Citroen C4 : Jetzt steuern sie um, die Franzosen

Der neue Citroen C4 bietet weniger Firlefanz, aber besseren Komfort als der Vorgänger – damit rückt er trotz kleiner Schwächen näher an den Golf heran.

Rainer Friedrich
Die Sparausgabe eHDi 110 Airdream kommt im April – mit einem 109-PS-Diesel, der nur 109 Gramm CO2 emittieren soll (Verbrauch 4,2 Liter Diesel). Er kostet mindestens 22 350 Euro, ein Aufschlag von 6400 Euro zum Basismodell mit 95-PS-Benziner. Der Airdream wird nur mit dem automatisierten Schaltgetriebe EGS6 geliefert; er ist der einzige Citroen mit einem Start-Stopp-System. Es funktioniert hervorragend, und es hat eine Besonderheit: der Diesel geht bereits dann aus, wenn das Auto beim Heranrollen an eine Ampel langsamer als 10 km/h rollt. So unmerklich und elegant, wie der Diesel abgeschaltet wird, geht er beim Lösen der Bremse auch wieder an. Das ist klasse, anders als das automatisierte Schaltgetriebe. Jeden Gangwechsel bestätigen die Passagiere mit einem Kopfnicken. Übel, das das Topmodell THP 155 Exclusive mit 156-PS-Turbobenziner (ab 24 100 Euro) ausschließlich damit zu haben ist.
Die Sparausgabe eHDi 110 Airdream kommt im April – mit einem 109-PS-Diesel, der nur 109 Gramm CO2 emittieren soll (Verbrauch 4,2...

Die Überraschung kommt beim Öffnen der Tür: So edel kam bislang noch kein Citroen daher! Da kann sich selbst ein C5 nicht mehr groß abheben, und der hat ja für seinen hochwertigen Innenraum bereits allerorten Lob eingeheimst. Dieser C4 trägt seinen Nerz nach innen und nimmt einen sofort für sich ein: die weich hinterschäumten Kunststoffe schmeicheln der Hand. Sogar die Schalter der Fensterheber sind mit Softlack überzogen. Die Verarbeitung ist auf Golf-Niveau. Dass es die erstmals in dieser Fahrzeugklasse angebotenen Massagesitze nur für die Topversion Exclusive gibt, ist nachvollziehbar; unverständlich dagegen die Entscheidung, so wichtige Sicherheitsdetails wie Toter-Winkel-Assistent, mitlenkende Bi-Xenonscheinwerfer und Spurhalteassistent ebenfalls dem Topmodell vorzubehalten – im Paket für günstige 1300 Euro.

Das Cockpit wirkt nicht mehr so verspielt wie früher. Es überzeugt mit einer gediegenen Ernsthaftigkeit, die sich übersichtlicher präsentiert als im Vorgänger. Citroen hat nämlich kräftig ausgemistet. Motto: Weg mit extravaganten Spielereien, her mit praktischen Dingen. So gibt es keine feststehende Lenkradnabe mehr, die viele Neukunden irritierte. Nebeneffekt: 3,5 Kilogramm Gewichtsersparnis. Es fehlt auch der Parfümspender. Doch wer vermisst ihn schon? Die digitalen Anzeigen sind klassischen Rundinstrumenten gewichen, die – wenigstens etwas soll übrig bleiben von früheren Extravaganzen – in vier wählbaren Farben leuchten. Besser jedoch wäre gewesen, die kleine Anzeigenadel im Tacho so zu gestalten, dass sie wirklich gut abzulesen ist. Sei’s drum, es gibt ja andere Positiva: Nun lassen sich die Sitze wie beim Golf stufenlos per Rändelrad verstellen, und Ablagen (sogar für große Flaschen) hat der Franzose mehr zu bieten als der Deutsche.

Der C4 ist leicht gewachsen, gehört mit seinen 4,33 Metern zu den größeren Kompakten. Doch die Raumausnutzung ist viel besser geraten als beim neun Zentimeter längeren Opel Astra. Der C4-Kofferraum ist der größte in der Kompaktklasse: 408 Liter; das sind 58 mehr als beim Golf und 38 mehr als beim Opel. Nachgedacht: Die Kofferraumleuchte ist eine herausnehmbare Lampe. Das Glück wäre perfekt, wenn nach dem Umlegen der Rücksitzlehne nicht so eine störende Stufe bliebe. Im Innenraum herrschen sehr gute Platzverhältnisse. Dank des flach bauenden Cockpits ist die Motorhaube gut einzusehen. Die gegenläufigen Scheibenwischer halten den größten Teil der XXL-Frontscheibe frei.

Der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger wird am deutlichsten beim Komfort. Citroen hat seine Kernkompetenz aus alten Tagen wiederentdeckt. Federt das aktuelle Modell noch unfranzösisch harsch, so schwebt der neue C4 wie seinerzeit die göttliche DS. Nur eben auf moderne Art, ohne abenteuerliche Seitenneigung, ausreichend straff und mit präzisem Geradeauslauf. Beim Federn ist der C4 eine Klasse besser als die meisten Kompakten.

Lob verdient er sich auch für seinen guten Geräuschkomfort; gestört lediglich durch das harte Abrollen der montierten 17-Zoll-Räder. Zum eleganten Charakter des Franzosen passt der von uns gefahrene Top-Diesel mit 150 PS und exaktem Sechsgang-Schaltgetriebe (ab 23 150 Euro). Kräftig, leise, sparsam.

Citroen wandelt bei seiner Modellpolitik leider auf den Spuren deutscher Premiumanbieter: Zum Marktstart vor einigen Wochen gab es zunächst nur die teuren Modelle. Das 15 950 Euro teure Basismodell VTi 95 Attraction mit 95-PS-Benziner und dank ordentlicher Ausstattung sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis (ESP, sechs Airbags, Klimaanlage inklusive gekühltem Handschuhfach, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Berganfahrhilfe, aber ohne Radio) startet erst April 2011 – genauso wie das Sparmodell (siehe Text neben dem Foto).

PS. Wer unbedingt mit seinem C4 spielen will, kann dies nach wie vor tun – allerdings nur im Topmodell: Es gibt jeweils vier Töne für Blinker und das Warnsignal für nicht angeschnallte Personen. Bei uns klingt der Blinker wie eine Rumbatrommel, und das Gurtwarnsignal wie ein Wecker. Wer so was mag, findet vielleicht einen Ton, der andere nicht nervt.

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