CO2-Ausstoß : Schamgrenze 100

Wie beim Corsa recken sich die Hersteller, um unter dieser CO2-Marke zu bleiben: Am Markt tut sich was

Ab sofort“, verkündet der Pressetext vollmundig, „setzt der smart fortwo cdi mit 86 g/km oder 3,3 Litern Dieselkraftstoff pro 100 km im manuellen Schaltmodus einen neuen Bestwert und beibt damit CO2-Champion.“ Smart reagiert damit auf den Polo 1.2 TDI BlueMotion von Volkswagen. Mit 87 Gramm hatte der dem bisherigen smart (88 g) seinen Weltmeistertitel entrissen. Sieben Millimeter abgesenkt und mit verringertem Luftwiderstand holte smart den Titel zurück. Rechte Hochachtung will dennoch nicht aufkommen: Der Polo ist nicht nur sicherer als der smart (fünf gegenüber vier Sicherheits-Sterne), sondern auch stärker (75 PS statt 54) und viel schneller (180 gegenüber 135 km/h). Er ist mit fünf (statt zwei) Sitzen und bis zu 952 Litern Laderaum (statt 220) ein richtiges Auto. Die Posse aber zeigt: Das CO2 ist ganz oben in den Chefetagen der Automobilhersteller angekommen. 100 Gramm pro Kilometer sind das neue Vorbild.

Diese 100 Gramm entsprechen einem Verbrauch von 4,3 Litern Benzin oder von 3,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer. CO2 und Verbrauch, das wissen selbst viele Politiker nicht, meinen dasselbe. Es sind lediglich verschiedene Bezeichnungen. Benzin und Diesel sind, chemisch gesehen, Kohlenwasserstoffe. Beim Verbrennen reagiert der Kohlenstoff mit dem Sauerstoff der Luft zu Kohlendioxid (CO2) der Wasserstoff zu Wasserstoffoxid – zu Wasser. Bei kaltem Auspuff wird es als Dampf sichtbar.

100 Gramm sind eine anspruchsvolle Vorgabe. Bisher bleibt es nur ein einziges Benzinauto darunter – der Toyota iQ 1.0. Selbst mit dem kleinsten Benzinmotor und trotz Start-Stopp-System reißt der smart die Latte (103 g). Auf ähnlichem Niveau liegen das Trio Citroen C1/Peugeot 107/Toyota Aygo, das Duo Nissan Pixo/Suzuki Alto oder der Daihatsu Cuore. Mit dem Umweg über die Hybrid-Technik schafft der Toyota Prius sogar 89 Gramm (und 3,9 Liter Normverbrauch) – der gleichfalls hybridisierte Honda Insight aber nur 101.

Kleine Diesel-Modelle indes sprießen mittlerweile unter der neuen Schamgrenze. Sie reichen vom smart cdi mit nunmehr 86 g/km über den Fiesta Econetic, den neuen Corsa 1.3 CDTI Ecoflex (siehe Bericht oben) und dem Ibiza Ecomotive (98 g) bis zum Peugeot 207 und zum Citroen C3 in den „99g“-Versionen. Den Vogel schießt Volkswagen mit seinen Blue-Motion-Modellen ab: Der „blaue“ Golf TDI begnügt sich gleichfalls mit 98 g/km, der Polo mit dem erwähnten neuen Dreizylinder-TDI gar mit 87.

Auch andere erreichen erstaunliche Werte. Der Mini D kommt – als „One“ mit 90 PS wie als „Cooper“ mit 110 PS – mit 104 g aus, entsprechend 3,9 Liter Normverbrauch. 99 Gramm gelten für den Volvo C 30 1.6 D Start-Stopp, 98 für den neuen Seat Leon Ecomotive. Der 225 km/h schnelle BMW 320d mit 163 PS glänzt mit sensationellen 109 g oder 4,1 Litern, und selbst eine 4,80-Meter-Limousine wie der VW Passat begnügt sich als Blue-Motion (105 PS) mit 114 g/km CO2 (4,4 Liter). Ein anspruchsvolles Ziel auch bei Jaguar: Ein künftiger 5,25 Meter langer XJ Diesel-Hybrid soll unter 120 Gramm CO2 bleiben.

Die Zahl der Sparversionen nimmt rasch zu. BMW, Peugeot und Citroen entwickeln neue Dreizylinder-Benziner, 1 Liter Hubraum, Leistung bis 120 PS. Mit ihnen sollen kleine Modelle deutlich unter 100 Gramm bleiben. Fiat bringt demnächst einen Zweizylinder: 900 cm3, Leistung wieder als Turbo bis 100 PS.

Sparmodelle, heißen sie nun Blue-Motion, Econetic, Ecomotive, bieten Genuss ohne Reue – Fahrleistungen und Fahrfreude wie mit bisheriger Technik, aber zu spürbar niedrigeren Steuer- und vor allem Kraftstoffkosten. Vor dem Kauf freilich ist ein spitzer Rechenstift gefragt. Manchmal sind die Aufpreise so hoch, dass sich Blue-Motion & Co. nicht rechnen. Es bleibt immerhin das gute Gewissen, ein besonders umweltfreundliches Auto zu fahren.

Auch Auto- und erst recht Erdgas senken den CO2-Ausstoß – beim Ford Fiesta LPG bis auf 119, beim Fiat Panda Natural Power bis auf 113, beim Chevrolet Matiz Ecologic sogar bis auf 107 Gramm pro Kilometer. Bei den Kraftstoffkosten liegen sie sogar noch unter den Dieseln.wolt

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