Continental testet neuen Rohstoff : Lasst Blumen rollen

Der Reifenhersteller Continental möchte künftig aus Löwenzahn Kautschuk gewinnen. Schon bald soll das schwarze Gold aus der heimischen Pflanze zu Versuchszwecken auf der Straße rollen.

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Löwenzahn, bisher eher als "Unkraut" bekannt, könnte künftig zur Gewinnung von Kautschuk benutzt werden.
Löwenzahn, bisher eher als "Unkraut" bekannt, könnte künftig zur Gewinnung von Kautschuk benutzt werden.Foto: dpa

Es klingt wie eine Idee von Peter Lustig. Nicht nur, weil seine Sendung Löwenzahn hieß. Schon bald könnten unsere Autos auf Reifen rollen, die aus Löwenzahnwurzeln gemacht sind. Der Reifenhersteller Continental forscht schon seit geraumer Zeit zu den Möglichkeiten aus der anspruchslosen Nutzpflanze eine Rohstoffquelle zu machen. Dazu ist das Hannoveraner Unternehmen sogar unter die Gärtner gegangen.

Bisher wird in der Reifenproduktion mit Naturkautschuk aus subtropischen Anbaugebieten gearbeitet. Die größten Produzenten sind Thailand, Indonesien und Malaysia. Der Transport ist teuer und die Situation in den Ernteregionen oft unübersichtlich. Continental und das Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Aachen vermelden nun einen Durchbruch. Erstmals konnte durch Optimierung der Züchtung und der Anbau-Anlagen hochwertiger Naturkautschuk aus Löwenzahnwurzeln hergestellt werden. Bei Münster wird nun eine Pilotanlage gebaut, mit der das Fraunhofer Institut und Continental den Kautschuk im Tonnenmaßstab herstellen wollen.

Ohne Transport umweltfreundlicher

"Wir investieren in dieses vielversprechende Material-Entwicklungs- und Erzeugungs-Projekt, weil wir überzeugt davon sind, dass wir dadurch unsere Reifenproduktion langfristig weiter verbessern können", sagte Nikolai Setzer, der im Continental-Vorstand für die Division Reifen verantwortlich ist. Löwenzahn könnte im großen Stil auch hierzulande angebaut werden. Das dürfte dem Reifenhersteller eine Menge Geld sparen. Aber auch die Umwelt würde entlastet, wenn der Rohstoff nicht mehr per Schiff aus Asien, Afrika oder Südamerika importiert werden müsste. Am Fraunhofer-Institut in Münster ist die Kultivierung des "Unkrauts" schon recht weit gediehen. "Wir haben uns in den letzten Jahren ein großes Know-how in Sachen Löwenzahnzüchtung aufgebaut. Mit Hilfe von DNA-Markern wissen wir nun, welches Gen für welches molekulare Merkmal verantwortlich ist. Die Züchtung von besonders ertragreichen Pflanzen ist so wesentlich effizienter möglich", sagt Projektleiter Prof. Dr. Dirk Prüfer zu den Forschungsarbeiten am Münsteraner Standort des IME.

Für Continental könnte mit dem Projekt ein großer Wurf gelingen. "Mit diesem Löwenzahn-Projekt machen wir einen großen Schritt auf dem Weg zu unserem langfristigen Ziel, die Produktion von Reifen komplett ohne fossile Materialien zu erreichen", erklärte Dr. Boris Mergell, der das Kooperationsprojekt als Leiter der Material- und Prozessentwicklung für Reifen bei Continental betreut. Vor allem aber dürften dann die Rohstoffkosten für den Reifenhersteller massiv sinken. Unklar ist allerdings noch, wo großflächig Löwenzahn für die industrielle Produktion angebaut werden könnte. Es gibt zwar in Deutschland viele Brachflächen. Ob das aber ausreicht oder Flächen umgewidmet werden müssen um den Bedarf zu decken, bleibt abzuwarten. Continental will jedenfalls schon bald mit den Tests der Löwenzahnreifen auf der Straße beginnen.

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