CLS Shooting Brake von Mercedes : Reine Formsache

Irgendwo findet die Auto-Industrie immer eine Lücke. Besonders beliebt derzeit ist das Mischen von Karosserie-Formen. Gewöhnen wir uns an den Begriff „Shooting Brake“: Mercedes macht aus dem Coupé CLS einen Kombi.

Peter Eck
In der Verlängerung: Mercedes zeigt mit dem CLS Shooting Brake die Kombination zwischen Coupé und Kombi.
In der Verlängerung: Mercedes zeigt mit dem CLS Shooting Brake die Kombination zwischen Coupé und Kombi.Foto: Hersteller

So langsam sollte man meinen, dass die Automobilindustrie jeden denkbaren Mix aus unterschiedlichen Karosserievarianten durchdekliniert hat. Denkste: Mit dem CLS Shooting Brake bringt Mercedes in drei Wochen ein Fahrzeug auf den Markt, das die Vorzüge eines Coupés mit denen eines Kombis verbinden soll.

Dabei ist die Idee so ganz neu nicht, denn letztlich fährt schon ein Porsche Panamera ein gutes Stück in diese Richtung und viele andere, bürgerlichere Kombis haben in den letzten Jahren das Raumvolumen zugunsten einer dynamischeren Form eingedampft. Aber die Schwaben haben ihre Idee mit der ihnen eigenen Konsequenz zu Ende gedacht und aus dem CLS Shooting Brake nicht nur ein ansehnliches, sondern durchaus auch praktisches Auto gemacht.

Edles Holz für den Boden

Mit einem Laderaumvolumen von bis zu 1550 Litern ist der Gepäckraum selbst größeren Aufgaben gewachsen, auch wenn Mercedes zur Realisierung dieses Wertes angesichts der sehr flach abfallenden Dachlinie fast fünf Meter Karosserielänge benötigte. Weitere serienmäßige Details vervollständigen den Eindruck, dass der Shooting Brake auch ein ernstzunehmender Kombi in bester Mercedes-Tradition ist: So lässt sich die Heckklappe elektrisch öffnen und schließen, gibt es eine Durchlademöglichkeit in den Fond und eine herausnehmbare Laderaumabdeckung. Taschenhaken im Laderaum, Gepäcknetze und 12-Volt-Steckdosen unterstützen die Alltagstauglichkeit. Und wer es optisch so richtig krachen lassen will, investiert 4700 Euro in einen mit amerikanischem offenporigen Kirschbaum getäfelten Holzladeboden inklusive schwarzen Intarsien – eine wunderbare Grundlage fürs Gucci-Kofferset und die Prada-Einkaufstüten.

Was Feines für den Boden: Wer möchte kann den Ladeboden mit offenporigem Kirschbaum-Holz belegen lassen.
Was Feines für den Boden: Wer möchte kann den Ladeboden mit offenporigem Kirschbaum-Holz belegen lassen.Foto: Hersteller

Wer allerdings vor allem auf Ladekapazität Wert legt, ist mit einem Kombi etwa der E-Klasse besser bedient. Die Betonung beim Coupé-Kombi liegt eindeutig auf „Coupé“. Die langgestreckte Motorhaube, die nach hinten immer schmaler werdenden Glasflächen der Fenster und natürlich vor allem die spektakulär abfallende Dachlinie signalisieren dem Betrachter: Hier kommt ein Auto mit sportlichem Anspruch. Und dass der CLS Shooting Brake – der Name stammt übrigens ursprünglich von Fahrzeugen, die für die Jagd umgerüstet wurden, und in den 60er- und 70er-Jahren stand er für zweitürige britische Sportwagen mit großer Heckklappe – im Grunde nichts anderes ist als eine edle Kombiversion des CLS-Coupés zeigt sich nicht nur am unveränderten Innenraum und dem bis zur B-Säule identischen Vorderbau, sondern auch den Motorisierungen, die allesamt so auch für den Viertürer zur Verfügung stehen.

Alles ist möglich

Basismodell ist der 250 CDI mit 150 kW/204 PS, der größere V6-Diesel 350 CDI leistet bereits 195 kW/265 PS. Bei den Benzinern steht die Variante 350 mit sechs Zylindern und 225 kW/360 PS als Einstieg zur Verfügung, darüber rangiert mit dem 500er bereits ein Achtzylinder mit 300 kW/408 PS, und die Spitze ist wie immer der AMG-Version vorbehalten, die es auf 386 kW/525 PS bringt. Damit nicht genug: In einer sogenannten „First Edition“, also einer dem Serienmodell vorangestellten Sonderausführung, leistet die AMG-Variante sogar 410 kW/557 PS. Alle Modelle sind mit einer Siebengang-Automatik und Start-Stopp-System ausgerüstet und können mit bis zu einem Dutzend Assistenzsystemen aufgerüstet werden.

Wer sich nicht zwischen Coupé und Kombi entscheiden kann, dem wird mit dem CLS Shooting Brake die Entscheidung abgenommen.
Wer sich nicht zwischen Coupé und Kombi entscheiden kann, dem wird mit dem CLS Shooting Brake die Entscheidung abgenommen.Foto: Hersteller

Ähnlich breit gefächert wie die Motorenpalette zeigen sich auch die Preise: Von 66 818 Euro für den CLS Shooting Brake mit dem kleinen Diesel bis zur hoch motorisierten und üppig ausgestatteten AMG „First Edition“ zu 130 359 Euro spreizt sich das Angebot. Zu sagen, hier wäre für jeden was dabei, verbietet sich angesichts der Preisgestaltung. Der Aufpreis zum Coupé hält sich dagegen überraschend in Grenzen. Je nach Motorisierung liegt er zwischen 1300 und 1900 Euro – bei deutlich besserer Basisausstattung des Shooting Brake.

Sportlich direkt abgestimmt

Der CLS fährt sich in der rund 90 Kilogramm schwereren „Kombi“-Version genauso präzise und souverän wie die Limousine, weshalb man zum Beispiel schon mit dem größeren Diesel und dessen 265 PS bestens bedient ist. Die serienmäßige Luftfederung an der Hinterachse sorgt für Fahrkomfort auch bei stärkerer Beladung, wobei der CLS Shooting Brake andererseits auch überraschend sportlich abgestimmt ist und dem Fahrer Löcher im Asphalt deutlich mitteilt.

Der Grundpreis von 65 628 Euro wirkt beim großen Diesel noch nicht allzu abschreckend. Wer den Verführungen der Preisliste nicht widerstehen kann, hat allerdings keine Mühe, nochmals die Hälfte des Basispreises für Extras obendrauf zu legen. Aber das ist bei einem deutschen Premiumhersteller nichts Neues und nicht allein dem CLS vorbehalten.

„Braucht die Welt ein Coupé mit einem Kombiheck“, fragte der für das Fahrzeug verantwortliche Entwickler Thomas Ruhl während der Präsentation rhetorisch ins Publikum. Seine Antwort dazu fiel wenig überraschend aus, aber auch wir konstatieren nach der ersten Testfahrt: Wer sich zwischen Coupé und Kombi nicht entscheiden kann (oder muss), wer einen großen, aber keinen riesigen Laderaum benötigt, wer Funktion und Schönheit vereint sehen will – und wer natürlich das nötige Kleingeld zu investieren bereit ist, der findet im neuen CLS Shooting Brake durchaus eine ernstzunehmende Alternative.

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