Auto : Da staunste

Unterwegs im Alltag – heute mit einer Doppelpackung Sparauto, eines groß, eines mini. Bei beiden tendierte unser Verbrauch gegen fünf Liter

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Überraschung II. Der große Volvo hat sogar als Sparversion Charme. Fotos: promo
Überraschung II. Der große Volvo hat sogar als Sparversion Charme. Fotos: promo

Auf den ersten Blick…

geht der eine flach unter wie der andere hochbauend auffällt. Mit mehr oder weniger Schönheit hat das nichts zu tun – Limousinen wie der Volvo S 80 begleiten uns halt schon seit Jahr und Tag. Aber ein Würfel ohne Überhänge, der es mit dem Smart aufnehmen kann, der rollt immer noch selten durchs Land. Der Toyota ist nicht mal drei Meter lang – sensationell, wenn er trotzdem vier Sitze offeriert, mögen die hinteren noch so knapp-unbequem sein. Der IQ wirkt sympathisch, wenn auch gedrungen und am Heck wie abgeschnitten; der S 80 elegant, weil fließend von vorne bis hinten, ganz ohne Bruch. Auch innen bindet der Japaner mehr Aufmerksamkeit. Ob der IQ auch an Playmobil erinnert, wie es beim Smart seinerzeit war? Nein, im Gegenteil: Bis auf die kurzen Sitze wirkt alles erwachsener, reifer als beim Rivalen aus dem Großhause Daimler. Der Volvo zelebriert Souveränität: Das nordische Design schwebt wie die Mittelkonsole über den Dingen. Ein klarer, ein ruhiger Stil, der vom Selbstbewusstsein eines Premiums zeugt.

Pluspunkte gibt es vor allem für…

die Überraschungen, die uns der eine wie der andere beschert. Der Volvo hat es geschafft, uns zu bekehren: Ja, sagen wir heute, man kann einen großen Schlitten durchaus mit Genuss fahren, wenn man nur 109 PS unter der Haube hat. Es ist eine Frage der Einstellung. Und die änderet sich mit jedem Kilometer im 1.6 Driv-e. Au wacker, denken wir anfangs, das musste ja schief gehen. Es dauert, bis der Wagen so richtig in Fahrt kommt; es irritiert, wie der Motor an mancher Steigung und bei manchem Überholmanöver die Segel streicht. Dann aber schalten wir um, im Kopf wie im Auto. Gleiten mehr zur Arbeit statt dorthin zu yachten; wechseln eher früher als später die Gänge; genießen wie leise der S 80 zu Werke geht oder, egal, wie gut er gedämmt ist. Mal nehmen wir unseren Sohn mit, mal drei Freunde, meist sind es kurze Strecken durch Berlin und einmal eine Reise nach Koblenz, 600 Kilometer beinahe und gelassene Tempo 160 im Schnitt. Am Deutschen Eck schauen wir nach dem Verbrauch: 5,4 Liter. Das müssen wir fotografieren; festhalten, dass sowas möglich ist, anno 2010, der Komfort eines Großen mit dem Verbrauch eines Kleinen.

Beim IQ, den wir – ein Zufall der logistischen Planung – in der Woche gleich nach dem Volvo fuhren, steht zu am Ende ein mit 5,6 Litern ähnliches Ergebnis, wenn auch mit anderer Betonung: Der Verbrauch eines Kleinen mit der Beinahe-Reisetauglichkeit eines Großen. Natürlich wollen wir den Vierplatz-Luxus im Volvo nicht ernsthaft zum Maßstab für die Enge im Toyota machen. Aber nie hätten wir geglaubt, wie souverän ein mit Zweien besetzter Mini die gleiche Tour nach Koblenz bewältigt – ob freier Strecke waren wir teils mit 175 km/h unterwegs. Am störendsten waren noch die Windgeräusche. Ansonsten aber: Kein Zittern der Karosserie, kein Hoppeln wie im Smart, keine Verschlucker beim Schalten. Der 1.4er macht seine Sache ordentlich, profitiert natürlich vom Effekt, der sich in allen Winzlingen einstellt: Alles kommt einem dynamischer vor, als es ist.

Weniger Charme haben…

die fehlenden Ablagen im IQ. Und der Marder, der die Elektronik unseres Test-Volvos lahm legte.

Die spannendsten Details…

bietet der IQ in Form allgegenwärtiger Miniatisierung. Die Sitzlehnen besonders schmal. Der flache Tank platziert unter dem Rücksitz. Die Armaturentafel asymmetrisch. Navi, Telefon und Klima in einem freitragenden, V-förmigen Träger komprimiert. Jeder Millimeter zählt.

Unterm Strich die richtige Wahl für…

Leute, die es Oberklasse finden, keinen Tropfen Sprit zu verschenken: Die Sparausgabe des S 80 beeindruckt. Und für Paare, die im IQ auch mal Kinder mitnehmen wollen: Das nämlich geht im Smart bei ähnlichem Preis nicht. Eric Metzler

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