Chevrolet : Alles außer teuer

Chevrolet Deutschland setzt trotz Insolvenz der Mutter GM Zeichen – mit dem günstigen Cruze.

Eric Metzler
Cruze
Europäischer US-Asiate. Der Cruze wird für Chevy in Korea gebaut - aber nach europäischen Maßstäben. Das Modell steht seit Mitte...Foto: promo

Kurzum und vorweg: Der Cruze überrascht. Für 14 990 Euro bekommen kleine Familien eine Limousine, mit der man wenig falsch macht – jedenfalls, wenn man keinen Wert auf besonders spritzige Motioren legt. Auch sollte man damit leben können, dass Chevrolet das Kind einer insolventen Mutter ist. Angst muss das Käufern derzeit nicht machen, verspricht GM Europe: Die europäischen Töchter sind vom Verfahren in den USA zunächst unberührt. Das Geschäft mit Neuwagen und Service läuft weiter wie gehabt – was für Chevy im einzelnen und auf Dauer dabei herauskommt, wird man im Zuge der amerikanischen GM-Sanierung sehen.

Zurück zum Auto. Der Cruze sieht viel, viel besser aus als der verunglückte Nubira, der auch schon in Korea gebaut wurde. Böser Blick, geteilter Grill, ansteigende Seitenlinie, stämmiges Heck; das Ganze ergibt ein stämmiges Bild. Im Inneren erkennt man die (bisherige) Verwandtschaft zu Opel: Lenkrad und Mittelkonsole sind im Stile des Insignia gezeichnet. Die Verarbeitung stimmt; das kratzempfindliche Hartplastik ist immerhin so gefällig genarbt, dass es nicht abschreckt. Ab der Ausstattungsstufe LS sind Teile des Armaturenträgers mit Stoff bezogen – unter Kompakten eine seltene Art der Aufwertung. Die Sitze vorne sind uns auf den ersten Kilometern angenehm aufgefallen. Mittelgroße sitzen hinten bequem. Der Kofferraum schluckt 100 Liter mehr als ein Golf. Getrübt wird die Freude durch offen montierte Metallbügel, die sich beim Schließen in den Einkaufskorb drücken.

Die größte Stärke des Chevy ist zweifellos das straff ausgelegte Fahrwerk. In Kombination mit der direkten Lenkung machen enge Kurven richtig Spaß. Beim Slalom um die Pylonen bricht der Cruze erst spät aus. Wer auf den nächsten Astra schielt, der von den Rüsselsheimern für Herbst avisiert ist, bekommt hier einen positiven Vorgeschmack. Die beiden stehen auf derselben Plattform – und daran wird sich unter Magna nichts ändern.

Einen müden Eindruck machen die beiden Euro-5-Motoren: Der Basis-1.6er mit seinen 113 PS ist extrem anfahrschwach; Überholmanöver wollen da sorgfältig geplant sein. Der 1.8er ist zwar agiler, fühlt sich aber doch lahmer an, als es die Werte im Datenblatt vermuten lassen (141 PS, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 10 Sekunden). Bemerkenswert: Mit knapp sieben Litern schluckt die größere Maschine nicht mehr Sprit als die kleine. Fahrtechnisch ist der 1.8er auf alle Fälle die bessere Wahl. Faktisch entscheidet allein das Budget. 4000 Euro mehr sind ein happiger Aufschlag (wofür man dann allerdings auch eine bessere Ausstattung bekommt). Eine klare Empfehlung geben wir fürs Getriebe: Hände weg von der 1600 Euro teuren Sechsgang-Automatik! Die jault gelegentlich los und schaltet zuweilen dann, wenn es einem so gar nicht in den Kram und auf die Strecke passt.

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