• Da spart man sich den Insignia Der Astra Kombi schluckt mehr Gepäck als sein großer Bruder – nicht die einzige Ungereimtheit

Auto : Da spart man sich den Insignia Der Astra Kombi schluckt mehr Gepäck als sein großer Bruder – nicht die einzige Ungereimtheit

Rainer Ruthe

Jetzt bringt Opel also den neuen Astra Kombi an den Start, der – sowas bestimmt das Marketing – nicht mehr den traditionellen Namen Caravan tragen darf, sondern jetzt Sports Tourer heißen muss. Auf Lifestyle getrimmt, soll der Neue den VW Golf Variant und den Ford Focus Turnier endlich das Fürchten lehren. Er schluckt zwar weniger Gepäck als sein biederer Vorgänger im aufrechten Bürgeranzug. Aber dennoch mehr als die Konkurrenz aus Wolfsburg und aus Köln. So weit, so gut. Doch offensichtlich haben sich die Entwickler im eigenen Hause nicht kundig gemacht. Denn dieser Astra schluckt auch etwas mehr Ladegut als der 21 Zentimeter längere und gut 4000 Euro teurere Insignia Sports Tourer. Ein einmaliger Fall, der sicher manchen Interessenten stutzig macht – und ihn dann zum günstigeren Kombi greifen lässt.

Bei den Preisen rückt Opel beim Neuen von der früheren Kundenfreundlichkeit etwas ab: Das mit 18 000 Euro günstige dotierte Einstiegsmodell 1.4 Selection mit 100 PS ist ein faules Ei. Zwar gibt es Klimaanlage und CD-Radio im Paket für 990 Euro extra. Aber das war es dann fast schon, denn viele der schönen Dinge, auf die Opel so stolz ist, sind für das Basismodell nämlich nicht lieferbar. Die gibt es nur ab der nächsten Ausstattungsversion Edition, für die mindestens 19 800 Euro zu bezahlen sind. Dort kostet die Verkehrszeichenerkennung per Kamera 725 Euro.

Das sicherheitsfördernde Fahrlicht AFL mit variabler Lichtverteilung für Stadt, Spielstraße, Autobahn oder schlechtes Wetter gibt es für 1200 Euro. Und auch den (wirklich tollen!) Ergonomiesitz, der ein Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken hat, spendiert Opel für 390 Euro Aufpreis erst Käufern der Edition-Version. Noch ärger: Das FlexFold-System, wo die Fondlehnen vom Heck aus per Hebeldruck bequem umgelegt werden können, gibt es gar erst ab der Sport-Ausstattung (also ab mindestens 21 740 Euro). Und warum nur für das Basismodell Selection keine Alarmanlage lieferbar ist, werden Opel-Händler den Kunden nur schwer vermitteln können. Wenigstes ist für das Basismodell für 170 Euro die schlaue Laderaumabdeckung EasyAccess lieferbar, bei der ein Fingerdruck genügt, damit sie automatisch nach oben gleitet.

Trotz dieser merkwürdigen Modellpolitik wird der neue Kombi seine Anhänger finden, denn er ist ein gelungenes Auto. Das Astra-Fahrwerk gehört zu den besten in der Kompaktklasse. Der Sports Tourer vergisst trotz seiner sportlichen Note nicht, dass Komfort heutzutage ein wichtiges Kaufargument ist. Der Opel ist einfach ein angenehmer Begleiter. Leise, unaufdringlich.

Weniger gut ist es um die Motoren bestellt (siehe Kasten). Wir sind den Turbobenziner mit 140 PS (ab 20 500 Euro) und den großen Diesel mit 160 PS (ab 25 305 Euro) gefahren. Der Benziner tut sich schwer. Man hat das Gefühl, das Gaspedal sei in Watte gepackt, so verzögert und schaumgebremst reagiert der Motor. Wegen der langen Übersetzung muss schon bei kleineren Steigungen zurückgeschaltet werden. Testverbrauch laut Bordcomputer: 8,9 Liter. Viel besser ist der kräftige, aber auch knurrige Diesel. Testverbrauch? 6,9 Liter. Mit diesem Kraftmeier kommt richtig Fahrfreude auf. Aber Vorsicht! Mit ein paar Extras landet man beim empfehlenswerten Opel Astra Sports Tourer 2.0 CDTi Ecotec Sport schnell bei 35 000 Euro.

PS: So gar nicht zum neuen Lifestyle-Designanspruch passen die schwarzen Scharniere für die Gasdruckdämpfer der Heckklappe im billigen Baumarktstil. Sie sehen aus, als wären sie nachträglich noch schnell angebaut worden, weil man sie in der Konstruktionsphase vergessen hatte.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben