Cool bleiben : Was gegen Hitze im Auto hilft

Die Wetterdienste erwarten für die kommenden Tage tropische Hitze. Wer da ins Auto steigen muss, kann sich glücklich schätzen, wenn er eine Klimaanlage an Bord hat. Doch das Aufdrehen bis zum Anschlag ist nicht die Lösung, um den Wagen angenehm zu temperieren.

Renate Freiling
Mattscheibe: Die Abdeckung kann die Hitze im Auto deutlich mindern. Vor allem, wenn das Auto in der Sonne stehen muss.
Mattscheibe: Die Abdeckung kann die Hitze im Auto deutlich mindern. Vor allem, wenn das Auto in der Sonne stehen muss.Foto: dpa

Wenn es im Sommer im Auto besonders heiß ist, ergreifen viele Fahrer prompt zwei Gegenmaßnahmen: Klimaanlage an oder Fenster auf. Den Wagen so zu belüften, dass sich die Insassen wohlfühlen, ist aber nicht so einfach, wie es scheint. Nach Angaben des ADAC sollte das Thermometer im Fahrzeug am besten 21 bis 23 Grad anzeigen. Schließlich macht Hitze das Fahren beschwerlich und kann sogar die Gesundheit schädigen. Doch an besonders heißen Tagen neigen viele Autofahrer dazu, die Temperatur gleich dauerhaft unter 20 Grad abzusenken - das ist ebenfalls nicht sinnvoll.

Das übertriebene Herunterkühlen der Luft im Innenraum erhöht den Benzinverbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß. Je nach Technik und Einsatzbedingungen sei die Klimaanlage für bis zu zwei Liter Mehrverbrauch pro 100 Kilometer verantwortlich, erklärt Patrick Huth, Experte für Fahrzeugkühlung bei der Deutschen Umwelthilfe. Selbst in mitteleuropäischen Gefilden verursache die Klimaanlage rund fünf Prozent des jährlichen Gesamtverbrauchs eines Pkws. "Ein Durchschnittsfahrer könnte mit dieser Spritmenge einmal jährlich die Strecke Hamburg-Paris zurücklegen." Unter einer voll aufgedrehten Klimaanlage leiden nicht nur Umwelt und Geldbeutel, sondern auch die Gesundheit der Insassen.

Erkältungen und trockene Luft

"Klimaanlagen können bei zu niedrig gewählter Innentemperatur Erkältungen begünstigen", sagt Christiane Roick, Stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin beim Bundesverband der AOK. "Wenn der kalte Luftstrom direkt auf die verschwitzte Haut trifft, kann der Körper schnell auskühlen." Dann würden Haut und Schleimhäute nicht mehr so gut durchblutet.

Außerdem entziehen Klimaanlagen der Luft Feuchtigkeit. Die trockene Luft reizt Roick zufolge die Schleimhäute der oberen Atemwege und kann Atemwegsinfektionen begünstigen. "Zugluft durch Klimaanlagen kann aber auch Bindehautentzündungen auslösen oder zu Verspannungen der Muskulatur im Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich führen." Auch unzureichend gewartete Anlagen bergen gesundheitliche Risiken. Das feuchte Kondenswasser und von außen angesaugter Staub, Pollen und Schimmelsporen könnten ein Nährboden für Keime werden. Diese gelangten in den Innenraum und in die Atemwege der Insassen. Die möglichen Folgen: Allergien oder Infektionen.

Vermindertes Reaktionsvermögen

Die Deutsche Umwelthilfe empfiehlt, die Klimaanlage bei kurzen Strecken gar nicht einzuschalten und vor Fahrten an heißen Tagen das aufgeheizte Auto bei geöffneten Türen gut durchzulüften. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur sollte während der Fahrt maximal sechs Grad betragen, rät Patrick Huth. Ist die Differenz größer, müsse der Körper sich anstrengen, um einen Ausgleich zu schaffen, erklärt Roick. Hitzeempfindliche Autofahrer könnten dadurch Kreislaufprobleme bekommen, ihnen wird zum Beispiel beim Ausstiegen schwarz vor Augen.

Vor Ende der Fahrt sollte die Klimaanlage ausgestellt werden. So bleibt keine Restfeuchtigkeit im System.
Vor Ende der Fahrt sollte die Klimaanlage ausgestellt werden. So bleibt keine Restfeuchtigkeit im System.Foto: dpa

Allerdings darf das Auto auf keinen Fall überhitzen - sonst steigt das Unfallrisiko. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit oder Sehschärfe nehmen mit steigenden Temperaturen ab, erläutert Roick. Herrschen im Innenraum mehr als 24 Grad, verringerten sich Reaktionsvermögen und -geschwindigkeit. Die Autoinsassen stehen dann unter erhöhtem Stress und reagieren unter Umständen auch aggressiver. Wenn der Körper nicht mehr ausreichend Wärme abgeben kann, besteht zudem die Gefahr eines Hitzschlags.

Trinken nicht vergessen

Der Körper kompensiere Hitze normalerweise durch Schwitzen und eine stärkere Hautdurchblutung, insbesondere im Bereich der Extremitäten, so Roick. Schwitzen kühle durch Verdunstung die Haut. Nur sei diese Regulierung beim Autofahren für fast die Hälfte des Körpers nicht möglich, weil Beine und Rücken auf dem Sitz aufliegen und Kleidung die Wärmeabgabe zusätzlich behindert.

Um Hitze zu bewältigen, muss nicht nur die Temperatur im Wagen stimmen. Wer viel schwitzt, braucht auch viel Flüssigkeit. Das gelte besonders für lange Strecken, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Luftige Hemden und Hosen aus Baumwolle machen Autofahrten an heißen Tagen erträglich. Cabrio-Fahrer sollten gegen Hitzschlag und Sonnenbrand eine Kappe tragen und unbedeckte Haut mit Sonnenmilch eincremen. Um die Pedale sicher bedienen zu können, seien leichte, aber feste Schuhe geeignet - zum Beispiel Sandalen mit Hackenriemen. Wer mit Flipflops oder barfuß fahre und in einen Unfall verwickelt werde, riskiere seinen Versicherungsschutz.

Vor Fahrtende Klimaanlage aus

Um einem Hitzestau im Auto vorzubeugen, sollten sich Autofahrer schattige Parkplätze suchen oder ihre Scheiben abdunkeln. Speziell beschichtete Matten hinter der Frontscheibe reflektieren das Sonnenlicht und lassen die Temperatur im Innenraum nicht übermäßig ansteigen.

Der ADAC empfiehlt, bei Fahrzeugen mit Klimaautomatik vor der Fahrt die gewünschte Temperatur und das Programm zur Luftverteilung und Gebläsestärke einzustellen. Bei Anlagen mit Halbautomatik bringe zunächst das auf- und dann stufenweise zurückgedrehte Gebläse den gewünschten Erfolg. Ein paar Minuten vor Ende der Fahrt - das gilt für alle Klimasysteme - sollte der Fahrer die Kühlung ausschalten und das Gebläse laufen lassen. Dann bleibt keine Restfeuchtigkeit im Lüftungssystem zurück, die Keim- und Geruchsbildung begünstigt.

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