bei der Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h, was einen freudig überrascht. Das ist nicht weit weg vom anerkannt hohen Niveau eines BMW Dreier. Gratulation. Amis sind eben heutzutage auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Schwammige Kutschen, die auf den schier endlosen Interstates der USA am liebsten nur geradeaus fahren.

Ein untypischer Ami-Motor

Diese neue Agilität wird, weiterer Grund zur Freude, nicht durch unbotmäßige Härte erkauft. Trotz der stattlichen 235/35 R18-Räder federt der Ami dank seiner elektronisch geregelten Magnetic-Ride-Dämpfer, die in Millisekunden bedarfsgerecht reagieren, geschmeidig, wenn auch nicht ganz so elegant wie eine C-Klasse. Im Innenraum geht es auch jenseits von Tempo 200 angenehm leise zu. Und das ist gut so, denn der einzig angebotene Motor ist kein Klangkünstler. Es handelt sich nämlich um einen Vierzylinder-Turbo mit nur zwei Liter Hubraum und Start-Stop-Automatik, dessen Grundkonstruktion von Opel stammt. Ein völlig untypisches Ami-Triebwerk. Es leistet 276 PS bei 5500 Touren und liefert stramme 353 Newtonmeter zwischen 1700 und 5500 Touren ab. Serienmäßig verblockt ist der Reihenvierer mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe, das sich beim schnellen Schalten hakelig gibt. Besser agiert der 2080 Euro teure weich und schnell schaltende Sechsgang-Wandlerautomat, mit dem der ATS sogar 0,2 Liter sparsamer unterwegs sein soll. 8,2 statt 8,4 Liter nennt Cadillac.

Doch diese Werte sind Makulatur. Unter zehn Litern lässt sich dieser Caddi nur mit Mühe bewegen; elf Liter dagegen erreicht man häufiger, als einem lieb ist. Da sind die deutschen Benziner in dieser Leistungsklasse wesentlich effizienter. Ein BMW 320i mit nur 184 PS ist gerade mal fünf km/h langsamer als dieser Caddi, verbraucht aber gut zwei Liter weniger als er. Auch beim Platzangebot muss der Ami BMW Dreier, Audi A4 und Mercedes C-Klasse den Vortritt lassen. In der ersten Reihe ist alles im grünen Bereich, in der zweiten allerdings haben 1,80-Meter-Leute keinen Spaß: zu wenig Kopf- und Kniefreiheit. Und der zerklüftete Kofferraum bietet mit seinen 381 Liter Volumen gerade mal so viel wie ein rund 40 Zentimeter kürzerer VW Golf und gut 100 Liter weniger als 3, 4 und C.

Selbstbewusste Preise

Mit seinem Innenraum muss sich der Cadillac ATS nicht verstecken.Bild vergrößern
Mit seinem Innenraum muss sich der Cadillac ATS nicht verstecken. - Foto: Hersteller

Auf Augenhöhe befindet sich der Cadillac dagegen bei der Qualität des Innenraums; Materialauswahl und Verarbeitung fallen nicht ab gegenüber den deutschen Premiumkonkurrenten, wenn auch der Audi hier alle anderen überragt. Das 1785 Euro teure CUE-Infotainmentsystem, das sich wie ein iPhone per Tast- und Wischbewegungen bedienen lässt, ist mal was anderes, aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Zu den Preisen. Die sind ebenfalls selbstbewusst: Ab 37 500 Euro geht es los für einen Handschalter mit Heckantrieb. Auf dem Niveau eines BMW 328i. Und die Liste endet bei heftigen 50 970 Euro für das Topmodell Premium mit Allradantrieb, Automatik und üppiger Ausstattung. Bestellt werden kann ab sofort. Doch unterm Strich bleibt die nüchterne Feststellung: So reicht es noch nicht. Nur sechs Händler in ganz Deutschland; in Hamburg und Berlin ist Cadillac gar nicht vertreten. Ein Dieselmotor, unverzichtbar in dieser Businessklasse, fehlt. Er soll später kommen. Wann, kann oder will Cadillac nicht sagen. So wird der ATS im Reich der Dreier, C-Klassen und Audi A4 wohl der Exot und auf Distanz zu den Deutschen bleiben. Übrigens: In den USA kostet der kleinste Cadillac, allerdings mit einem 2,5-Liter-Sauger, umgerechnet nur gut 26 000 Euro.

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