Citroen C5 : Raus aus der Nische

Mit dem neuen C5 will Citroen für Flottenkunden interessant werden – aber natürlich nicht nur.

Stefan Robert Weißenborn
Citroen C5
Der Citroen C5 als Limousine und Kombi. -Foto: Promo

Mit genügend Sarkasmus könnte behauptet werden: Jetzt, da die Franzosen ihre Mittelklasse bald auch in China produzieren werden, geben sie uns schon einmal einen Vorgeschmack dazu, was es heißt, sich von anderen inspirieren zu lassen. So schlimm ist die Sache zwar nicht. Der Scherz aber ist trotzdem legitim: Denn erstens wird der C5 außer im angestammten Rennes auch im neuen PSA-Werk im chinesischen Wuhan gebaut, sobald dies errichtet ist. Und zweitens drängt sich bei einem frontalen Blick auf die Heckpartie des kommenden Citroen C5 ein Vergleich auf: Die sieht ja aus wie ein A4. Während die Rückleuchten der Limousine tatsächlich stark an den Ingolstädter erinnern, schaut sich der Rest der Karosse Citroen-typisch an: Ähnlichkeiten zum großen Bruder C6 wie zum kleinen C4 sind unverkennbar, vor allem beim Mienenspiel. Die Scheinwerfer umformen die Ecken, der Citroen-Doppelwinkel als Markenlogo integriert sich in die dicken Chromleisten, die sich über die Breite des Gesichts ziehen – ganz so, wie beim auf der IAA vorgestellten C5 Airscape-Prototyp. Die Franzosen sehen das ein bisschen anders: Sie sind der Überzeugung, dass mit dem Neuling ein ganz neues Zeitalter anbricht. Aber PR-Sprache hin oder her, eines ist klar: Der C5 macht optisch was her, ist dynamischer geworden, woran die über die ganze Länge verlaufende Bügelfalte keinen geringen Anteil hat. „Irgendwie egal“ konnte man sich dagegen in punkto Ästhetik beim Vorgänger denken. „Das Opa-Auto ist passé“, stimmt Produktchef Vincent Besson ein.

Neue Marktanteile will Citroen ergattern. Da fragt sich, mit welchen Argumenten? Punkt 1: Der Wagen ist ansprechender geworden, obwohl von einem „wagemutigen Styling“, wie es Chef-Designer Jean Pierre Ploué ab sofort für alle Neukreationen ausmacht, die Rede nicht wirklich sein kann. Gegen seine Konkurrenten VW Passat, Ford Mondeo, Renault Laguna oder Audi A4 kann der C5 aber guten Gewissens antreten. Punkt 2: Der Kunde kann erstmalig zwischen dem klassischen Citroen-Fahrwerks-Feature schlechthin, der hydropneumatischen Federung, und einer Stahlfederung wählen, wie sie alle anderen auch haben. Damit zielen es die Franzosen angesichts des dümpelnden PKW-Privatmarktes auf die Flottenkunden ab, da die das kostengünstigere und irgendwie vertrautere konventionelle Fahrwerk nach Citroen-Erkenntnissen bevorzugen. „Der alte entsprach nicht den Wünschen der Flotten- und Dienstwagenkunden“, sagt Besson. 60 Prozent der Neuwagen werden in Deutschland fortan in „Profihände“ fallen, falls die ehrgeizigen Pläne des Herstellers aufgehen. Der Anteil beim alten lag deutlich niedriger.

Zusammen mit den Privatverkäufen soll sich der Gesamtabsatz bei 150 000 Stück pro Jahr einpendeln. Das schaffte der Vorgänger nur im besten Verkaufsjahr. Folgerichtig steht zur Markteinführung der Limousine im kommenden März bereits die komplette Motorenpalette der Vier- und Sechszylinderaggregate zur Verfügung. Gewählt werden kann unter drei Benzin- und vier Dieseltriebwerken, die mit Leistungen zwischen 110 und 215 PS für die Kraftübertragung sorgen. Die Selbstzünder sind Franzosen-like serienmäßig mit Partikelfilter ausgerüstet. Die umweltschonende Start/Stop-Technik kann zunächst nicht geordert werden. Innovativ im ansonsten klassisch gehaltenen Innenraum ist das dem Fahrer zugewinkelte Cockpit. Ein Platzgewinn wurde durch den leicht gestreckten Radstand und ein Plus von gut sechs Zentimetern in der Breite erzielt. Zu welchem Preis das alles? Dazu gibt es noch keine Auskunft aus Paris. Wesentlich mehr als die 22 450 Euro des Vorgängers dürfte für das Basismodell im Gedränge des Segments allerdings nicht drin sein.

Um etwas Geduld bittet Citroen auch die Kombi-Kunden. Gerüchten zufolge soll der C5 Break im April folgen, in jedem Fall im ersten Halbjahr 2008, heißt es. Mit rund 560 Litern Ladevolumen bis zur Höhe der Kofferraumabdeckung wird er sich dem Ladewunder Passat Variant (603 Liter) beugen müssen, den Mondeo Turnier (540) jedoch toppen. Bei der Sicherheitstechnik gehen die Franzosen auf Nummer Sicher und orientieren sich ebenfalls an dem, was geht: ESP, ABS und Notbremsassistent sind serienmäßig an Bord, wie auch sieben Airbags. Im Groben ist das nicht weniger aber auch nicht mehr als bei der europäischen Konkurrenz.

In China hingegen, wo der Wagen ebenfalls Käufer finden soll, ergibt sich ein anderes Bild. Die Marktdurchdringung mit westlichen Fabrikaten ist dort längst nicht abgeschlossen. Im Reich der Mitte sehen die Strategen neben Europa das größte Potenzial. „Wir brauchen eine Präsenz in Asien“, heißt es bei Citroen. So hat die Fertigung des C5 in China doch noch einen handfesten Grund.

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