Citroën DS4 : Ein Auto für designbewusste Hipster

Flotte Linie, ein wenig edel, ein Schuss Individualität – damit wirbt der Citroën DS4 in Deutschland um neue Liebhaber für französisches Design.

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Gib mir die Stadt. Eine gute Figur im Straßenverkehr macht der DS4 mit knappen Abmessungen und kleinem Wendekreis. Foto: Promo
Gib mir die Stadt. Eine gute Figur im Straßenverkehr macht der DS4 mit knappen Abmessungen und kleinem Wendekreis.Foto: Promo

Der hebt sich ab. Der nahezu bullig wirkenden Front mit markanten Scheinwerfern folgt eine unkonventionelle Linienführung, schwungvoll übers Dach zum kräftigen Heck. Die haben sich was gedacht, die Franzosen. Muss man auch, wenn man mit dem Citroën DS4 nicht nur an göttliche Vorgängerinnen längst vergangener Zeiten erinnern möchte, sondern auch noch der etablierten Konkurrenz ein wenig Gelände wegnehmen möchte. Und der DS4 soll immerhin gegen VW Golf, BMW 1er oder Audi A3 antreten. Ein wenig extravagant muss man da schon daherkommen. Und so gibt es eine Menge Chromleisten an den Fenstern und den Seiten, was dem Wagen einen hochwertigen Eindruck verleiht.

Dies Streben, sich abzuheben, setzt sich durchaus innen fort. Am Anfang aber steht ein Suchspiel. Citroën hat die Griffe der hinteren Türen so geschickt fast unterm Dach versteckt, dass man Mühe hat, sie zu finden. Ein Versehen ist das nicht, sondern soll den Wagen, der eigentlich eine Limousine ist, als zweitüriges Coupé erscheinen lassen. Französische Designzauberei also. Ein Auto, dass die Charaktere mischt und Ansprüche auf ein Mittelklasse-Feeling anmeldet. Der ebenfalls angebotene DS 4 Crossback mit SUV-Touch kommt etwas rustikaler daher, unterscheidet sich aber hauptsächlich durch eine um drei Zentimeter größere Bodenfreiheit, Radhaus-Verbreitungen, schwarze Felgen und Dachreling.

Kann ein Wagen schlecht sein, der noch einen schlichten CD-Player in der Grundausstattung hat, damit man seine alten Lieblingsscheiben hören kann, ohne sie digitalisieren zu müssen? Eben! Der Ende 2015 auf den Markt gekommene DS4 hat daneben natürlich alle heute üblichen elektronischen Vernetzungsmöglichkeiten. Viele Funktionen lassen sich über den Touchscreen regeln, bis hin zu individuellen Klingeltönen. Blöd nur, dass nicht auch beim Blinker das enervierende Tock-Tock von Günter Jauchs Sekundenzähleruhr geändert werden kann! Im Ergebnis hat die Delegation der Funktionen auf den Touchscreen aber eine erfreulich geringe Zahl von Knöpfen zur Folge.

Keine Familienkutsche

Bei der Innenausstattung zeigt Citroën, was französisches Design alles kann. Die erstklassigen Sitze mit Massagefunktion finden sich in einem sehr ansprechenden Innenraum; beim zwei Wochen gefahrenen Testfahrzeug mit hervorragend verarbeiteten Nähten der Semi-Anilin-Lederausstattung. Eine gute Idee ist die weit nach hinten gezogene Panoramascheibe, die ein wenig die Illusion des offenen Himmels erzeugt. Die schönen, klassischen Rundinstrumente sind freilich etwas anfällig gegen Sonnenlichteinstrahlung, selbst bei der höchsten Helligkeitsstufe des gewählten sphärischen Blaulichts. Das kann misslich sein, weil man dann nicht mehr sieht, wie schnell man fährt.

Unzweifelhaft aber ist der DS4 trotz seiner vier Türen keine Familienkutsche, sondern mehr was für den designbewussten Hipster, der was anderes fahren möchte als alle Nachbarn. Denn den Preis für viel Raum in der ersten Reihe zahlen die Heckpassagiere. Die schwungvolle Dachführung hat ihre Kehrseite; wer größer als 1,80 Meter ist, muss den Kopf einziehen. Der Türausschnitt ist außerdem so schmal ausgefallen, dass sich selbst schlanke Menschen aus dem Fonds herauswinden müssen. Und Fensterheber sucht man ebenfalls vergebens – die hinteren Fenster lassen sind nicht öffnen. Normalgröße aber hat dafür der Kofferraum mit etwa 370 Liter Fassungsgröße.

In der Stadt fühlt man sich mit dem 4,28 Meter langen Wagen genau richtig; wendig und mit stadtgemäß kleinem Wendekreis. Extrem hilfreich ist angesichts des etwas unübersichtlichen Hecks freilich die als Extra angebotene Rückfahrkamera, die das Einparken deutlich erleichtert. Serienmäßig gibt es das schlüssellose Startsystem per Knopfdruck und die im Stadtverkehr sinnvolle und spritsparende Start-Stopp-Automatik. So nützlich der Spurhalteassistent und der Toter-Winkel-Sensor auch sind – die Konkurrenz hat da inzwischen deutlich mehr Assistenzsysteme zu bieten. Gewöhnungsbedürftig ist, dass der optionale Spurhalteassistent seine Warnungen per Po-Sensor über die Sitzfläche mitteilt. Dann vibriert es mal links oder rechts unterm Gesäß. Beim ersten Mal, wenn man auf der Autobahn über die Spurmarkierungen fährt, schreckt man garantiert zusammen.

Nicht nur ein Stadtwagen

Sieben Motoren von 120 bis 210 PS stehen zur Verfügung – vier Diesel, drei Benziner. Ein Automatikgetriebe gibt es verwirrenderweise nur für den 165-PS-Benziner oder die Diesel mit 120 und 180 PS. Wer gern selber schalten mag, den wird das sehr geschmeidige sechsgängige Schaltgetriebe überzeugen. Wer möchte, kann zumindest beim THP 210 mit 210 PS Leistung einen durchaus sonoren Klang genießen – vor allem wenn man die Gänge etwas länger ausfährt, als die Anzeige am Rund-Instrument empfiehlt. Zusammen mit der straffen Lenkung und der strammen Federung bietet der DS4 ein angenehm direktes Fahrgefühl. Auf der Autobahn beweist der DS4 mit beachtlicher Beschleunigung und guter Straßenlage, die Huppel klaglos wegschluckt, dass er nicht nur ein Stadtwagen ist. Als Verbrauch gibt Citroën für die kleinste Version 3,7 bis 4,3 Liter auf 100 Kilometer an; das größte Triebwerk ist freilich deutlich durstiger.

Das hat seinen Preis. Das Grundmodell ist für 23.990 Euro zu haben. Beim gefahrenen THP 210 Hatchback liegt er schon bei 28.000 Euro. Wer das Zusatzpaket mit Xenon-Full-LED-Scheinwerfern, Rückfahrkamera und schlüsselloser Öffnung haben will, legt 2999 Euro drauf; und für die Lederausstattung noch einmal 3940 Euro. So kommt der DS4 schnell bei 34.000 Euro an. Eine Menge Geld, wenn man die Konkurrenz der Kompaktwagen-Klasse betrachtet. Individualität muss einem da schon einiges wert sein.

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