Caravan-Salon in Düsseldorf : Home, sweet home

Die Caravaningbranche schreibt erneut ein Rekordjahr und feiert beim Caravan-Salon in Düsseldorf. Jüngere fahren mit dem Wohnwagen, Ältere lieber mit Reisemobil. Leichtbau und Vernetzung sind die Zukunft. Der Alkoven stirbt hingegen aus.

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Reisen, wie es beliebt. Luxusmodelle wie der Starline von Hymer verkaufen sich immer.
Reisen, wie es beliebt. Luxusmodelle wie der Starline von Hymer verkaufen sich immer.Foto: Promo

Meist schon in Rente, gut oder besser situiert und mit viel Freizeit gesegnet, so definiert sich der typische Kunde für die Branche von Freizeitfahrzeugen, die noch bis Sonntag ihre Produkte auf Europas größter Messe für Reisemobile und Caravans in Düsseldorf zeigt. So erklärt sich vielleicht auch der Boom, den Caravan, Wohnmobil und Co. in den letzten Jahren erleben. Im ersten Halbjahr 2014 wuchs der Umsatz der Branche um 3,1 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro. „Ältere Menschen haben mehr und nehmen sich auch mehr Zeit für Reisen“, erklärt Christelle Beaulieu vom Caravaning Industrie Verband Deutschland. Zuträglich ist dem Trend auch, dass die Deutschen immer öfter im eigenen Land Urlaub machen möchten. „Ein großer Teil der Caravan-Freunde bleibt in Deutschland“, bestätigt Beaulieu.

Caravan ist dabei als Überbegriff allerdings denkbar ungenau, denn die Spannbreite an Fahrzeugen und Preisklassen ist im Campingbereich ausgesprochen groß. Der Einstieg beginnt mit Wohnwagen, die sich in der Preisklasse ab 10 000 Euro aufwärts bewegen. Das Gros der Wohnanhänger hingegen findet sich eher oberhalb der 20 000er-Marke wieder. Bei den Reisemobilen beginnt die Preisspanne im unteren Bereich bei rund 40 000 Euro. Die Mittelklasse startet bei 60 000 und ab 80 000 Euro wird es richtig luxuriös. Egal ob Wohnmobil oder Wohnwagen, nach oben gibt es keine Grenzen. Die Preisdifferenzen zwischen den beiden Gattungen zeigen auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Zielgruppen auf. „Jüngere Kunden und vor allem Familien greifen eher zum Caravan wegen des günstigeren Preises. Ältere Kunden kaufen verstärkt Reisemobile“, sagt CIVD-Sprecherin Beaulieu.

Für Feinschmecker: An der Küche wird nicht gespart.
Für Feinschmecker: An der Küche wird nicht gespart.Foto: Promo

Großraumvans profitieren vom Trend

Das belegen auch zwei Trends, die auf dem Caravan-Salon sichtbar sind. Die hoch gebauten Alkoven-Wohnmobile mit ihren zusätzlichen Betten über dem Fahrerhaus sterben langsam aus. Selbst große Hersteller wie Bürstner, Knaus, Dethleffs oder Hymer haben nur noch einzelne Modelle im Programm. Der Marktanteil ist von 49,4 Prozent im Jahr 1999 auf magere sieben Prozent im letzten Jahr zusammengeschmolzen. Da die Kundschaft nur noch selten die eigenen Kinder dabeihat, liegen Wohnmobile mit zwei Schlafplätzen im Fond im Trend.

Fahren die Enkel dann doch mal mit, dann genügen meist die schnell umgebauten Zusatzbetten der Sitzgruppe. Im Heck der Teil- oder Vollintegrierten wird es dafür umso luxuröser. Duschkabine und Toiletten sind in getrennten Räumen untergebracht, die Schlafkabine dahinter beherbergt, je nach Gusto, entweder ein großes Doppelbett oder zwei Einzelbetten. Solche Arrangements sind typisch für die Teilintegrierten, die auf einem herkömmlichen Chassis aufbauen, oder die etwas teureren vollintegrierten Reisemobile. Hier verschwindet das zugelieferte Chassis, Fiat hat einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent, komplett unter dem Aufbau. Die Teilintegrierten liegen mittlerweile bei 36,4 Prozent (1999: 9,4 Prozent), die Vollintegrierten halten sich relativ konstant bei 20,5 Prozent (1999: 20,7 Prozent).

Witzige Idee: der Wohnwagen im Bulli-Design von Dub Box.
Witzige Idee: der Wohnwagen im Bulli-Design von Dub Box.Foto: Promo

Profitieren vom Niedergang der Alkoven-Modelle können auch die auf Freizeitnutzen umgebauten Großraum-Vans. Stellvertretend hierfür stehen vor allem der T5 California von Volkswagen oder der Marco Polo von Mercedes. Marktführer ist aber der preislich deutlich attraktiver positionierte Nugget von Ford. Sie bieten in der Regel eine kleine Küche an Bord, zwei bis vier Schlafgelegenheiten und ausreichend Platz für die kleine Familie. Mit ihren kompakten Abmessungen zeichnen sie sich auch als alltagstaugliche Gefährten aus. Insgesamt stellen die Reisemobile mit 1,512 Milliarden den Löwenanteil des Neufahrzeugmarktes.

Immer stärkere Vernetzung

Einsteiger und junge Familien will die Branche aber vor allem mit den deutlich günstigeren Caravans locken. Und das nicht ohne Erfolg, wie das Plus von 11,1 Prozent beim Umsatz (333 Millionen Euro) zeigt. Allerdings erlebte das Segment im Vorjahr durch den langen Winter ein rabenschwarzes erstes Halbjahr.

Der Knaus Travelino ist mit 650 Kilo das Leichtgewicht der Branche.
Der Knaus Travelino ist mit 650 Kilo das Leichtgewicht der Branche.Foto: Promo

Was gibt es sonst noch an Trends in Düsseldorf? Schon immer in Atem hält die Branche das Thema Leichtbau. Bei den Aufbauten hat sich glasfaserverstärkter Kunststoff als Material flächendeckend durchgesetzt. Das Material ist sozusagen das Karbon der Branche, der Werkstoff der Zukunft. Aber auch komplett holzfreie Innenausbauten finden sich auf der Messe. Das Thema auf die Spitze treibt der Travelino von Knaus, der nur 650 Kilogramm wiegt und sogar von Kleinwagen gezogen werden kann.

Daneben zeigen sich die rollenden Zuhause auch immer stärker vernetzt. Von der Klimaanlage bis zur Beleuchtung kann mittlerweile vieles via W-Lan vom Smartphone oder Tablet gesteuert werden. Und schließlich zeigen sich die Baureihen immer flexibler. Verschiedendste Grundrisse, Dekors, Teppiche und Paneele stellen den Kunden vor die Qual der Wahl. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Vom Mini-Wohnwagen bis zum Super-Luxus-Wohnmobil mit 18 Tonnen und eigenem ausfahrbaren Parkplatz kann die Branche fast jeden Wunsch erfüllen. Da benötigen die Kunden nicht nur Zeit für den Urlaub, sondern auch Zeit, um das richtige Wohnmobil zu finden.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
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