Caravaning : Beim Camping kalt erwischt

Manche Familien können es auch im Winter nicht lassen – wie die Häussers, die in Thüringen campieren.

Mathias Jekosch
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Verkehrte Welt. Alle jammern über den harten Winter und die endlose Kälte. Nur die Häussers nicht. Die campen weiter. Foto: ddp

Vor wenigen Minuten noch stand hier ein Bett. Jetzt hat Familie Häusser mit wenigen Handgriffen eine Sitzecke und einen Tisch daraus gemacht. Frühstück mit Wurst, Käse und Nutella.

Heinz und seine Frau Britt sitzen noch am Tisch, Tochter Johanna rüstet sich schon für die Skipiste. Im Wohnwagen ist es warm, ein Raumduft verströmt Vanillearoma. Leben auf engstem Raum, darin sind die Häussers schon routiniert – auch im Winter. „Gefroren haben wir noch nicht“, sagt Britt Häusser. Die Häussers sind Dauercamper. Den Wohnwagen haben sie seit Oktober auf dem Campingplatz „Meyersgrund“ im thüringischen Manebach stehen. Wenn die Zeit es zulässt, kommen sie an jedem freien Wochenende aus Altenburg her.

Draußen liegt der Schnee zentimeterhoch. Skisportler stapfen in ihren Anzügen zur nächsten Loipe. Die Wintersportmöglichkeiten sind mit ein Grund, warum die Häussers hier sind. Aber im Winter im Wohnwagen übernachten? Es sei eben vieles eine Organisationssache, sagt Britt Häusser.

Der Nachbar etwa hat einen Schlüssel. So kann er den Wohnwagen schon mal vorheizen, bevor die Häussers kommen. Eine Gasflasche zum Heizen halte etwa vier bis fünf Tage. Also muss die Familie darauf achten, genug dabeizuhaben. „Wenn die in der Nacht ausgeht, dann muss der Mann halt mal raus und wechseln“, sagt Britt Häusser mit einem Seitenblick zu ihrem Mann. Mit der Zeit sammeln sich auch die Erfahrungen. So lässt die Familie die Schranktüren im Wohnmobil immer ein Stück offen. „Damit die Wärme auch zu den Sachen darin kommt“, sagt Britt Häusser.

So wie die Häussers übernachten viele Winterurlauber auf dem Campingplatz. In Thüringen haben sich die Plätze in Großbreitenbach, in Oberhof und in Manebach auf das Wintergeschäft spezialisiert, wie der Vorsitzende des Verbandes der Campingwirtschaft in Thüringen, Reinhard Schniz, sagt. Sie profitieren alle von ihrer Lage in der Nähe zu Skigebieten. Schnee sei im Winter sicher, und die Loipen seien schnell zu erreichen.

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EingeschneitFoto: ddp


Nahe bei „Meyersgrund“ befinden sich die Skigebiete Schmücke und Stützerbach, und auch Oberhof ist nicht allzu weit weg. Für den Campingplatzinhaber Toralf Kühlmann ein gutes Geschäft: Etwa 25 Prozent seiner Umsätze mache er im Winter, schätzt er. Gerade zu Weihnachten, Silvester und in den Winterferien sei der Platz voll.

Vor allem das Geschäft mit den Bungalows, die er anbietet, gehe dann gut. Dafür muss er aber auch Service bieten: Die Gaststätte bleibt im Winter in Betrieb, die Zufahrt wird geräumt, ein Platzwart ist rund um die Uhr ansprechbar.

Kühlmann hat den Platz erst 2009 übernommen. Zum Inventar gehörten da gewissermaßen Dieter und Elisabeth Biesgen. Das Ehepaar kommt bereits seit 1995 nach „Meyersgrund“. „Im Winter gefällt es mir hier besser als im Sommer“, sagt Dieter Biesgen. Die Luft sei frischer und der Urlaub erholsamer. „Wir brauchen Natur“, ergänzt seine Frau. Sie gießen sich noch einen Schluck Kaffee ein, Elisabeth Biesgen holt einen Ordner, der beinahe überquillt. Hier bewahren die Biesgens Erinnerungen an ihre Campingurlaube auf. Frankreich, Dänemark, Schweden – die Liste ließe sich lange fortsetzen. „Aber hier ist unser Stammplatz“, versichert Dieter Biesgen.Für sie ist Campen eine Lebenseinstellung. Sie mögen die Freiheit.

„Ich kann mir meinen Tag alleine gestalten. Ich habe mein Bett, mein Geschirr und kann kochen, was mir schmeckt“, sagt Elisabeth Biesgen. Die Lebenseinstellung kommt ihnen auch im Winter zugute. In „Meyersgrund“ hätten sie Silvester schon einmal bei minus 25 Grad draußen gefeiert. „Da hat keiner gesagt: Ich geh wieder rein“, erzählt Dieter Biesgen. „Wenn man Camper ist, kommt man mit jedem Wetter klar.“ ddp

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