Auto : Crash-Sicherheit, Baujahr ’72

Old- und Youngtimer haben Defizite beim Insassenschutz. Beim Fahren muss man das einkalkulieren

Heiko Haupt (gms)

Gut 150 000 Autos waren Anfang 2006 mit einem H-Kennzeichen zugelassen, das nur an historische Fahrzeuge von mindestens 30 Jahren Alter vergeben wird. Das Fahren mit den alten Schätzchen hat Atmosphäre – doch in puncto Sicherheit sind sie nicht mit aktuellen Modellen zu vergleichen.

„Gerade bei sehr alten Fahrzeugen ist das Fahren damit auch eine Frage des verantwortungsvollen Umgangs“, sagt Josef Ernst, Sprecher von Daimler-Chrysler Classic. „Man kann sagen, dass das Fahren von Fahrzeugen bis hin zur Generation eines Mercedes-Flügeltürers aus den fünfziger Jahren etwas ist, das man geübt haben muss. Es gilt zum Beispiel, dass die Bremsen schwächer sind, je älter das Fahrzeug ist.“ Schließlich war in den zwanziger und dreißiger Jahren auf den Straßen noch nicht so viel los, dass man einer leistungsstarken Bremsanlage erste Priorität gab. Auch das Fahrverhalten an sich kann nicht immer mit dem sturen Geradeauslauf moderner Produkte verglichen werden.

Bei einem Wagen mit frei stehenden Kotflügeln, auf denen ebenfalls frei stehende Scheinwerfer montiert sind, dürfte das auch jedem klar sein. Anders jedoch bei den Youngtimern der siebziger und frühen achtziger Jahre, die man gefühlsmäßig noch eher der automobilen Gegenwart zurechnet. Doch gerade in den vergangenen 30 Jahren hat sich extrem viel am Auto getan – in Sachen Fahrwerk und Bremsen ebenso wie auf dem Gebiet der Sicherheit. Wird heute ein Auto mit dem Baujahr 1970 bewegt, dann bedeutet das auch, dass es aus einer Zeit stammt, in der mit 21 000 Verkehrstoten rund viermal so viele Menschen wie in der Gegenwart im Straßenverkehr ums Leben kamen.

„In den sechziger und auch siebziger Jahren galten noch ganz andere Standards – auch im Hinblick auf das Crash-Verhalten“, erklärt Hermann Schenk, Verkehrsexperte der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ). Zwar waren Knautschzonen schon bekannt – doch niemand sollte darauf vertrauen, dass ein Unfall, der heute meist nur einen Blechschaden zur Folge hat, mit einem Youngtimer ähnlich glimpflich ausgeht. Selbst die frühen Sicherheitseinrichtungen wie die Pralltöpfe der Lenkräder, erste Kopfstützen oder auch die Gurte garantieren längst nicht so viel Sicherheit wie heute. „Die frühen Gurtsysteme kann man eher als Mensch-Befestigungen bezeichnen“, meint Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrtzeuggewerbe (ZDK). Denn Gurtstraffer und ähnliche zusätzliche Sicherheitselemente kamen meist erst später auf.

Umgekehrt sind aber auch die Möglichkeiten begrenzt, einem alten Fahrzeug zu einem höheren Sicherheitsniveau zu verhelfen. So finden sich in Oldtimern oft nicht einmal Punkte, an denen sich Sicherheitsgurte optimal befestigen lassen. Auch dem Einbau moderner Bremsen sind meist technische und finanzielle Grenzen gesetzt.

Allerdings: Das heißt nicht, dass alte Autos nur in der Garage sicher sind. Man sollte sich der Gefahren nur bewusst sein und sich entsprechend verhalten – mit so einem Auto sollte man besonders vorausschauend fahren.Heiko Haupt (gms)

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